Michael Schneider

Lauders Mann

von Matthias B. Krause

Der im Juni als Präsident gewählte Kosmetik-Erbe, Roland S. Lauder, zählt beim Umbau des Jüdischen Weltkongresses (WJC) künftig auf Michael Schneider als seinen Generalsekretär. Der Südafrikaner sei weltweit bekannt und habe einschlägige Erfahrung in der Leitung jüdischer Organisationen, lobte Lauder seinen neuen zweiten Mann, »er wird den Verband in die Zukunft führen«. Schneider übernimmt den Posten von Stephen E. Herbits, den Lauders Vorgänger eingesetzt hatte, um einen Finanzskandal in der Organisation aufzuklären.
Lauder hatte anfangs Schwierigkeiten, den zentralen Posten beim WJC zu besetzen. Sein erster Kandidat, Daniel Mariaschin, Vize-Präsident von B´nai B´rith International, lehnte das Angebot ab. Wa-
rum, ist bis heute unklar. Während Lauder bestreitet, dass der scheidende Herbits dabei seine Hand im Spiel hatte, sehen das andere Weltkongress-Mitglieder ganz anders. »Er war ursprünglich eine Schlüsselperson in der Vertuschung der finanziellen Unregelmäßigkeiten, die zu dem mo-
ralischen, finanziellen und politischen Kollaps des Weltkongresses geführt haben«, sagt der ehemalige Weltkongress-Vize Isi Leibler über Herbits, ein Lauder-Anhänger: »Er gehörte auch zu jenen, die die Leute verteufelten, die die Organisation von innen reformieren wollten.« Ihm sei schleierhaft, warum Herbits nach seinem offiziellen Rücktritt die Geschäfte noch bis September weiterführe.
Schneider muss auf der nächsten Vorstandssitzung des Weltkongresses am 10. September bestätigt werden, bevor er sein Amt antreten kann. Er nannte seine Nominierung »gewissermaßen überraschend«. Der Südafrikaner begann seine Karriere 1978 bei dem Jewish Joint Distribution Committee (JDC), einer der größten jüdischen Hilfsorganisationen weltweit. Er arbeitete unter anderem als JDC-Botschafter im Iran und verhandelte die Ausreise von hunderttausenden Juden aus Bosnien, Äthiopien, der Sowjetunion und Syrien nach Israel und in die USA.
In jüngster Zeit leitete Schneider zudem das Tsunami-Programm der jüdischen Hilfsorganisationen in Indonesien sowie das AIDS-Programm in Afrika. Er diente bis Mai 2002 als Vizepräsident und Generaldirektor des JDC und trägt weiterhin den Titel des Ehren-Vizepräsidenten. Schneider arbeitet derzeit noch als Direktor der World Jewish Restitution Organization und ist Mitglied des Claims Conference Allocation Committees. Die Französi-
sche Ehrenlegion nahm ihn 2005 für seine Verdienste um die Menschheit auf.
Der Finanzskandal des Weltkongresses um den ehemaligen Vorsitzenden Rabbiner Israel Singer hatte Anfang des Jahres zum Rücktritt des langjährigen Präsidenten Edgar M. Bronfman geführt. Singer ist inzwischen zur Rückzahlung von einer halben Million US-Dollar verklagt worden.

7. Oktober

Steinmeier: Antisemitische Hetze unerträglich aufgeflammt

Der schlimmste Anschlag auf Jüdinnen und Juden seit der Schoa: Der Bundespräsident verurteilt den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Und blickt auch auf die Lage im Gazastreifen

 08.10.2026

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026