felicia langer

Im Namen der Sachlage

Die Antwort kam nach 42 Tagen. Fast zwei Monate nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse an die in Tübingen lebende deutsch-israelische Juristin Felicia Langer schrieb der Chef des Bundespräsidialamtes, Gert Haller, einen Brief an den Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Arno Hamburger. Auf diese Post hatte Hamburger lange warten müssen. Zu lange.
In der vergangenen Woche hat Hamburger die Ankündigung, seine beiden Bundesverdienstkreuze zurückzugeben, in die Tat umgesetzt – aus Protest gegen die Ehrung für Felicia Langer (siehe untenstehendes Interview). Sie gilt als harsche Kritikerin Israels und bezeichnet das Land als eine »Apartheid der Gegenwart«. »Unendlich bedauerlich« heißt es in der Antwort, die Hamburger von Haller erhielt, sei die Tatsache, dass die Auszeichnung »Gefühle von Menschen verletzt« habe. Haller erklärt auch, warum sich die Antwort auf Hamburgers Schreiben so lange verzögerte: »Wir sind allen Vorwürfen nachgegangen und haben die Sach- und Rechtslage akribisch geprüft. Das kostet Zeit.«

Weckruf Für den Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, ist klar, »dass die einmal vorgenommene Ehrung durch gezwungenes ›Bedauern‹ nicht rückgängig gemacht werden kann«. Das habe das Bundespräsidialamt im Voraus gewusst, sagt Kramer im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. Durch die Rückgabe der Verdienstkreuze sei es Hamburger gelungen, »das Bundespräsidialamt wachzurütteln und zu einer Reaktion zu bewegen«. Über Hallers Antwortschreiben hinaus wollte das Bundespräsidialamt nicht Stellung beziehen. Generell unterlägen Ordensangelegenheiten der Schweigepflicht, sagt Martin Kothé, Sprecher des Bundespräsidenten Horst Köhler.
Auch die Staatskanzlei Baden-Württemberg will sich weder zur verzögerten Antwort noch zu der Auszeichnung Langers und die darum entstandene Diskussion äußern. Dort hatte der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) auf Anregung der Antizionistin Evelyn Hecht-Galinski Frau Langer für die Ehrung vorgeschlagen. Damals hieß es in einer Erklärung der baden-württembergischen Staats kanzlei, die Auzeichnung würdige Langers »humanitäre Verdienste unabhängig von politischer, weltanschaulicher oder religiöser Motivation«. Das kann Stephan J. Kramer nicht nachvollziehen: »Offensichtlich reicht die Tatsache, jüdische Israelhasserin zu sein, heute allein schon aus, um die hohe Auszeichnung der Bundesrepublik zu erhalten.« Kurz nach der Verleihung kam auch Kritik vom israelischen Außenministerium. Dessen Sprecher Yigal Palmor sagte, Langer habe über Jahre immer wieder Kräfte unterstützt, die Gewalt, Tod und Extremismus befürworten.

Debatte Felicia Langer will ihr Bundesverdienstkreuz nicht zurückgeben. Sie halte die Diskussion um die Verleihung für eine Verleumdungskampagne gegen sie, sagte die 78-Jährige dem Handelsblatt. Um die »Verwerfungen« ungeschehen zu machen, »fehlt jedoch die Grundlage«, heißt es in dem Schreiben von Staatssekretär Gert Haller an Arno Hamburger.
Aber, so betont Haller, die Solidarität Deutschlands mit Israel sei »unwandelbar« und der Bundespräsident »unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern von Herzen zugewandt«.

Feiertage

Chatima towa, oder was?

Was von Rosch Haschana über Jom Kippur bis Sukkot die korrekte Grußformel ist

von Rabbiner Yaacov Zinvirt  11.09.2026 Aktualisiert

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026

Westjordanland

Auslandspresseverband in Israel fordert Schutz für Journalisten

Gewalttätige Siedler attackieren US-Journalisten im Westjordanland – der Auslandspresseverband warnt vor einem gefährlichen Trend

 30.08.2026

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026

Desinformation

Was steckt hinter dem International Burke Institute?

Die KI-Firma OpenAI hat nach eigenen Angaben eine verdeckte russische Beeinflussungskampagne aufgedeckt, die sich als israelisch inszeniert haben soll

 26.08.2026

Würdigung

Hamburg ehrt Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini

In der Hansestadt gibt es künftig eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina-Mahsa-Amini-Park

 24.08.2026

Nahost

Israel soll Militärflugplatz in Nordsyrien attackiert haben

Israel hat seit dem Umsturz wiederholt auch Ziele in Syrien ins Visier genommen. Nun wird ein erneuter Angriff gemeldet. Der US-Sondergesandte für Syrien übt deutliche Kritik

 18.08.2026