Hiria-Hügel

Leuchtendes Beispiel

So manchem ist beim Anblick des nächtlichen Tel Avivs schon warm ums Herz geworden. Ob man kommt oder geht – der Anblick vom Flieger aus hoch über der Küstenstadt hat etwas Berauschendes. Jetzt ist die Silhouette um eine Attraktion reicher geworden: Seit einigen Tagen leuchtet ein magischer Müllberg in der Nacht, angestrahlt von 80 Lichtstreifen. Einst stinkende Kippe und Schandfleck der Nation, ist Hiria jetzt Mittelpunkt des Ariel-Sharon-Naturparks im Herzen des Landes.
Seit 1952 war der Hiria-Hügel an der Autobahn »Nummer eins« Israels größte Mülldeponie und gleichermaßen größter Umweltsünde, Symbol für Schmutz, Vernachlässigung und Frevel an der Natur. 16 Millionen Tonnen Abfall liegen hier, unweit der bevölkerungsreichsten Stadt des Landes, begraben. Vor etwa zehn Jahren dann das Aus, keine Mülllaster kamen mehr an und entluden ihre dreckige Ladung, nur die Krähen kreisten noch einsame Runden über dem verlassenen Berg. Doch es sollte noch Jahre dauern, bis etwas geschah. 2004 schließlich nahmen 14 führende Architekten aus Israel und der gesamten Welt an einer Ausschreibung teil. Der deutsche Landschaftsarchitekt Peter Latz gewann damals den Wettbewerb.

Grünes Licht Die Lichtinstallation ist Teil seines Planes für den Berg und den umliegenden Park. Die 80 Strahler erleuchten ein Gebiet von mehr als 3.000 Quadratmetern um den Fuß des Hügels. »Grünes Licht für Hiria«, betont Pressesprecher Yaniv Rosenberg. Denn der Strom dafür stamme aus alternativer Energie, die aus recyceltem Haushaltsmüll gewonnen wurde. Die Birnen seien spezielle Energiesparlampen, die weit weniger Strom verbrauchten als normalerweise für vergleichbare Projekte benötigt. Die innovative Recyclinganlage, die aus angeliefertem Bio-Müll der städtischen Haushalte grünen Strom produziert, befindet sich gleich neben der Deponie.
Doch nicht nur der Hügel selbst wird rehabilitiert, auch die Gegend rundherum, einst Ayalon-Park, jetzt nach dem einstigen Ministerpräsidenten Ariel Sharon benannt, ist dabei, in einen einzigartigen Naturpark verwandelt zu werden, der als Symbol für die Heilung der Natur stehen soll.

Grüne Zukunft Eine lebendige Landschaft voller Wiesen, Blumen, Felder, Bäume sowie Wander- und Radwege ist ge-
plant, quer hindurch verläuft von Ost nach West der Ayalon-Fluss. Zudem sollen einzigartige Recyclinganlagen und verschiedene Bildungszentren, die über die unterschiedlichen Maßnahmen des Umwelt-
schutzes aufklären, Besucher aus den In- und Ausland anlocken. Im November 2006 haben die Arbeiten begonnen, in drei Jahren soll das gesamte Areal für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Schon jetzt sind einige Fuß- und Radwege begeh- und befahrbar. Der Hauptweg verläuft zehn Ki-
lometer entlang des Ayalon vom östlichen Eingang des Parks bis zum Städtchen Or-Yehuda. Pausenecken laden unter schattigen Eukalyptusbäumen zum Verweilen ein, die Möbel dafür sind aus recycelten Materialien gebaut. Auch Touren auf den Hiria-Hügel können gebucht werden.
Außerdem wird das Areal zukünftig das größte Amphitheater des Landes be-
herbergen. 50.000 Menschen sollen bei Veranstaltungen wie Rock- oder Klassikkonzerten und Theateraufführungen un-
ter freiem Himmel hier Platz finden. Das Ramat-Gan-Stadium mit etwa 45.000 Plätzen hat bereits seit einer Weile Probleme mit Infrastruktur und Sicherheit.
Mit mehr 800 Hektar wird der Sharon-Park zweimal so groß sein wie der Central Park in New York und damit zu den größten urbanen Parks weltweit gehören. Es ist zudem das umfangreichste Umweltprojekt des Landes, finanziert von der israelischen Regierung und der Jerusalemer Be-
racha-Stiftung. Deren Direktor Martin Weyl sagte bei der feierlichen Lichterzündung: »Hiria ist der Beweis für den Erfolg der Naturschutzorganisationen im Land im Gegensatz zu der ganzen Kritik, die ge-
gen sie vorgebracht wird.«
Die Parkplaner nennen Hiria »Israels grüne Zukunft«. Bedenkt man, was dort lange Jahre war und was dort gerade entsteht, so ist dieser Slogan durchaus passend. Ein leuchtendes Beispiel in Sachen Rehabilitation der Natur. Wenn also bald die Familien am Samstagnachmittag ihre Körbe packen, zum Picknick auf den Müllberg radeln und dabei sogar noch etwas über Umweltschutz lernen, könnte die Zu-
kunft tatsächlich grüner nicht sein.

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