Stuttgart

Mahnmal oder Neubau

von Helen Wallusch

Das ehemalige Gestapo-Gefängnis Hotel Silber ist zum Zankapfel verschiedener Interessengruppen in Stuttgart geworden. Zwölf Initiativen fordern seinen Umbau in ein »begehbares Geschichtsbuch« – Stadt und Land planen den Abriss für das so genannte Da-Vinci-Projekt. Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) in Stuttgart hält sich mit einer Pro- oder Contra-Stellungnahme bisher zurück. In einer Presserklärung vom 13. Mai gibt der Vorstand der IRGW lediglich bekannt: »Zurzeit befindet sich die IRGW in Gesprächen mit allen Beteiligten und mit Experten, um einen Konsens über einen Ort, der während der NS-Diktatur die Stuttgarter Zentrale der Gestapo beherbergte, und eine angemessene Lösung zu finden.«
Zur Zeit wird das ehemalige Hotel Silber in der Dorotheenstraße 10 noch vom In- nenministeriums des Landes Baden-Württemberg genutzt. Land, Stadt und privater Investor planen jedoch den Abriss des Gebäudes für ein Neubauprojekt, Da-Vinci genannt. Darin sollen Ministerien mit rund 1.000 Mitarbeitern untergebracht, dazu ein Luxushotel, Geschäfte und Gastronomie entstehen. Stadt, Land, der private Investor Breuninger sowie die Mehrheit des örtlichen Gemeinderates plädieren dafür, das umstrittene Haus zugunsten der städtebaulichen Neuordnung abzureißen.
Bliebe das Gebäude komplett erhalten, sei das Gesamtprojekt finanziell unrentabel, so die Argumente. »Das Hotel Silber abzureißen, wäre eine Geschichts- und Kulturlosigkeit ohnegleichen«, hält Roland Ostertag dagegen. Der Stuttgarter Architekt for- dert, an genau dieser Stelle die Gedenk-, Dokumentations- und Informationsstelle für die NS-Zeit einzurichten, die bisher in Stuttgart fehle. »Hier hatte die Gestapo von 1937 bis 1945 ihren Sitz, hier wurden Gegner des Regimes gefoltert und ermordet«, so Ostertag. Verglichen mit Großstädten wie Köln oder München habe Stuttgart die Erinnerungskultur an die Verbrechen der Nazizeit über viele Jahrzehnte sträflich vernachlässigt. Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster hat eine kleinere Gedenkstätte an der Dorotheenstraße zugesichert, doch diese scheint den Abriss-Gegnern nicht angemessen. Jetzt stellte die »Initiative Hotel Silber«, zu der auch die IRGW gehört, einen Antrag, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, um den Abriss ein- für allemal zu verhindern.

www.gedenkort-hotel-silber.de

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