Papst Benedikt XVI.

Pilger auf Staatsbesuch

von Sabine Brandes

Der Papst kommt – und Israel steht Kopf. Ob es um die Mega‐Messe in Nazareth geht, das Papamobil oder Treffen mit arabischen Politikern: Schon Wochen vor dem eigentlichen Besuch von Benedikt XVI. vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neues Detail Schlagzeilen macht. Geplant ist die Reise unter dem Motto „Pilgerfahrt durch das Heilige Land – eine Brücke für den Frieden“ vom 11. bis 15. Mai. Der Papst wird christliche Orte in Israel und den Palästinensischen Gebieten sowie die Holocaust‐Gedenkstätte Yad Vashem be‐
suchen und sich mit Politikern treffen, darunter den offiziellen Gastgeber, Staats‐
präsident Schimon Peres. Den letzten Be‐
such eines Pontifex sah Israel mit Johannes Paul II. im Jahr 2000.
Tourismusminister Stas Misezhnikov ist erst wenige Wochen im Amt und schon mit einer Mammutaufgabe betraut: Als Leiter des interministerialen Organisationsteams ist er für Unterbringung über Fortbewegung und Sicherheit des hohen Gastes bis zur Restaurierung der Kirchen verantwortlich. Alles andere als ein leichter Job, denn ab Tag X soll alles wie am Schnürchen laufen und lediglich Bilder von strahlenden Gesichtern und winkenden Händen zu sehen sein. Der Minister selbst indes ist skeptisch, dass alles so funktionieren wird, wie er es gern hätte.
Am vergangenen Sonntag ließ er verlauten, dass die 43 Millionen Schekel (um‐
gerechnet etwa 7,8 Millionen Euro), die von der Regierung für den Besuch bewilligt wurden, erst zu 20 Prozent verteilt worden seien und dies „einen verheerenden Schaden für die Tour“ bedeuten könne. „Infrastruktur und Renovierung einiger heiliger Stätten, die der Papst besuchen will, sind noch nicht ab‐
geschlossen“, warnte Misezhnikov und gab seinen Kollegen im Finanzministerium die Schuld an der Verzögerung. Darunter sei die Kirche im Garten von Gethsemane, wo mo‐
mentan statt des Papstes Schäfchen noch Ziegen weilen. Zudem seien einige juristische Unstimmigkeiten zwischen Israel und dem Vatikan nicht ausreichend geglättet, so der Minister weiter.
Mag sein, dass er damit auch auf die anhaltenden Gerüchte um den Raum des letzten Abendmahles angespielt hat. Seit Jahren wabern immer wieder Geschichten durch den Blätterwald, nach denen die Verwaltung des sogenannten Coenaculums auf dem Zionsberg an den Vatikan übergeben werden solle. Der christlichen Geschichtsschreibung zufolge soll Jesus hier mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl eingenommen haben, bevor er gekreuzigt wurde. Jegliche Besitz‐ oder Verwaltungsansprüche von heiligen Stätten sind seit jeher brisante An‐
gelegenheiten, die schnell einen Eklat verursachen können. Ein Vertreter des Ministeriums betonte jedoch, dass es über das Coenaculum aktuell keine Verhandlungen gebe.
Die heimische Polizei bekam vom Mi‐
nister ebenfalls verbal eine gelbe Karte. Wie die Sicherheitschecks der päpstlichen En‐
tourage nach dem Besuch in den Palästinensischen Gebieten wohl aussehen werden, fragte er. Premierminister Benjamin Netanjahu dürften die Beschwerden seines Ministers wenig behagen, will er die päpstliche Stippvisite doch als ein Exempel für Israels verbesserte internationale Beziehungen und eine Ermutigung für den Tourismus im Land darstellen. 1,5 Millionen Schekel sind allein für die Werbung auf dem christlichen Markt zur Verfügung gestellt worden.
Es war nicht das erste Mal, dass Misezhnikov, Mitglied der Israel‐Beteinu‐Partei von Avigdor Lieberman, offen Kritik übte: Erst vor wenigen Tagen hatte er sich schriftlich an den Vatikan gewandt, als bekannt wurde, dass der Pontifex noch in Rom ein Treffen mit Mazen Ghanaim, dem Bürgermeister der arabischen Stadt Sachnin, plane. Das stehe im Widerspruch zum Zweck des Besuches, „der gedacht ist, Frieden und Dialog zwischen den Völkern und Religionen zu fördern“, schrieb er. Misezhnikov wirft dem ersten Mann Sachnins vor, sich auf einer Kundgebung für palästinensischen Terror ausgesprochen zu haben, was dieser bestreitet. Der Vatikan‐Botschafter in Israel, Bischof Antonio Franco, ließ daraufhin verkünden, es werde kein Treffen geben, „da sich der Papst nicht in politische Interna Israels einmischen will“.
Trotz unfertiger Kirchen und einiger Un‐
stimmigkeiten freuen sich Israels Katholiken unbändig auf sein Kommen. In Nazareth, wo eine Messe mit mehr als 35.000 Gläubigen geplant ist, sind die Menschen schon längst im Papstfieber, reinigen die Straßen, schmücken ihre Läden und hängen Bilder vom milde lächelnden Benedikt XVI. auf. Wie Laila Auabi. Die katholische Araberin hofft, endlich die Chance zu haben, den Vertreter Christi auf Erden höchstpersönlich zu sehen. „Es ist wundervoll, dass wir unseren Papst im Heiligen Land begrüßen dürfen, ich bin wahnsinnig aufgeregt.“ Sie hat sich vorgenommen, aus aller Nähe einen Blick auf ihr Oberhaupt zu erhaschen.
Ein verständlicher Wunsch, der dem In‐
landsgeheimdienst jedoch schlaflose Nächte bereitet, da das berühmte Papamobil seiner Meinung nach nicht sicher genug ist. Zusätzliche Sorgen bereitet den Sicherheitsexperten das Datum der Reise: Am 14. Mai ist „Nakba Tag“, der Tag, an dem die Palästinenser die Geschehnisse von 1948 betrauern. Demonstrationen jenseits der grünen Linie werden erwartet.
Die Pilger aber wollen an Störungen oder Gefahren keine Gedanken verschwenden. Zigtausende haben bereits die vom Tourismusministerium ins Netz gestellte Website www.holyland-pilgrimage.org angeschaut, auf der in sieben Sprachen über Details des Besuches und der heiligen Stätten informiert wird. Auch Auabi will nur Gutes hö‐
ren. Sie sieht es als einzigartiges Erlebnis an, das ihr niemand vermiesen soll: „Was für andere eine Pilgerfahrt nach Mekka, ist für uns Christen der Besuch des Papstes. Es ist ein absolutes Highlight im Leben.“

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