»Lit.Cologne«

Literaturfestival mit Schwerpunkt gegen Antisemitismus

Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

»Lit.Cologne«

Literaturfestival mit Schwerpunkt gegen Antisemitismus

Zum Auftakt sprechen Robert Habeck und Michel Friedman

 03.03.2024 21:57 Uhr

»Wider den Judenhass« lautet der Titel der diesjährigen Auftaktveranstaltung der »Lit.Cologne« am Dienstag. Teilnehmer sind Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der sich nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober in einer Rede eindringlich gegen Antisemitismus positionierte, und der Publizist Michel Friedman, dessen Eltern von Oskar Schindler vor der Ermordung durch die Nazis bewahrt wurden.

»Wir verstehen unser Kulturangebot immer auch als politische Herausforderung«, sagte Festivalleiter Rainer Osnowski der Deutschen Presse-Agentur. »Und natürlich geht dieses Jahr kein Weg daran vorbei, das Thema Antisemitismus in den Mittelpunkt zu stellen. Die Ignoranz gerade in Teilen der vermeintlich linken Kulturblase mit einseitigen Pro-Palästina-Äußerungen empfinde ich als unerträglich.«

Große Beliebtheit

Das nach eigenen Angaben größte Literaturfestival Europas mit 185 Veranstaltungen und mehr als 100.000 zahlenden Besuchern läuft dieses Jahr vom 5. bis zum 17. März und damit einen Tag länger als bisher. »Bisher haben wir immer samstags schon aufgehört, aber auf vielfachen Wunsch bespielen wir jetzt auch noch den Sonntag, und das erfreut sich großer Beliebtheit, wie man am Kartenverkauf ablesen kann«, sagte Osnowski.

Zum Glück sei es jetzt auch wieder so, dass die Reisefreudigkeit der ausländischen Autoren - die nach Corona zunächst noch deutlich eingeschränkt gewesen sei - wieder in vollem Umfang gegeben sei. Während der Pandemie war das privat organisierte Festival in seiner Existenz bedroht gewesen und hatte teilweise auf gestreamte Veranstaltungen umgestellt.

Mittlerweile sei man wieder zu 100 Prozent im Präsenzbetrieb, sagte Osnowski, der in diesem Jahr mit dem Landesverdienstorden NRW ausgezeichnet worden ist. »Streaming will einfach keiner mehr.« Im kommenden Jahr findet die Lit.Cologne zum 25. Mal statt.

Breite und Tiefe

»Es ist schon bemerkenswert, welche literarische Breite und Tiefe das Festival im Laufe der Zeit gewonnen hat«, sagte Osnowski. Das gelte insbesondere für die Themenabende. »Zum Beispiel machen Bjarne Mädel und Cordula Stratmann einen Abend über Zuversicht, und das sind dann keine aktuellen Texte, die da gelesen werden, sondern literarische Fundstücke aus Jahrhunderten. So etwas hat bei uns genauso Platz wie aktuelle Neuerscheinungen.«

Unter den zahlreichen Autorinnen und Autoren, die zu Lesungen oder Diskussionen anreisen, sind die Australierin Suzie Miller, die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang und der Ire Paul Murray. Krimi-Fans dürfen sich auf das schwedische Erfolgsduo Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt freuen, die Autoren der »Sebastian Bergman«-Reihe. Außerdem kommen Andreas Pflüger, Bernhard Schlink und David Safier (»Miss Merkel«), aber auch Schauspieler wie der Dortmunder »Tatort«-Darsteller Jörg Hartmann und sein Kollege vom »Polizeiruf 110«, Charly Hübner.

Fast 80 Veranstaltungen richten sich an Kinder und Jugendliche. Auch die Lit.Kid.Cologne wird nach Angaben der Organisatoren »so politisch wie noch nie«, mit Themen wie Rechtspopulismus, Klimawandel und Armut. Für die Jüngsten gibt es auch viele Aufführungen zu fröhlichen Klassikern, etwa »Leo Lausemaus« und »Ritter Rost«. Schauspielerin Anke Engelke liest aus ihrer modernen Adaption der berühmten »Häschenschule«. dpa/ja

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026