Weltwirtschaft

Niemand ist eine Insel

von Wladimir Struminski

Wirtschaftskrise? Welche Wirtschaftskrise? Während der Weltgigant USA in den heftigsten Turbulenzen seit Jahrzehnten steckt, geht es Israel – zumindest auf den ersten Blick – blendend. Die Hypothekenkrise made in USA zieht an den israelischen Finanzinstituten vorbei. Wie die amerikanischen Geldanlageexperten von Merrill Lynch feststellen, sind Israels Banken den einschlägigen Darlehensrisiken nur »in minimalem Maße« ausgesetzt. Unterdessen warten israelische Statistiker mit guten Nachrichten auf. Das mit einem realen Plus von 5,3 Prozent rasante Wirtschaftswachstum des Vorjahres konnte auch über den Jahreswechsel hinaus gerettet werden. Zum Jahresbeginn nahmen Industrieproduktion wie Handelsumsätze zu. In den ersten beiden Monaten von 2008 zogen Einfuhr wie Ausfuhr um mehr als ein Fünftel an. Die Arbeitslosigkeit geht weiter zurück, die Konsumenten greifen tief in die Tasche. Kein Wunder, dass der Schekel – jahrzehntelang als Karikatur echten Geldes verspottet – heute eine der solidesten Währungen der Welt ist. Angesichts der inzwischen mustergültigen Stabilität des israelischen Finanzverkehrs wird er ab Frühjahr sogar in das globale Zahlungssystem CLS aufgenommen. Bisher gehören nur 15 Währungen dem prestigereichen Netzwerk an, darunter der Euro, der Dollar, der Yen und der Schweizer Franken. Nach vollzogener Integration ins CLS kann der Schekel in über 80 Ländern ge‐ und verkauft werden: Ein »Gütesiegel«, wie die Bank von Israel zufrieden feststellt.
Auf Dauer gilt allerdings: Niemand ist eine Insel. Das kleine Israel, das im vergangenen Jahr gerade einmal drei Promille der weltweiten Gesamtwirtschaftsleistung erbracht hat, kann sich globalen Einflüssen nicht entziehen. So schlägt sich jede Rezession in den USA, auch die gegenwärtige, letztendlich in der israelischen Exportstatistik nieder. Die größte Gefahr für die Wirtschaftsentwicklung ist aber paradoxerweise der bisherige Erfolg der israelischen Wirtschaftspolitik. Dank einer gelungenen Konsolidierung der maroden Staatsfinanzen konnte die Regierung ihren Haushalt ausgleichen. »Die Fiskalpolitik brachte der Wirtschaft klare Vorteile«, lobt der Internationale Währungsfonds. Die Leistungsbilanz weist kräftige Überschüsse auf. Da finden auch ausländische Investoren zunehmend Interesse am Standort Israel, vor allem im Elektronikbereich. Die Folge: Der Wechselkurs des Schekel ist in schwindelerregende Höhen geschnellt. Sogar gegenüber dem großen Kraftprotz Euro hat der kleine Kraftprotz Schekel zugelegt und ist heute sechs Prozent mehr wert als im Vorjahresdurchschnitt. Gegenüber dem schwächelnden Dollar macht die israelische Währung erst recht eine gute Figur: Heute liegt ihr Wert gegenüber dem Greenback um 21 Prozent höher als 2007. Anfang dieser Woche war der Dollar für 3,38 Schekel zu haben – so wenig wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr.
Für Schraga Brosch sind solche Währungsrelationen kein Grund zum Stolz. »Die Bruchlandung des Dollar«, warnt der Präsident der Industriellenvereinigung, »ist ein nationales Desaster.« Der billige Dollar verteuert nämlich israelische Exporte in die USA und zum Teil auch in andere Weltregionen. Die Folge sind massive Geschäftsverluste. Jetzt schon, so Brosch, habe die Industrie Auftragsausfälle in Milliardenhöhe zu gewärtigen. Zahlreiche Betriebe müssen mit Verlust arbeiten oder aber Personal entlassen. In den ersten Monaten dieses Jahres kaufte die Wirtschaft weniger Rohstoffe ein: ein Indiz für dünnere Auftragsbücher. Auch im Fremdenverkehrssektor regt sich Sorge. In normalen Jahren stellen US‐Bürger rund ein Viertel aller ausländischen Gäste. Jetzt aber sind die Dollarkosten eines Israel‐Aufenthalts in die Höhe geschnellt. Da ziehen viele Reisende, auch Juden, doch den Urlaub in Florida vor.
Derweil blickt die Geschäftswelt fordernd auf die Bank von Israel. Zentralbankpräsident Stanley Fischer, der sich als Ex‐Chefökonom des Internationalen Währungsfonds mit Wirtschaftskrisen so gut auskenne, möge doch etwas gegen den starken Schekel tun. Das will Fischer auch. Durch mehrere Zinssenkungen haben die Zentralbanker versucht, das Zinsgefälle gegenüber den USA zu verringern. Das Ziel: Anleger, die auf hohe Schekelrenditen setzen, sollen abgeschreckt werden. Am Montag dieser Woche senkte Fischer die Zentralbankzinsen auf das historische Tief von nur 3,25 Prozent. Mitte März tätigte die Bank auch Stützkäufe für den Dollar. »An Schekeln«, erklärte der Ex‐Vizepräsident der Bank, Awija Spivak, »mangelt es uns nicht«. Allerdings hilft auch das nur in Grenzen: Gegen eine Sturmflut auf dem Weltdevisenmarkt können die israelischen Währungshüter keinen wirksamen Damm errichten. Deshalb gilt als sicher, dass sich der präzedenzlose israelische Boom der vergangenen Jahre 2008 nicht wiederholen wird. Jüngste Schätzungen gehen von einem Wirtschaftswachstum von nur noch drei bis dreieinhalb Prozent aus. Mit etwas Glück wird sich die Weltwirtschaft im nächsten Jahr wieder fangen. Wenn nicht, sieht es auch für das Musterländle Israel bewölkt aus.

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