Diplomatie

Netanjahu geht auf Belgiens Premier los

Belgiens Premier Bart de Wever Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Falls Bart De Wever geglaubt hatte, Benjamin Netanjahu sei sein Freund und politischer Verbündeter, wurde der belgische Premierminister am Mittwoch eines Besseren belehrt.

Ein »weak leader«, ein schwacher Anführer seines Landes, sei De Wever, ließ Israels Regierungschef seinem Amtskollegen per X-Post ausrichten. Dabei war es De Wever, der nach Erlass des Haftbefehls gegen Netanjahu durch den Internationalen Strafgerichtshof angedeutet hatte, man werde ihn nicht verhaften lassen, sollte er belgisches Gebiet betreten.

Benjamin NetanjahuFoto: POOLw

Anlass für Netanjahus Wutausbruch war jedoch die am Dienstag verkündete Entscheidung der belgischen Föderalregierung, einen Palästinenserstaat anzuerkennen und Sanktionen gegen israelische Siedler im Westjordanland zu verhängen. Die Anerkennung soll zwar erst vollzogen werden, wenn die Hamas die verbleibenden israelischen Geiseln freigelassen hat und ihre Kontrolle über den Gazastreifen aufgegeben hat, wie Politiker aus De Wevers konservativer flämischer Partei N-VA betonten. Doch das Kind war da schon in den Brunnen gefallen.

Den Ton vorgegeben hatte Außenminister Maxime Prévot. Der Politiker hatte am Dienstagfrüh als erster in den sozialen Netzwerken und sichtlich stolz die Einigung der die Föderalregierung tragenden Koalitionsparteien bekanntgegeben. »Palästina wird von Belgien während der UN-Sitzung (im September) anerkannt werden!«, hatte Prévot auf X gejubelt und sodann mehrere gegen Israel gerichtete Maßnahmen aufgelistet. Das Kernkabinett habe eine zwölf Punkte umfassende Einigung vereinbart, die auch Sanktionen gegen israelische Minister beinhalte sowie wirtschaftliche Strafmaßnahmen. Belgien werde auf EU-Ebene weitere Maßnahmen unterstützen, darunter die Aussetzung der Handelsbeziehungen mit Israel.

Zuvor hatte es über Wochen hinweg Querelen in der fragilen Regierung Belgiens zu diesem Thema gegeben. Vor allem Prévots Partei Les Engagés und die flämischen Sozialdemokraten und Liberalen hatten auf Sanktionen und die schnelle Anerkennung eines Staates Palästina gedrängt. De Wevers N-VA galt bislang hingegen als dezidiert israelfreundlich.

Lesen Sie auch

Der jüdische Abgeordnete Michael Freilich, der für die Partei in der Abgeordnetenkammer sitzt, betonte denn auch, dass die Einigung keine schnelle Anerkennung eines Palästinenserstaates bedeute und nicht mit der jüngsten Entscheidung Frankreichs gleichgesetzt werden könne. Weitere von Prévot angekündigte Maßnahmen seien entweder schon jetzt gängige Praxis oder müssten erst noch geprüft werden im Hinblick auf ihre Umsetzung, so Freilich.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Jerusalem warf De Wever vor, mit der Anerkennung Palästinas den Terrorismus zu stärken. Der belgische Premierminister de Wever sei »ein schwacher Anführer, der versucht, den islamistischen Terrorismus zu beschwichtigen, indem er Israel opfert«, so der X-Post. »Er will das Terroristenkrokodil füttern, bevor es Belgien verschlingt. Israel wird sich darauf nicht einlassen und sich weiterhin verteidigen.«

Freilich antwortete Netanjahu auf X: »Es ist bedauerlich, dass es so weit gekommen ist. Bart De Wever war stets ein wahrer Freund des jüdischen Volkes und ein konsequenter Verfechter des Selbstverteidigungsrechts Israels.« Die in Brüssel getroffene Vereinbarung mache deutlich, dass eine formelle Anerkennung Palästinas strengen Bedingungen unterliege, so der Abgeordnete.

Sa’ar: »Macrons Handeln ist gefährlich«

Am Donnerstag traf De Wever sich in Paris mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zum Meinungsaustausch. Zuvor hatte Netanjahus Außenminister Gideon Sa’ar auch Macron angegriffen. Er warf ihm vor, nichts gegen die »grassierende Hetze gegen Israel und Juden im palästinensischen Bildungssystem« zu sagen und stattdessen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu hofieren.

Macron habe auch nichts gegen die Zahlungen einzuwenden, die die Palästinensische Autonomiebehörde nach dem Prinzip »Geld für Mord« an Terroristen und deren Familien leiste. Zudem mische sich der französische Präsident ständig »von außen« in den Nahostkonflikt ein, so Sa’ar. »Sein Handeln ist gefährlich. Es wird weder Frieden noch Sicherheit bringen.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Am Mittwoch erfolgte dann die Retourkutsche aus Paris. Außenminister Jean-Noël Barrot antwortete Sa’ar auf X und bezeichnete die Worte seines Amtskollegen als »äußerst unfair, lieber Gideon«. Macron habe mit seinen Initiativen »beispiellose Zusagen von der Palästinensischen Autonomiebehörde erhalten«, so Barrot. Die Terrorrente sei am 1. August beendet worden, was bald durch eine unabhängige Prüfung bestätigt werden soll, schrieb der französische Chefdiplomat. Auch eine Überarbeitung palästinensischer Schulbücher zur Verhinderung von Hass auf Israel sei im Gange.

Leipzig

Gegensätzliche Nahost-Demos linker Gruppen 

Ein Team des MDR wurde aus der antiisraelischen Demo heraus angegriffen

 17.01.2026

TV-Tipp

Als David Bowie weinte: Arte-Doku beleuchtet die Schattenseiten eines musikalischen Genies

Oft feiern Filmporträts ihre Protagonisten mehr oder weniger unkritisch. Eine Arte-Doku über Popstar David Bowie wählt einen anderen Weg - und ist genau deshalb so gelungen

von Manfred Riepe  14.01.2026

Brandenburg

»Was soll der Scheiß?«: Nach Brandanschlag - Büttner übt scharfe Kritik an Linken-Spitze

Die Hintergründe

 10.01.2026

Antisemitismus

Die kruden Thesen eines AfD-Abgeordneten

Ein AfD-Parlamentarier teilte einen Instagram-Post, in dem die Rothschild-Familie mit dem Untergang der »Titanic« 1912 in Verbindung gebracht wird

 08.01.2026

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026

Westjordanland

Netanjahu schreibt Siedlergewalt einer »Handvoll Kids« zu

Nach Kritik der Trump-Regierung an Israels Vorgehen in der Westbank wiegelt Israels Premierminister ab - und zieht noch mehr Kritik auf sich

 01.01.2026

Israel

Israel führt Gedenktag für marokkanische Juden ein

Die Knesset hat beschlossen, einen Tag zur Erinnerung an die marokkanisch-jüdische Einwanderung zu schaffen

 31.12.2025

Gaza

37 Hilfsorganisationen in Gaza und im Westjordanland droht Lizenz-Entzug

Israel will sich vor Terrorverbindungen in Hilfsorganisationen schützen. Die Einrichtungen warnen vor humanitären Konsequenzen

 31.12.2025