Teva

Pillen gegen die Krise

von Ingo Way

Shlomo Yanai freut sich tatsächlich über die Weltwirtschaftskrise: „Das ist eine gute Gelegenheit, unseren Marktanteil zu erhöhen.“ Yanai ist Vorstandsvorsitzender des israelischen Pharmakonzerns Teva, und was er an der Krise so gut findet, hat er auf einer Pressekonferenz in Tel Aviv kurz später erläutert: Die globale Rezession sorgt dafür, dass die Nachfrage nach preisgünstigen Arzneimitteln weiter steigt.
Es geht um Generika, das sind Medikamente, deren chemischer Aufbau exakt dem teurerer Konkurrenzprodukte entspricht, deren Patentschutz allerdings abgelaufen ist und die man daher ganz legal nachahmen kann. Billige Kopien, die aber genauso gut wirken wie ihre Vorbilder.
Teva Pharmaceutical Industries Inc. ist der weltweit größte Hersteller von Generika. Der Konzern mit Sitz in Petah Tikva ist aus der Drogerie „Salomon, Levin und Elstein“ hervorgegangen, die 1901 im Mandatsgebiet Palästina gegründet worden war. Ab den 30er‐Jahren stellte die Firma auch eigene Medikamente her, seit Anfang der 50er‐Jahre ist Teva an der Börse, und seit den 80ern expandiert die Firma international. Heute sind in 38 Produktionsstätten in Israel, den USA, Europa und Lateinamerika 26.000 Menschen beschäftigt.
Als jüngst der deutsche Arzneimittelhersteller Ratiopharm in die Krise geriet und sein Gründer Adolf Merkle Selbstmord beging, zeigte auch Teva Interesse am Kauf der Ulmer Firma. Nun dementiert Shlomo Yanai: Zunächst müsste man die Eingliederung von Barr über die Bühne bringen, bevor man über weitere Übernahmen nachdenke, erklärte Yanai. Die amerikanische Medikamentenfirma Barr war nämlich Nummer vier des Weltmarkts. Für rund neun Milliarden Dollar kaufte Teva den Konkurrenten im Dezember 2008. Das hatte zur Folge, dass Teva im vergangenen Jahr um elf Prozent wuchs und einen Gesamtumsatz von 11,1 Milliarden Dollar machte. Wegen der investierten Kaufsumme war der Nettogewinn mit 635 Millionen Euro allerdings geringer als im Jahr davor. Der Barr‐Coup sorgte aber dafür, dass Teva nun ein Viertel des amerikanischen Generikamarktes beherrscht.
Der Bereich, in dem Teva tätig ist, boomt. Um etwa sieben Prozent wächst der Markt für Medikamentenkopien jährlich. Das ist ein schnelleres Wachstum als in dem Sektor für Originalmedikamente. Die steigenden Kosten im Gesundheitswesen machen Generika zu einer interessanten Alternative. Mehr und mehr Ärzte verschreiben sie, um Kosten zu sparen.
Entsprechend hoch sind die Ziele, die Shlomo Yanai ausgibt: Nach seinen Angaben strebt Teva für 2009 einen Gesamtumsatz von 14,6 Milliarden Dollar an. Das entspräche einem Wachstum von über 30 Prozent. Doch nicht nur mit Generika macht Teva Umsatz. Ein Teil des Erfolgs der Israelis ist darüber hinaus auf eigens entwickelte Medikamente zurückzuführen. So etwa Azilect gegen die Parkinson‐Krankheit (vgl. Jüdische Allgemeine vom 3. Juli 2008) oder Copaxone gegen Multiple Sklerose (vgl. Jüdische Allgemeine vom 30. Mai 2007). Letzteres wuchs 2008 um 32 Prozent und ist mit einem Umsatz von 2,3 Milliarden Dollar das weltweit meistverkaufte Medikament für Multiple‐Sklerose‐Patienten.

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