Lieblingsorte

Kunst, Kibbuz und Klagemauer

Florentin: Ich kenne das Viertel sehr gut, im Gegensatz zu Neve Zedek ist es noch nicht aufgeräumt, sondern besitzt noch eine Rumpeligkeit, die einen ungeheuren Reiz auf mich ausübt. In den alten Häusern leben und arbeiten noch Handwerker, in den Hinterhöfen hämmern Künstler an ihren Skulpturen, weil sie sich hier noch große Ateliers leisten können. Dann gibt es eine kleine Gasse, in der sich ein Lampenladen an den anderen reiht – die Modelle sind ebenso verstaubt wie die Schaufenster. Es ist ein Kosmos für sich, in dem es fast kein Durchkommen gibt, weil die Straßen immer verstopft sind, alle hupen. Es ist lärmig, laut und wunderbar. Ich könnte stundenlang durch diese Straßen schlendern. Und immer führt mich mein Weg an dem kleinen Paprikaladen vorbei, in dem das beste Paprikapulver der Welt angeboten wird. Es versteht sich von selbst, dass das Zertifikat gleich neben der Tür hängt.
Iris Berben, Schauspielerin

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Klagemauer: Sonne, Strand, Meer – die gibt es an so vielen Orten. Aber die Klagemauer ist doch einzigartig. Sie ist der Ort, wo ich das jüdische Herz förmlich schlagen höre und an dem ich mich so intensiv wie nirgendwo sonst ganz besonders verbunden fühle mit der speziellen Kette von 100 Generationen von jüdischen Menschen.
Dieter Graumann, Vizepräsident des
Zentralrats der Juden in Deutschland

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Amerim: Das ist ein kleiner Kibbuz ganz im Norden, die erste Siedlung in Israel, in der ganz und gar vegetarisch gekocht und gegessen wurde. Ein bisschen sieht es aus wie San Francisco mit seinen schönen alten Häusern. Und weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist, haben wir uns immer im selben Häuschen einquartiert mit einem Whirlpool im Wald.
Sibylle Berg, Schriftstellerin

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Jerusalem: Es gibt keine Stadt der Welt, die solch mystische Spiritualität aufweist. Jerusalem ist niemandem gleichgültig.
Arthur Cohn, Filmproduzent
Galiläa: Einer meiner Lieblingsorte in Israel ist Mitzpe Hajamim, ein kleines Dorf in Galiläa. An guten Tagen kann man von dort aus das Tote Meer und das Mittelmeer sehen. Und weil es in Galiläa liegt, ist es dort im Sommer angenehm kühl und im Winter warm genug.
Walter Laqueur, Historiker

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Neve Zedek: Es gibt ein Restaurant in Neve Zedek, das betreibt eine ägyptische Jüdin, die kocht immer nachts vor, und dann verkauft sie das Essen aus den Töpfen. Alle denken, sie ist eine nette Frau, dabei war sie früher eine Gefängnisaufseherin. Und sie ist absolut rechts. Die Frau heißt Julie, und das Restaurant heißt genauso. Es liegt in der Shahbazi‐Straße, das ist die Hauptstraße in Neve Zedek. Ich geh da oft essen, wenn ich in Israel bin. Es ist ein ganz kleines, freundliches Restaurant.
Maxim Biller, Schriftsteller

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Jerusalem: Für mich gibt es außer New York keine Stadt, die so faszinierend ist wie Jerusalem, dieser Schmelztiegel aus orientalischem Lebensgefühl und christlicher Historie. Ich war oben auf dem Turm der Erlöserkirche und hörte das Mittagsgebet von den Minaretten. Diese Mischung aus schwüler, schwirrender Luft und orientalischem Singsang war einmalig.
Alexander Kekulé, Mediziner, Mikrobiologe und Publizist

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Tel Aviv: Ich erinnere mich an ein Café in der Dizengoff‐Straße in Tel Aviv, wo alte Männer saßen und auf Jiddisch über Weltpolitik diskutierten. Ich fühlte mich zurückversetzt. Ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern, aber meine Frau sagt, es hieß „Kasit“. Es ist ein Ort außerhalb der Zeit, reizend und sentimental, und auch der Kaffee war gut. Aber es ist etliche Jahre her, dass ich dort war, ich weiß gar nicht, ob das Café überhaupt noch existiert, und ob die alten Männer noch am Leben sind. Vielleicht gibt es ja gar keine alten Männer mehr in Tel Aviv, die sich auf Jiddisch über Politik unterhalten. Aber es war wirklich ein schöner Ort.
Leon de Winter, Schriftsteller

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Jerusalem: Ich habe zwei Lieblingsplätze, beide in Jerusalem: Zum einen den Öl‐ berg, wo man entweder am Morgen oder bei Sonnenuntergang über die Zinnen und Türme der Altstadt schaut, die dann liebevoll von der Sonne gestreichelt werden, und wo man so leidenschaftlich ins Träumen geraten kann, mitten im Lärm der Großstadt und doch weit weg von all den Alltagssorgen. Zum anderen das österreichische Hospiz in der Altstadt, wo man wunderschbar im Garten sitzen und den besten Apfelstrudel im gesamten Nahen Osten genießen kann. Dabei lässt sich zum Beispiel am Karfreitag beobachten, wie Christen mit großen Kreuzen beladen auf der Via Dolorosa zur Grabeskirche pilgern, während Muslime nach dem Gebet vom Tempelberg zum Damaskustor schreiten und gläubige Juden in Richtung Klagemauer eilen. Sie alle kreuzen ihren Weg auf engstem Raum. Sie alle glauben an einen Gott. Dann hofft man, dass Frieden in dieser Stadt des Friedens doch möglich werden kann.
Johannes Gerster, Präsident der Deutsch‐Israelischen Gesellschaft

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