Hooligans

»Klub der Schande«

»Klub der Schande«

Harte Strafen für
französische Hooligans gefordert

von Lars Spannagel

Der französische Fußball befindet sich in einer schweren Krise, nachdem am vergangenen Donnerstag ein Polizist einen Anhänger des Klubs Paris Saint-Germain (PSG) erschossen hat. Innenminister Nicolas Sarkozy forderte »extrem schwere Strafen« für rassistische und antisemitische Krawalle.
Zu dem Vorfall war es nach dem Uefa-Cup-Gruppenspiel zwischen PSG und Hapoel Tel Aviv (2:4) im Pariser Prinzenpark-Stadion gekommen. Rund 150 französische Hooligans hatten einen jüdischen Franzosen, der als Hapoel-Fan zu erkennen war, verfolgt und bedroht. Der dunkelhäutige Polizist kam dem 23jährigen zu Hilfe. Der Mob reagierte mit Rufen wie »dreckiger Jude, dreckiger Neger« und mit Affenlauten; außerdem wurde der Hitlergruß gezeigt. Der 32jährige Zivilbeamte gab sich als Polizist zu erkennen und setzte Tränengas ein. Als die Hooligans ihn zu Boden warfen und in den Bauch traten, gab der Polizist einen Schuß aus seiner Dienstwaffe ab. Die Kugel durchschlug die Lunge eines 26jährigen PSG-Anhängers und traf den 24jährigen Julien Quemere tödlich ins Herz. Er starb noch am Unfallort, der schwer verletzte zweite PSG-Fan kam ins Krankenhaus.
Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen den Polizisten ein, geht aber von »legitimer Selbstverteidigung« aus. Frédéric Lagache von der Polizeigewerkschaft Alliance sagte, der Beamte habe »die Angst seines Lebens gehabt« und »aus Verzweiflung geschossen. Mehrere PSG-Anhänger wurden in Polizeigewahrsam genommen. Der Verein ist für seine gewalttätigen und rechtsextremen Fans bekannt.
Innenminister Nicolas Sarkozy traf sich am Samstag mit dem PSG-Präsidenten Alain Cayzac und dem Präsidenten der französischen Fußballiga, Frédéric Thiriez und Fanvertretern zu einem Krisengespräch. «Wir wollen die rassistischen Elemente aus den Stadien fegen», sagte Sarkozy nach der Sitzung. Er forderte Fußball- vereine auf, Eintrittskarten nur noch über offizielle Fanklubs zu verkaufen, Störer und Randalierer sollen Stadionverbot bekommen. Notfalls müßten Spiele unter Ausschluß der Öffentlichkeit ausgetragen werden. PSG-Präsident Cayzac kündigte an, Konsequenzen zu ziehen, falls er es nicht schaffe, «die Gewaltprobleme auszurotten».
Anwohner des Prinzenpark-Stadions fordern jetzt die Auflösung des Vereins PSG. Zeitungen bezeichneten Paris Saint-Germain als «Klub der Schande», der Rechtsradikale und Gewalttäter in seinen Reihen dulde. Nach PSG-Spielen hatte es bereits mehr- fach Ausschreitungen gegeben. Nach einem Spiel des israelischen Vereins Maccabi Haifa kam es 1998 zu blutigen Krawallen. Der Fanklub «Boulogne Boys», dem auch der getötete Julien Quemere angehörte, gilt als besonders gewalttätig und rechtsextrem. Das Spiel gegen Hapoel Tel Aviv war von Sicherheitskräften und Polizei als Risikospiel eingeschätzt worden, rund 700 Beamte waren im Einsatz. Die etwa 1.500 israelischen Hapoel-Fans befanden sich zum Zeitpunkt der Ausschreitungen noch unter Polizeischutz im Stadion. Der Zivilbeamte, der den tödlichen Schuß abgab, war alleine, weil er vor dem Stadion als Fahrer eingeteilt war.

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