Kaukasus

Luftbrücke nach Georgien

von Detlef David Kauschke
und Ulrich Sahm

Der Krieg im Kaukasus ist vorüber. Nach der fünftägigen militärischen Auseinan‐
dersetzung hatte Russlands Präsident Dmitrij Medwedew am Dienstagvormittag das Ende der russischen Offensive angekündigt. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili stimmte daraufhin in der Nacht zum Mittwoch einer überarbeiteten Version des EU‐Friedensplans zu.
Fast zeitgleich landeten in Tel Aviv zwei aus Tiflis kommende EL‐AL‐Maschinen mit etwa 400 israelischen Touristen und Geschäftsleuten, die in der Krisenregion gestrandet waren. Mit an Bord waren 60 georgische Juden, die sich noch in der Nacht zur Alija entschlossen hatten.
Vertreter des Jerusalemer Außenministeriums hatten sich seit Sonntag um ihre Ausreise bemüht. Die Jewish Agency hatte zudem bereits etwa 200 Juden aus ihrer nahe der Grenze zu Südossetien gelegenen Stadt Gori evakuiert und sie nach Tiflis gebracht. »Jetzt kümmern wir uns noch um fünf ältere Leute, die dort zurückgeblieben sind«, sagte der Sprecher der Organisation, Michael Jankelowitz, am Montag.
»Wir haben die Kämpfe hautnah verfolgt«, berichtete der Knessetabgeordnete Leon Litinetsky, der nach Ausbruch des Krieges in die Region gereist war, dieser Zeitung am Dienstagnachmittag vom Flughafen in Tiflis. »Die Gemeinde hier ist stark. Ich habe mit vielen Juden gesprochen. Wir haben ihnen das Angebot gemacht, nach Israel auszureisen. Wer will, kommt mit, die anderen bleiben zurück.«
Seit 1989 sind bereits mehr als 23.000 Juden aus Georgien nach Israel eingewandert. Unter den Olim waren zahlreiche Geschäftsleute. Und so entwickelten sich enge Kontakte, dabei auch seit etwa sieben Jahren enge Militärbeziehungen. Georgien galt als freundschaftlich gesinntes Land, dem ohne Bedenken militärische Hightech verkauft werden könne. Nach Angaben der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth hat der georgische Verteidigungsminister Davit Keseraschwili bei den Militärgeschäften eine entscheidende Rolle gespielt. Als Kind wanderte der heute 30‐Jährige nach Israel aus, wohnte bei seiner Großmutter in Cholon südlich von Tel Aviv und besuchte die Kugel‐Schule. »Die Israelis sollten stolz sein, dass die georgischen Soldaten eine israelische Ausbildung genossen haben und heute ganz toll kämpfen«, sagte am Wochenende in bestem Hebräisch ein anderer jüdischer Minister Georgiens, Timor Jakobschwili.
Nach Angaben von Debka, einem Pressedienst für geheimdienstliche Angelegenheiten, seien bis zu 1.000 israelische Ausbilder in Georgien tätig. Israel verkaufte an Georgien eine unbekannte Zahl Drohnen vom Typ Hermes 450. Aus Israel stammen auch bewegliche Raketenwerfer vom Typ Lynx. Ebenso erhielten die Georgier das hochmoderne Schnellfeuergewehr »Tabor«. Schließlich habe Israels Wehrtechnikfirma Elbit georgische »Suchoi 25«-(Skorpion-) Kampfflugzeuge mit einer neuartigen Pilotenkanzel auf den neuesten Stand gebracht. Das Volumen der Waffengeschäfte Israels mit Georgien beläuft sich nach Angaben der Zeitung Haaretz auf 200 Millionen US‐Dollar im Jahr. Die größten Waffenlieferanten Georgiens seien allerdings die USA und Frankreich.
Auch die israelische Luftwaffenindustrie versuchte, in Georgien Fuß zu fassen, stieß aber beim israelischen Verteidigungsministerium auf Ablehnung. »Angesichts der Spannungen zwischen Moskau und Tiflis wurde uns klar, dass allzu viele israelische Waffensysteme bei den Georgiern auf die Russen wie das rote Tuch beim Stierkampf wirken«, wird ein israelischer Experte zitiert. In den vergangen drei Monaten haben die Russen drei unbemannte georgische Spionagedrohnen aus israelischer Produktion abgeschossen, was die Spannungen in der Region schon vor Ausbruch des Krieges erhöhte. Im Mai beschloss das israelische Verteidigungsministerium, nur noch defensive Waffensysteme an Georgien zu verkaufen: Spiona‐ geanlagen, Funksysteme und Computer, aber keine Gewehre, Kanonen und Granaten. Am Sonntag empfahl das israelische Außenministerium einen völligen Lieferstopp, also auch der seit Mai genehmigten defensiven Waffen.
Nach dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzung hat Israels Außenministerin Zipi Livni nun in einem Telefonat mit ihrem georgischen Amtskollegen Eka Tkeschelaschwili am Dienstag humanitäre Hilfeleistungen angeboten. Die Jewish Agency kündigte unterdessen die weitere Unterstützung der in Georgien verblieben Juden an.

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