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Eine Ausstellung erinnert an deutsch‐jüdische Mathematiker

von Gideon Böss

Vom 25.–30. März trafen sich an der Humboldt‐Universität Berlin die Mitglieder der Deutschen Mathematiker‐Vereinigung und der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik. Zum Rahmenprogramm gehörte eine Ausstellung im Foyer der Universität über „Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur“. Konzipert wurde die Ausstellung unter Federführung von Birgit Bergmann und Moritz Epple vom Historischen Seminar der Universität Frankfurt am Main.
Acht Themenstationen befassten sich vor allem mit der Zeit zwischen 1789 und 1945. Die Schikanen wurden gezeigt, die es Juden trotz offizieller Gleichberechtigung bis weit ins 19. Jahrhundert hinein beinahe unmöglich machten, eine akademische Karriere einzuschlagen. Und das, obwohl es jüdische Übersetzer waren, die den wissenschaftlichen Fortschritt Europas maßgeblich vorangetrieben hatten, indem sie seit dem 10. Jahrhundert mathematische Werke aus dem Arabischen ins Lateinische übertrugen.
Die Situation änderte sich erst nach der Französischen Revolution, doch schritt die Emanzipation in Deutschland nur langsam voran. So berief die Berliner Friedrich‐Wilhelm‐Universität 1875 den ersten Juden zum Professor – 65 Jahre, nachdem die Habilitation nicht mehr an die Taufe geknüpft wurde. Obwohl die offiziellen Gesetze keinen „Taufzwang“ vorsahen, blieb der Übertritt wichtig, um im akademischen Betrieb Aufnahme zu finden. Das wird an den 18 jüdischen Wissenschaftlern deutlich, die sicgh in der Zeit zwischen 1810 und 1848 habilitierten. Sieben von ihnen fanden Anstellungen an Universitäten, darunter die vier, die sich hatten taufen lassen.
Obwohl anhand der Familiengeschichte des Mathematikers Robert Remak beispielhaft auf das Schicksal deutscher Juden eingegangen wird, die nach vielen Demütigungen endlich die Gleichberechtigung er‐ kämpft hatten, ehe diese kurze Epoche im Ho‐ locaust endete, lag der Fokus der Ausstellung nicht auf der Vertreibung und Ermordung der jüdischen Mathematiker, sondern sollte ihre bedeutenden Leistungen in dieser Disziplin würdigen. Eine Station stellte Universitäten vor, an denen jüdische Mathematiker wirkten. Berlin und Göttingen bildeten die Zentren, auch Frankfurt und Bonn genossen einen guten Ruf. Daneben gab es aber weiterhin Universitäten, die keine Juden aufnehmen wollten und sich allerlei Schikanen ausdachten. Einige verlangten von jüdischen Studierenden doppelt so hohe Gebühren wie von christlichen. In der Weimarer Republik konnten immer mehr jüdische Wissenschaftler Universitätsposten erhalten. Sie waren an der Gründung der Deutschen Mathematiker‐Vereinigung beteiligt und engagierten sich als Autoren und Herausgeber diverser Fachzeitschriften. Die Ausstellung zeigte bedeutende Publikationen jüdischer Mathematiker, von denen viele zu Standardwerken ihres Fachs wurden.
Die letzten beiden Stationen beschäftigten sich mit dem Nationalsozialismus und der Zeit danach. Es wird auf die fehlende Solidarität der nichtjüdischen Akademiker hingewiesen und darauf, dass die Universitäten nach dem Krieg den ins Exil Gezwungenen kein Angebot zur Rückkehr machten. Annette Vogt, Mitorganisatorin der Ausstellung, stellt dazu fest: „Es ist noch viel zu erforschen, den Spuren jüdischer Mathematiker vor und nach ihrer Emigration zu folgen, Gründe für eine Nicht‐Rückkehr zu rekonstruieren, den Umgang miteinander ab 1945 zu erforschen.“ Im „Jahr der Mathematik“ 2008 soll die Ausstellung an weiteren deutschen Universitäten gezeigt werden.

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