rbb-Rundfunkrat

„Ich springe ins kalte Wasser“

Herr Schlesinger, Sie sind neues Mitglied des Rundfunkrates des Rundfunk Berlin‐Brandenburg (rbb). Zu welchen Themen werden Sie sich dort als „jüdische Stimme“ zu Wort melden?
schlesinger: Ich bin der Vertreter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der Vertreter der Jüdischen Gemeinden Brandenburgs und letztendlich auch der Vertreter Adass Jisroels. Ich werde versuchen, die jüdischen Themen, die jüdischen Probleme dort wiederzugeben.

Was sind das für Themen und Probleme?
schlesinger: Es ist ja allgemein bekannt, dass ich mich massiv gegen Rassismus und Antisemitismus wehre, und ich denke, das ist auch letztlich der Grund, weshalb die Repräsentantenversammlung sich auf meine Person geeinigt hat.

In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, die Gemeinden verstünden die Wahrnehmung ihres Sitzes „als politisches und gesellschaftliches Signal“. Warum wurde das Signal nicht früher ausgesandt – seit Anfang 2007 war der Sitz vakant?
schlesinger: Ich bin neu in der Repräsentantenversammlung. Dennoch habe ich es schon länger als sehr schädlich empfunden, dass kein jüdischer Vertreter im Rundfunkrat war. Ich bin froh, dass es jetzt möglich war, eine Einigung zwischen allen drei Gemeinden zu erzielen.

In der Erklärung ist auch von einer „geeigneten Darstellung jüdischer und israelischer Themen“ die Rede. Wie wollen Sie dafür sorgen?
schlesinger: Das kann ich Ihnen jetzt noch gar nicht sagen. Ich springe ins kalte Wasser. Ich schaue, was auf mich zukommt und werde mich rechtzeitig zu Wort melden.

Sollte es ein jüdisches Magazin im rbb‐Fernsehen geben?
schlesinger: Das befürworte ich sehr.

Wird es noch einen Vorstoß gegen die Schließung von Radio Multikulti geben?
schlesinger: Ich bin auch dagegen, Radio Multikulti dichtzumachen. Wenn es eine Diskussion darüber geben sollte, werde ich dazu Stellung beziehen.

Sie sollen sich im September 2009 mit einem Vertreter von Adass Jisroel ablösen. Ist diese Rotation eine ideale Lösung?
schlesinger: Sicherlich ist die Rotation keine ideale Lösung. Es ist aber die einzige Möglichkeit, allen Gemeinden und Richtungen eine Stimme zu verschaffen. Ab September 2009 entsendet Adass Jisroel einen Vertreter, es ist noch nicht bekannt, wer dann auf dem Stuhl Platz nimmt.

Das Gespräch mit dem RV‐Präsidiumsmitglied führte Christine Schmitt.

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