Puppenbühne

Sängerstreit in Oldenburg

Iwan Solomonoviech greift kräftig in die Saiten seiner Gitarre. Die Schwestern Isolde und Ethel mit rotem Blazer und schwarzem Abendkleid stimmen ihre Koloraturen an, ein Orchester im Hintergrund begleitet sie. Aber auch Magdalena möchte ihren Teil zum Galaabend beitragen. Sie bietet sich in ihrer ganzen Leibesfülle als Bauchtänzerin an, was Monja Friedman strikt ablehnt: Bauchtänzerin, nein, das geht nicht. Die Gelegenheit nutzt der chassidische Rebbe mit den Plusterbacken und versucht mit seinem „wenn der Rebbe tanzt“, die Gunst der Zuhörer zu gewinnen. Er tritt an die Bühnenrampe und breitet seine Arme aus, so dass er alle anderen Stars in den Hintergrund drängt.
Wie im richtigen Leben. Doch die Akteure sind Stockpuppen. Ihr Sangeswettstreit findet auf einer selbstgebauten Puppenbühne in Oldenburg statt. Gehalten und mit Stimme versorgt werden sie unter anderen von acht Mitgliedern der jüdischen Gemeinde. Entstanden sind Puppen, Stück und Bühnenausstattung in einem gemeinsamen Integrations‐Projekt für Zuwanderer der Stadt Oldenburg. Marina Kutschnir führt die Geschäfte des Puppentheaters, Yakub Zair‐Bek fungiert als künst‐ lerischer Leiter, und Lev Mirkine ist technischer Leiter und Darsteller.
Ihren ersten Auftritt hatten die Akteure im Dezember. Doch mit Onkel Wanja aus Kiew und Tante Olga aus St. Petersburg sollen die Stockpuppen noch weitere Verwandte und Auftritte bekommen, denn das Premierenpublikum in der jüdischen Gemeinde war begeistert vom ersten Puppentheater. „Es ist für jeden etwas dabei. Von den Puppen fühlen sich sowohl die Kinder wie auch die Erwachsenen angesprochen“, sagt Gemeindevorsitzende Sara‐Ruth Schumann und freut sich auf die nächste Vorstellung. Die ist für Purim geplant. Schon jetzt liegen selbstgeschriebene Texte vor, die in heiterer Weise das Leben von Zuwandern in Deutschland aufgreifen und deshalb wie geschaffen für eine weitere erfolgversprechende Aufführung scheinen. Heide Sobotka

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