Chanukka-Chorkonzert

Lichter und Lieder

von Miryam Gümbel

Zum Entzünden des ersten Chanukka-
lichtes hatte die Gemeinde zu einem Konzert eingeladen. Alle Chöre der IKG München traten bei dieser vom Rabbinat und dem Jugend- und Kulturzentrum der Gemeinde organisierten Veranstaltung auf.
Bereits zum Mincha-Gebet war die Synagoge bis auf den letzten Platz gefüllt. Später Kommende mußten sich mit Stehplätzen begnügen. Rabbiner Steven Langnas war hoch erfreut über den intensiven Besuch. Bevor das erste Licht entzündet wurde, ging er auf die Bedeutung des Feuers als Symbol der Einheit und die Einzigartigkeit der Beziehung ein, in der das jüdische Volk mit Gott verbunden ist. Er bezeichnete das Feuer als ein perfektes Symbol für die Einheit mit Gott, aber auch für die Einheit untereinander – »ein Symbol für die Gemeinde, für Einheit in Freiheit und freiem Miteinander«.
»Auch der Chor«, so der Rabbiner weiter, »ist ein Symbol der Einheit«. Der Synagogenchor »Schema Kaulenu« ist in den zurückliegenden Monaten »dank des Einsatzes des Chordirigenten Barry J. Mehler zu einem festen Bestandteil unseres Gemeindelebens« geworden. Umso mehr bedauere er, so Rabbiner Langnas weiter, daß Mehler der Gemeinde aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehe. Für sein künftiges Engagement in New York wünschte er ihm alles Gute. Mehler seinerseits dankte am Ende des Abends allen, die geholfen hatten, den Chor aufzubauen.
Welche Qualität der Chor erreicht hat, zeigte sich nach dem Entzünden der ersten Chanukkakerze in der musikalischen Gestaltung des Ma’ariv-Gottesdienstes. Einfühlsam und mit einer großen Variationsbreite in Ausdruckskraft und Stimmvolumen sangen die Männer die Gebete abwechselnd mit Soli von Kantor Avishai S. Levin.
Zu Beginn des anschließenden Chanukkakonzertes begrüßte Vizepräsident Marian Offman die Gemeindemitglieder: »Es kann einem nur das Herz aufgehen, wenn man diese Synagoge in dieser Fülle erlebt. Ich habe das seit über zwanzig Jahren nicht mehr so gesehen.« Die Anwesenden hätten mit ihrem Kommen bewiesen, daß das Judentum lebt.
Er dankte Rabbiner Langnas für die Organisation des Abends und überbrachte der Gemeinde die Grüße von IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch.
Offman erinnerte an die Chanukka-geschichte, an die Zeit vor rund 2200 Jahren, als der hellenistische Regent Antiochos sich »bemühte, den spirituellen Teil des Judentums zu vernichten. Aus Juden sollten Griechen werden.« Bei diesem Part hörte man so manchen leisen Kommentar der aus den GU-Staaten gekommenen Gemeindemitglieder, die die Ähnlichkeit mit der Unterdrückung der jüdischen Religion in der ehemaligen Sowjetunion erkannten.
Offman fuhr fort: »Wie wir heute sehen: Die Juden haben sich das nicht gefallen lassen und Jerusalem wieder in Besitz genommen. Chanukka ist das Fest des Wiederaufbaus. Wir haben oft in der Geschichte den notwendigen Wiederaufbau geleistet.« Wenn jetzt der iranische Staatspräsident fordert, Israel und das Judentum zu vernichten, so sei die internationale Staatengemeinschaft gefordert.
Offman erinnerte an ein weiteres Zeichen des Wiederaufbaus, an das am Jakobsplatz entstehende neue Gemeindezentrum: »Für mich persönlich ist es ein Wunder, was hier am Jakobsplatz entsteht. Wir können sehr zuversichtlich in die Zukunft unserer Gemeinde sehen!«
Welche Ressourcen in ihr auf musikalischem Gebiet in den zurückliegenden Jahren entdeckt und entwickelt wurden, unterstrich das anschließende Chanukka-
konzert. Da traten zunächst einmal die jüngsten Gesangstalente der Gemeinde auf. Ganz in leuchtendem Blau gekleidet sang der Kinderchor des Jugendzentrums, begleitet von seiner Chorleiterin Luisa Pertsovska. Begeistert lauschte das Publikum ihrem Chanukkamedley und anschließend ihrem Lied von der kleinen weißen Friedenstaube. Konzertant ließen anschließend Kantor Levin und Synagogenchorleiter Mehler ihre Stimmen noch einmal ertönen. Schließlich erfüllte der Gesang des Chores »Druschba« die Synagoge. Unter ihrer Chorleiterin Tamara Oumanskaia und begleitet von Igor Bruskin ließen die Männer ein breites Spektrum vom »Halleluja« bis zu Volksweisen ertönen, wie dem Lied »As der Rebbe singt«, bei dem Izorij Rinberg die Melodie führte. Als weiterer Solist des russischen Männerchores beeindruckte Valeriy Goldberg.
Nach dem gemeinsamen Chanukka-
lied »Mie J’malél« ging es dann zum traditionellen Krapfenessen in den Gemeindesaal.

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