horrorfilm

Schrecklich erfolgreich

Oren Pelis Geschichte erinnert an amerikanische »Vom Tellerwäscher zum Millionär«-Erfolgsstorys. Als Quereinsteiger drehte der 39-Jährige für nicht einmal 15.000 Dollar Produktionskosten einen Film, der sich zum Überraschungsblockbuster des Jahres mauserte. Allein an den amerikanischen Kinokassen setzte Paranormal Activity, der seit Ende November auch in Deutschland läuft, bislang mehr als 100 Millionen Dollar um, womit der geschickt als nächstes Blair Witch Project vermarktete Gruselstreifen zu den profitabelsten Filmen aller Zeiten zählt.
Der 1970 geborene Peli kam mit 19 Jahren aus Israel in die Vereinigten Staaten, wo er zunächst Karriere als Programmierer von Konsolenspielen wie Mortal Kombat 3, NFL Xtreme und MLB 08 machte. Dass er einmal als Regisseur Erfolg haben würde, glaubte er damals selbst nicht. »Es war schon immer ein Traum von mir, Regie zu führen«, erzählt er bei einem Besuch in Berlin. »Aber ich habe mich nie aktiv darum bemüht, weil ich es doch nicht für möglich gehalten hätte. Erst der Erfolg von unabhängig finanzierten Filmen wie Blair Witch Project oder Open Water hat mir den Mut gegeben, es auch mal zu versuchen.«

authentisch Paranormal Activity entstand in nur sieben Drehtagen. Die Location war Pelis Privathaus in San Diego, wo der Israeli noch immer wohnt. Der Film handelt von Katie und Micah, einem jungen Paar, dessen Nachtruhe von unheimlichen Geräuschen gestört wird. Um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, installiert Micah eine Kamera im Schlafzimmer. Und tatsächlich offenbaren die Aufnahmen am nächsten Morgen, dass des Nachts nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Ein hinzugezogener Parapsychologe mutmaßt, dass Katie von einem Dämon heimgesucht wird.
Ein fertiges Skript gab es zu Beginn der Dreharbeiten nicht, nur einen ungefähren Plan, wohin die Reise gehen sollte. Peli, der ein Jahr lang jedes Buch gelesen hatte, »das mir zu den Themen Besessenheit und Dämonologie in die Hände fiel«, improvisierte mit seinen Darstellern Katie Featherston und Micah Sloat einen Großteil der Szenen, die deswegen im Film eine ungewohnte Natürlichkeit ausstrahlen. »Ich habe den Schauspielern erzählt, wie sie sich eine Szene vorstellen sollen, dann lag es völlig an ihnen, diese auszuarbeiten – inklusive ihrer eigenen Dialoge.« Weil das Publikum zudem nur jene Aufnahmen zu Gesicht bekommt, die Micah mit seiner Kamera macht, entsteht tatsächlich der Eindruck eines stinknormalen Heimvideos – ganz im Sinne des Regisseurs: »Das Konzept bestand darin, dass ein Paar eine Videokamera kauft und damit zu Hause filmt. Dies war der einzige Weg, den Film derart authentisch zu gestalten.« Es ist diese Glaubhaftigkeit des Materials, die dem langsam in die Vorortidylle eindringenden Horror Tür und Tor öffnet. Unerklärliche Geräusche, Fußspuren im ausgestreuten Mehl, eine sich von Geisterhand öffnende Tür und eine unsichtbare Gestalt, die sich plötzlich mit unter die Bettdecke kuschelt – diese wohlbekannten Gruseleffekte sind in Paranormal Activity gleich doppelt effektiv, weil der Zuschauer eben nicht das Gefühl hat, nur einem weiteren 08/15-Schocker Marke Hollywood beizuwohnen.
spielberg Dabei wäre Pelis Film, zu dem ihn Horrorklassiker wie Rosemaries Baby, The Sixth Sense und The Others inspiriert hatten, in der ursprünglichen Version fast nicht in die Kinos gekommen. Paramount Pictures erwarb die Rechte an der Produktion 2007, wollte aber getreu dem Irrglauben vieler Großstudios »Nur teuer ist gut!« lieber für viel Geld ein Remake drehen, statt das billige Original zu vermarkten. Zum Glück intervenierte Peli und verlangte, dass seine Fassung zumindest einmal öffentlich vorgeführt wurde. Die positiven Reaktionen veranlassten das Studio zum Umdenken. Der Rest ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Die ist zu einem nicht geringen Teil auch Steven Spielberg zu verdanken, der sich in Hollywood sehr für den Film eingesetzt hat. Von Spielberg stammt nicht nur das jetzige Finale, das den Zuschauer vor Schreck aus seinem Sessel fahren lässt, sondern auch eine amüsant-gruselige Anekdote, die seit einiger Zeit die Runde in der Traumfabrik macht: Als sich der Regisseur und Produzent den Film daheim angesehen hatte, war die Tür seines Schlafzimmers plötzlich von innen verschlossen. Einem herbeigerufenen Schlosser gelang es nicht, sie zu öffnen. Die Tür musste aufgesägt werden, um den mehrfachen Oscarpreisträger aus seiner misslichen Lage zu befreien. Daraufhin ließ Spielberg die DVD von Paranormal Activity von einem Angestellten in sein Büro bringen, weil er sie nach diesem unerklärlichen Vorkommnis lieber nicht mehr bei sich im Haus haben wollte.
Oren Pelis zweite Regiearbeit Area 51, ein Film über die streng geheime, sagenumwobene US-Militärbasis in Nevada, in der angeblich UFOs und Leichen von Aliens gelagert sind, ist bereits abgedreht und befindet sich aktuell in der Postproduktion. Fünf Millionen Dollar betrug das Budget diesmal. Um ähnlich profitabel wie Paranormal Activity abzuschneiden, müsste der Film mehr als 30 Milliarden Dollar einspielen.

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