Nea Weissberg-Bob

Lautes Schweigen

Wie schreibt man über das Schweigen? Mit vielen Worten, die die Stille durchbrechen, oder mit wenigen, die sie illustrieren? In ihrem Buch Das Glück hat mich umarmt geht Nea Weissberg-Bob beide Wege: In Briefen an einen deutschen Freund beschreibt sie das Schweigen ihrer Eltern, die als polnische Juden die Schoa überlebten, zunächst nur in Fragmenten. Langsam nähert sich der Roman dieser Wortlosigkeit, bevor es immer mehr fließt. Das Zögern liegt auch am Adressaten. Der anonyme Brieffreund ist ein Nichtjude, vielleicht ein Täterkind. Indem sie immer mehr über das Aufwachsen in ihrer Familie berichtet, über die tiefen und doch un-
ausgesprochenen Verletzungen, begeht Nejusch, das Pseudonym, unter dem Weiss
berg-Bob ihr Buch veröffentlicht hat, einen Tabubruch.
Die Geschichte, die Weissberg-Bob erzählt, ist authentisch und dennoch Literatur: »Die Figur: Das bin ich und bin es doch nicht«, sagt die Autorin und Gründerin des Lichtig-Verlags dazu. Immer wieder sei sie gefragt worden, ob ihre Eltern im Konzentrationslager gewesen seien. »Ich wollte zeigen, dass es auch ohne KZ gereicht hat.« In nur neun Monaten sei das Buch aus ihr herausgeflossen, das Schreiben habe wie eine Katharsis gewirkt.
Tatsächlich ist es schmerzhaft, die Zweifel und Zerrissenheit der Briefeschreiberin zu verfolgen. Die Nähe, mit der sie immer größere Teile ihrer Geschichte offenbart, nimmt den Leser gefangen, weil sie schonungslos ehrlichwirkt. Weissberg-Bob betont, dass sie lange überlegt habe, was sie preisgebe, Namen und Orte wurden geändert, um ihre Familie zu schützen. Für den Leser wünsche sie sich, dass er die Perspektive des nichtjüdischen Brieffreundes einnähme. Als dieser liest, was Nejuschs Vater von dem Pogrom in Lemberg erzählt, ist er vollends überfordert – sie solle nicht mehr in der »braunen Brühe herumstochern«. Mit diesem Bruch endet das Buch. Dennoch hat Weissberg-Bob keine Anklageschrift verfasst: »Es ging mir nicht um Abrechnung, sondern darum zu sagen: Passt auf, da sind diese Wunde und dieser Schmerz.« Das ist ihr gelungen. Alice Lanzke

nea weissberg-bob, nejusch:
»das glück hat mich umarmt.
ein briefroman«
Lichtig Verlag, Berlin 2008, 170 S» 21,50 €

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026