Madoff

Seid verschlungen, Milliarden

von Andreas Oswald und Katrin Richter

Der frühere US‐Börsenchef Bernard L. Madoff hat mit dem größten Börsenbetrug der Weltgeschichte nicht nur Banken und Fonds, sondern auch jüdischen Stiftungen weltweit Verluste beschert, die insgesamt in die Milliarden gehen könnten. Zu den Geschädigten gehören unter anderem die Stiftungen von Hollywood‐Regisseur Steven Spielberg und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel. Die US‐Stiftung Robert I. Lappin, die Bildungsprogramme in Israel finanziert, hat sogar ihr gesamtes Vermögen verloren. Experten gehen davon aus, dass sich noch viele Opfer melden werden.
Bernard L. Madoff soll Anleger aus der ganzen Welt mit einem Schneeballsystem um 50 Milliarden Dollar betrogen haben. Der ehemalige Chef der Technologiebörse NASDAQ, der heute 70 Jahre alt ist, galt jahrzehntelang als einer der namhaftesten und seriösesten Banker der New Yorker Wall Street. Die Investoren standen bei ihm Schlange.
Die Reichsten, aber auch viele Wohltätigkeitsorganisationen glaubten ihr Geld bei ihm in guten Händen. Jahrzehntelang zahlte er zweistellige Renditen aus, finanzierte sie aber mit den Einzahlungen neuer Investoren. Es handelte sich um ein klassisches Schneeballsystem nach dem Ponzi‐Modell – benannt nach dem Betrüger Charles Ponzi aus den 20er‐Jahren. Ein solches Schneeball‐ oder Pyramidensystem, das gerade in armen Ländern und geschlossenen Milieus Anleger findet, kalkuliert gezielt mit der Gewinnsucht der Beteiligten und funktioniert genau so lange, wie ausreichend neue Anleger gefunden werden.
Vergangene Woche brach Madoffs betrügerisches System zusammen. Als er seine beiden Söhne Mark und Andrew informierte, nahmen sie Kontakt zur Bundes‐ polizei FBI auf. Seither herrscht weltweit blankes Entsetzen unter Anlegern. Zu den Opfern gehören nicht nur Banken, Fonds und Konzerne, sondern auch Stiftungen und Universitäten. Die Auswirkungen für sie sind katastrophal.
Im Folgenden findet sich eine unvollständige Auflistung jüdischer Organisationen, die laut Medienberichten aus Israel und den USA betroffen sein sollen.
Steven Spielbergs Wunderkinder Foundation konzentriert ihre Arbeit auf den Bildungsbereich und unterstützt medizinische Hilfseinrichtungen. Die größte Spen‐ de in Höhe von 3,4 Millionen Dollar ging an das Cedars‐Sinai Medical Center. Jeweils 100.000 Dollar erhielten die Archer School for Girls und die Vista Del Mar Child and Family Services in Los Angeles.
Frank Lautenberg, Senator von New Jersey, spendete 765.000 Dollar an mehr als 100 Einrichtungen, darunter die Breast Cancer Research Foundation, das Hackensack University Medical Center und die Policemen’s Benevolent Association in Cliffside Park.
Der New Yorker Publizist Mortimer Zuckerman sponserte vor dem israelischen Rückzug aus dem Gasastreifen im Jahr 2005 Treibhäuser für palästinensische Familien. Er engagiert sich unter dem Motto „Jewish Causes“.
Die Elie Wiesel Foundation for Humanity engagiert sich vornehmlich im Jugendbereich: Die Stiftung kümmert sich um Kinder und Jugendliche in Krisenregionen. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Beit Tzipora Centers for Study & Enrichment in Israel, das sich um jüdisch‐äthiopische Kinder kümmert und versucht, ihnen ein Zugang zu Bildung zu vermitteln.
Die Carl & Ruth Shapiro Family Foundation unterstützt die Brandeis Universität in Waltham (Massachusetts) und das Beth Israel Deaconess Medical Center der Harvard Universität. Carl und Ruth Shapiro rufen Nahrungsmittelhilfsprojekte ins Leben und vergeben Stipendien für High‐School‐Absolventen. Ziel ist es, dass Studenten ihre vierjährige College‐Zeit mit möglichst wenig Schulden abschließen.
Die Chais Family Foundation spendete jährlich 12,5 Millionen Dollar an jüdische Projekte. Das Geld ging unter anderem an das Chais Family Education Camp. Am Montag musste es schließen.
Das Vermögen von Lilian und Martin Steinberg, das dem American Jewish Congress (AJC) zugute kam, ist vermutlich ganz verloren. Die Organisation teilte mit, man sei „schwer getroffen“, könne eine Schließung aber abwenden.
Doch nicht nur Anleger sind Opfer des Betrugsskandals. Bernhard Madoff selbst hat bisher viele jüdische Einrichtungen unterstützt, die sich nun alle um ihre Existenz sorgen müssen.
Zum Beispiel förderte Madoff die private New Yorker Yeshiva Universität, bei der man nun von Verlusten von mindestens zehn Millionen Dollar spricht.
Auch Gift of Life, eine jüdische Einrichtung zur Bekämpfung von Knochenmarkserkrankungen, muss demnächst wohl ohne Madoffs Geld auskommen.

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