Entdeckung

It’s only Rock ’n’ Roll

Man muss kein Prophet sein, um Asaf Avidan ein erfolgreiches neues Jahr vorherzusagen. Der Musiker hat vor Kurzem den Ritterschlag erhalten. Er wurde vom Major‐Label Sony Columbia »gesigned«. Übersetzt heißt das: Avidan hat einen Plattenvertrag bei dem Label, das auch die musikalische Heimat von Stars wie Leonard Cohen oder Bob Dylan ist. Ganz zufällig kam dieser »Deal« nicht zustande, denn der 29‐jährige Sänger und Gitarrist aus Jerusalem gilt manchen sogar als der »Neue Messias«. Das zumindest hat das Musik‐Fachblatt Rolling Stone in seiner mexikanischen Ausgabe behauptet.
Dabei hatte man sich den Messias so gar nicht vorgestellt: Mit Irokesenfrisur und beißender Stimme, die in ihrer Wucht und Höhe an Janis Joplin oder Robert Plant erinnert. Aber auch andere Blätter jubeln in den höchsten Tönen. Die israelische Tageszeitung Maariv spricht von der »interessantesten Stimme in der israelischen Musikszene«. Und auch die Tageszeitung Haaretz berichtet über die »Geburt einer Legende«. Was Asaf Avidan mit seiner fünfköpfigen Band The Mojos produziert, ist Rock ’n’ Roll vom Feinsten, gemischt mit Elementen von Blues und Folk. Eine Mixtur, die ungeheuer sexy ist. Im Folgenden erklärt der 29‐jährige Sänger, was er sich bei einigen Songs seiner aktuellen CD »The Reckoning« gedacht hat.

Maybe You Are Der Song handelt von meiner ersten Freundin. Ich war sechs Jahre alt und total verliebt. Für 20 Jahre hatte ich sie aus den Augen verloren. Irgendwann habe ich mir dann vorgenommen, sie zu suchen. Als ich sie wiedertraf, habe ich mich tatsächlich noch einmal in sie verliebt. Aber die Geschichte hat nur ein halbes Jahr gedauert, weil wir beide aus unserem Traum wieder aufgewacht sind. Ein hartes Aufwachen.

Hangwoman Das ist der erste Song, an dem wir gemeinsam als Band gearbeitet haben. »Hangwoman« dreht sich darum, dass die Beziehung deswegen nicht geklappt hat, weil diese Frau immer lamentiert und kritisiert hat. Sie war Psychologiestudentin und hat jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Ich hatte den Eindruck, ich muss mich für alles rechtfertigen.
Reckoning Song Das ist mein Lieblingslied auf dem Album. Dieser Song braucht nichts außer Gesang und Gitarre. Die Aufnahme dieses Titels hat mich emotional sehr berührt. Es ist ein trauriges Lied. Die ersten Töne habe ich geschrieben, als meine Exfreundin gerade die Tür von außen zugemacht hat. Ich kann mich noch genau daran erinnern. Ich saß auf dem Boden, und wir hatten einen Rießenzoff gehabt. Sie war noch auf der Treppe, als ich zu meiner Gitarre gegriffen habe, statt ihr hinterherzulaufen.

Sweat & Tears Dieses Lied habe ich mit der Cellistin Hadass Kleinman entwickelt. Ich mag es, wenn der Refrain sich klar vom Rest des Songs abhebt. Eigentlich habe ich, wenn ich so darüber erzähle, nicht den Hauch einer Idee, was dieser Song überhaupt auf diesem Album zu suchen hat. Er war schon immer anders. Scherzhaft gesagt: Im Gegensatz zu den übrigen Rocknummern bekommen die Hörer bei diesem Song wenigstens ihre Vorurteile über israelisch‐arabische Musik bestätigt: Jalla!

A Phoenix Is Born Das einzige Instrumental auf dem Album. Ein Phönix muss erst sterben, bevor er aus der Asche auferstehen kann. Auch ich brauchte diese verschiedenen Tode, um wirklich auf dem Boden anzukommen, um zu verstehen, dass ich ein Sklave bin und wie ich diese Ketten am Ende loswerde. Am Anfang sollte das Album sogar »The Phoenix‐Days« heißen.

Empty Handed Saturday Blues Dieser Titel hätte es fast nicht auf’s Album geschafft, weil er sich anfangs gar nicht wie ein Song angefühlt hat. Mein Freund Ran war es, der irgendwann zur Probe kam und sagte, wir sollten das machen. Ich hatte ihn mal vorgespielt und er hatte ihn noch auf seinem Handy und drückte es an das Mikrofon. Eigentlich besteht der Song nur aus zwei Akkorden. Also entschieden wir, das Lied als Blues zu spielen.

A Ghost Before The Wall Es geht um das Hauptthema des Albums, also die Mauern, die ich um mich gebaut habe und die Erkenntnis, wie sehr ich von den anderen emotional entfremdet bin. Dieser Aspekt weist schon auf das nächste Album »Poor Boy/Lucky Man« voraus, das im Herbst in Israel erscheinen wird. Der Song entstand zu einem Zeitpunkt, als meine Exfreundin urplötzlich in meinem Gedächtnis auftauchte. Wie ein Geist, der durch Wände gehen kann.

Devil’s Dance Der erste Song, den ich über den Teufel geschrieben habe. Inspiriert wurde ich von den Bildern meines kleineren Bruders, der zu dieser Zeit Dämonen malte. Anfangs haben wir das mit der ganzen Band gespielt, aber jetzt steht wieder das Cello von Hadass Kleinman im Vordergrund. Ich spiele inzwischen sehr viel mit Hadass. Wir haben so etwas wie ein blindes Verständnis füreinander. Ich glaube, ihr Instrument, die Art, wie sie spielt, ist gefühlsbetonter als meine Stimme. Ihr Cello ist wie eine zweite Stimme von mir.

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