Auf wohl fast allen großen Konzertbühnen der Welt hat Itzhak Perlman schon Klassik-Erfolge gefeiert, aber wirklich berühmt wurde der Star-Geiger mit einer Filmmusik. »Die Titelmusik von Schindlers Liste ist das einzige Stück, das Menschen mich konkret bitten zu spielen«, erzählte Perlman, der am Sonntag, den 31. August 80 Jahre alt wird, jüngst bei einer Veranstaltung. »Es ist sehr einfach, aber bringt viele Emotionen hoch.« Der Film aus dem Jahr 1993 erzählt die Geschichte des Geschäftsmanns Oskar Schindler, der Hunderte Juden vor den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten bewahrte.
Das Repertoire des Popstars der Klassik ist riesig: Neben dem Soundtrack für Schindlers Liste ist er auch schon in der »Sesamstraße« aufgetreten, spielte die US-Nationalhymne oder gemeinsam mit Billy Joel den Song »We Didn’t Start the Fire«. Auch Jazz und Klezmer gehören zu seinem Repertoire.
Immer wieder blickt er über die Grenzen der klassischen Musik hinaus - und bleibt dabei einer der großen Violinvirtuosen - in einer Reihe mit Legenden seines Fachs, etwa Yehudi Menuhin oder Jascha Heifetz. Bis weit ins kommende Jahr hinein ist sein Auftrittskalender schon vollgepackt.
Mit Preisen überhäuft
Dabei sah es zunächst so aus, als ob die Hürden für eine Musikerkarriere kaum überwindbar seien. Mit vier Jahren erkrankte der 1945 im israelischen Jaffa geborene Perlman an Kinderlähmung. Seitdem ist er auf Gehhilfen angewiesen und kann nur im Sitzen spielen.
Nach einer Behandlung begann er in Israel mit der Ausbildung. Mit 13 Jahren zog er in die USA und studierte an der New Yorker Juilliard School. Ein Auftritt in der TV-Show von Ed Sullivan machte das Wunderkind auf einen Schlag berühmt. Es folgte sein erster Auftritt in der Carnegie Hall - ebenfalls ein Riesenerfolg.
»Der Mut, mit dem er seine Behinderung annahm, ist unglaublich«, sagte einmal der Dirigent Daniel Barenboim, der Perlman aus Kinderjahren in Israel kennt. Perlman musizierte mit Kollegen wie Plácido Domingo oder Yo-Yo Ma, mit Orchestern von den Wiener bis zu den Berliner Philharmonikern, dirigierte auch und wurde mit Preisen überhäuft – mit Grammys, Goldenen Schallplatten und Ehrendoktor-Würden.
Vier Stunden pro Tag
Der Star-Geiger spielt seit einiger Zeit auf einem Stradivari-Instrument aus dem Jahr 1714, das einst seinem 1999 gestorbenen Kollegen Menuhin gehörte. »Mit einer Stradivari muss man sich entspannen und den Klang einfach herauslassen.«
Nebenbei arbeitet Perlman auch als Geigen-Lehrer. Gemeinsam mit seiner Frau Toby, mit der er seit 1967 verheiratet ist und fünf Kinder hat, betreibt er auf Shelter Island in der Nähe der Millionenmetropole New York eine Sommer-Schule für junge Musiker und Musikerinnen.
Vier bis fünf Stunden Üben am Tag rate er seinen Studenten und Studentinnen - und dabei jede Stunde zehn Minuten Pause einlegen. Ansonsten wünsche er sich für sie vor allem »ein glückliches Leben in der Musik. Ich hoffe, sie langweilen sich nie. Ich hoffe, auch wenn sie ein Stück drei- oder viermal spielen, dass es dann nie dasselbe ist.«