EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 53 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 48 Sitze

Heiligkeit

Raum, Zeit, Licht

von
Rabbiner Julian Chaim Soussan

»Der Weltraum: unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr …« Diese Worte aus den Filmen vom Raumschiff »Enterprise« versetzten jahrelang Millionen von Zuschau-ern in eine fast feierliche Stimmung. Sie begleiteten Captain Kirk und Co. auf ihren fantastischen Reisen durch Raum und Zeit. Längst ist bekannt, dass die Serie ganz deutliche Anspielungen auf das Judentum enthält. So hat Leonard Nimoy alias Spock in einem Interview erklärt, dass der berühmte »Vulkaniergruß« – eine vorgestreckte Hand mit gespreiztem Mittel- und Ringfinger – von ihm eingebracht wurde, weil er sich an den Birkat Kohanim, den Priestersegen in der Synagoge, erinnerte.
Aber auch die Grundelemente Raum und Zeit, die die Menschheit seit Langem beschäftigt, sind Konzepte, in denen sich die Tora deutlich positioniert: »Am Anfang erschuf G’tt die Welt« – der Beginn von Zeit (Anfang) und Raum (Welt).
Für die griechischen Philosophen der Antike war das so nicht denkbar: Wenn man einen Zeitpunkt Null setzt, was war dann zehn Minuten zuvor? Zeit ist unendlich. Sie misst sich anhand von Bewegung: Wie lange dauert es von A nach B, oder wie lange braucht der Baum zum Wachsen. Dies ist auch der Grund, warum beispielsweise auf einer Fotografie keine Zeit vergeht: Es bewegt sich nichts. Wenn aber Zeit unendlich ist und Bewegung braucht, um gemessen zu werden, dann ist auch die Welt ohne Anfang, argumentierten die alten Griechen.
Die Tora hält dagegen, dass vor der Zeit nur G’tt existierte. Haschem, dessen hebräischer Name, bestehend aus den Buchstaben Jud, Hej, Waw und Hej, eine einzigartige Variation des hebräischen Wortes »Sein« darstellt. G’tt gibt sich Mosche am Dornbusch zu erkennen: »Äheje ascher Äheje« – »Ich bin der, der ich bin«, oder »Ich werde der sein, der ich sein werde«. G’ttliche Existenz drückt sich für Menschen als Variationen des Wortes »Sein« in verschiedenen Zeitformen aus. Interessant, dass ein weiterer Name für G’tt »Hamakom« ist: der Ort.
G’tt ist vor Anbeginn der Zeit und des Raumes genau das: »Memale Almin« – der, »der die Welten ausfüllt«. G’tt ist außerhalb von Zeit und Raum, Er füllt unendliche Zeit aus und unendlichen Raum, Er ist nicht messbar.
Von Anfang an aber teilt Haschem für die Menschen die Zeit ein. Die Schöpfungswoche mündet im Schabbat, dem siebten Tag, der zu heiligen ist, indem wir nicht arbeiten. Für viele schwierig nachzuvollziehen ist hierbei das Trageverbot. Während auf privatem Gelände sogar schwere Gegenstände geschleppt werden dürfen, ist es auf öffentlichem Gebiet verboten, auch nur ein Taschentuch zu tragen.
Man kann dieses Verbot aber aufheben, indem man einen Eruw schafft. Wenn beispielsweise zwei Nachbarn ihre Grundstücke für einen Schabbat zum gemeinsamen Gebiet erklären, können sie Gegenstände, wie Speisen, Getränke und Geschenke für die Kinder, hin und hertragen. Dieses Konzept lässt sich sogar auf die gesamte Fläche einer Stadt übertragen, solange sie komplett umzäunt ist. Auch in Deutschland gab es vor dem Krieg Städte mit Eruw. So seltsam das Konzept auf den ersten Blick erscheinen mag, es beinhaltet eine tiefgründige Besonderheit: Heiligkeit, ausdehnbar in Raum und Zeit. In unserem Wochenabschnitt wird die Heiligkeit sogar für ein ganzes Jahr auf ganz Israel ausgedehnt: das siebte, das Brachjahr, genannt Schmitta.
Heiligkeit ist für den Menschen zunächst etwas räumlich und zeitlich Begrenztes: eine Mizwa, die an einem Ort und zu einem Zeitpunkt erfüllt wird, beispielsweise das Gebet in der Synagoge in eben dem Moment, da es gesprochen wird. Erweitert um den Faktor Zeit, kann ein ganzer Tag heilig werden, der Schabbat. Und dieser heilige Tag wird um den Faktor Raum auf eine ganze Stadt ausgedehnt. Nach der Zerstörung des Tempels als dem heiligen Ort schlechthin ist dies ein ungemein tröstlicher Gedanke: Man kann ganz Berlin, ganz Frankfurt oder Düsseldorf an einem Tag in jeder Woche zu einem geheiligten Raum werden lassen.
Hiroshi Sugimoto, ein japanischer Künstler, hat einmal eine Fotoserie von Kinoleinwänden gemacht. Durch eine spezielle Aufnahmetechnik gelang es ihm, eine Leinwand zu fotografieren, während ein ganzer Kinofilm lief. Was auf den Fotos zu sehen ist? Licht, strahlend hell. Denn während der Film lief, wurde jeder Bereich der Leinwand irgendwann einmal mit Licht erhellt, dies hat sich auf der Fotografie als »Belichtung« erhalten.
Genauso sollte unser Leben im Idealfall sein: Die Summe unserer Zeit in jedem Aspekt möglichen Raumes mit Heiligkeit, mit Licht ausgefüllt. Die Tora lehrt, dass wir uns immer und überall zum Heiligen hin entwickeln sollen, damit diese Heiligkeit dauerhaft in Raum und Zeit wahr wird.

Der Autor ist Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

Regierungsbildung

Berliner Linke berät erneut über Vanessa Emde

Kurz vor dem geplanten Beginn von Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD diskutiert die Berliner Linke über Antisemitismus - einmal mehr

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026