Kricket

Indischer Import

Beim Gedrängel rund um den 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels wäre fast nicht aufgefallen, dass eine Gratulantengruppe bislang fehlte: die Kricket‐Spieler. Also reisten Mitte Juli Weltklasse‐Kricketeers nach Hadar Yosef nördlich von Tel Aviv. Drei Eintagesspiele wurden zwischen dem Team India A, einer Art indischer Nationalmannschaft, und Israel ausgetragen. Das israelische Team wurde aus jüdischen Spitzenspielern aus Australien, Irland, Indien und Südafrika zusammengestellt.
»Es gibt nicht viele jüdische Spieler«, räumt Stanley Perlman ein, der Vorsitzende des israelischen Kricket‐Verbandes. Aber immerhin konnten der frühere südafrikanische Nationalspieler Adam Bacher oder der Inder Bensiyon Songavkar, der beim Saurashtra‐Kricketteam in einer der drei großen indischen Ligen spielt, für Israel verpflichtet werden. »Ein bisschen fremd« fühlte sich Bensiyon Songavkar, der als jüdischer Inder für das Team Israel und gegen das Team Indien antrat. Auch der 20‐jährige Israeli Solomon Varsulkar spielte mit, der bereits an der Eliteausbildung der Cricket Academy 2008 in Indien teilnahm.
»Wir bauen die Sportart auf«, sagt Perlman, »die Nachfrage ist nicht so groß, aber es ist immerhin die stärkste nichtolympische Sportart, die wir gerade haben.« Immerhin konnte Perlman mit Jonty Rhodes dem nicht gerade kricketverwöhnten israelischen Publikum einen echten Weltstar präsentieren. Der Südafrikaner, der 2003 von seinem Sport zurücktrat, gilt als einer der ganz Großen im Kricket. Rhodes, obwohl Christ, der von Israel »nicht mehr weiß, als in Exodus von Leon Uris steht«, wie er sagte, trat als Kapitän des israelischen Teams an.
Kurzfristig hat die Unterstützung des südafrikanischen Weltstars nicht geholfen. Er selbst schaffte nur drei Runs, und letztlich gewann Indien das Turnier mit drei Siegen in drei Spielen. Aber langfristig erhofft sich Stanley Perlman einen großen Schub. »Wir haben Geschichte geschrieben«, gab er nach dem Turnier stolz von sich. Dass die indische Mannschaft nicht mit den allerbesten indischen Kricket‐Profis angereist war, wollte Perlman nicht zugeben, und auch von indischer Seite wurde das nicht bestätigt. »Wir sind alle Erstligaspieler«, erklärte Kapitän Jaydev Sha. Und gerade Sha selbst wurde von der von Tag zu Tag fachkundiger werdenden israelischen Presse bestätigt, »unglaubliche Figuren an den vier Wickets« geschlagen zu haben.
Mit leichter Betrübnis wurde in israelischen Zeitungen vermerkt, dass indische Pressevertreter nicht zu diesem Turnier angereist waren. Aber immerhin war Niranjan Sha, der Generalsekretär des indischen Kricketverbandes, nach Israel geflogen, um sich die letzten Spiele anzuschauen und am abschließenden Dinner teilzunehmen.
Bruno Engelin

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