Vertrauensbruch

Hüten und bewahren

Sulzbach-Rosenberg ist eine kleine Stadt in der Oberpfalz. Da bin ich aufgewachsen. Es leben dort rund 20.000 Einwohner, 1.000 davon sind Polizisten, denn es gibt in Sulzbach-Rosenberg eine Polizeischule. Fast nie wurde in Sulzbach-Rosenberg eine Straftat begangen. In einen Ort, in dem fünf Prozent der Einwohner Polizisten sind, traut sich kein Ganef. Man konnte niemals in Sulzbach mit seinem Auto rasen, denn die Polizeilehrlinge warten nur darauf, jemanden zu blitzen.
Es muss nicht in jeder Stadt eine Polizeischule geben, doch lernen wir in unserer Parascha, dass es Gerichtsbarkeit geben soll. In allen Orten gilt es, Richter und Polizisten einzustellen, um die Gesetze der Tora umzusetzen.

bestechung Eine wichtige Regel sagt, dass Richter keine Bestechung annehmen dürfen. Denn Bestechung verdreht die Sichtweise eines Menschen. Er kann der weiseste aller Menschen und ein großer Gelehrter sein; wenn er Bestechung annimmt, kann er gegenüber der Wahrheit blind sein (5. Buch Moses 16,19).
Auf das Verbot von Bestechung folgt unmittelbar das Verbot, einen Aschera-Baum, einen Baum, der dem Götzendienst gewidmet ist, neben einem Altar G’ttes zu pflanzen (16,21). Resch Lakisch entnimmt der Abfolge dieser zwei Verse, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, dass jemand, der einen unpassenden Richter einsetzt, jemandem gleicht, der in Israel einen Aschera-Baum pflanzt (Avoda Sara 52a).
Wieso verbindet die Tora den unpassenden Richter gerade mit dem Pflanzen eines Aschera-Baums und nicht mit etwas anderem? Viele Erklärer stellen sich diese Frage. Wo ist der Zusammenhang?
Rav Soloveitschik sagt, dass ein Baum G’ttes Schöpfung ist. Er hat eine besondere Ausstrahlung und eine besondere Schönheit. Eine hohe Zeder, eine wuchtige Eiche oder eine schlanke Pappel können einem den Atem rauben. Gibt es ein schöneres Beispiel für die g’ttliche Schöpfung? Es besteht jedoch die Möglichkeit, ein unberührtes Stück g’ttlicher Schöpfung in ein Werkzeug des Götzendienstes zu verwandeln. Dies ist etwas besonders Verabscheuungswürdiges. Es verdreht etwas Schönes, Inspirierendes und G’ttähnliches in ein Gräuel. Eine solche Umwandlung ist eine Form von G’tteslästerung.

berufsprofil Wer soll als Richter eingesetzt werden? Sicher nicht ein einfacher Mann von der Straße. Ein Richter sollte ein Talmid Chacham, ein Toragelehrter, sein. Und seine Handlungen und seine Erscheinung sollten Eindruck machen. Wer einer unpassenden Person diese Stellung gibt – jemandem, der nicht durch und durch ehrlich ist –, begeht ein g’tteslästerliches Verbrechen. Er gleicht demjenigen, der einen Baum nimmt und ihn in einen Aschera-Baum verwandelt.
Rabbiner Mordechaj Kamenetsky erzählt von einer Begebenheit, bei der sein Großvater, Rav Ja’akov Kamenetsky, beteiligt war. Es gab eine Zeit, in der eine Gruppe skrupelloser Männer verbotene Dinge über die Grenzen schmuggelte. Sie versteckten ihre Schmuggelware in Tefillinhülsen, also Gegenstände, die nur für Mizwot gebraucht werden dürfen. Noch schlimmer: Sie machten sich an ahnungslose Juden heran und baten sie, eine »Mizwa« zu tun: die Tefillin mitzunehmen und sie Menschen, die sie benötigten, in einem fremden Land zu überbringen. Der Angesprochene meinte, er tue eine große Mizwa. In Wahrheit jedoch war er, ohne es zu wissen, an einem Schmuggelunternehmen beteiligt.
Die Zollbehörde bekam Wind von den skrupellosen Männern. Sie beschloss, die Hilfe orthodoxer jüdischer Zollbeamter in Anspruch zu nehmen, um zwischen den Schmugglern und ehrlichen Menschen, die Tefillin trugen, unterscheiden zu können. Ein orthodoxer Zollbeamter, der diesen Auftrag erhalten hatte, sprach bei Rav Kamenetsky vor und bat ihn um seinen Rat. Rav Kamenetsky antwortete, dass man mit aller Härte gegen diese skrupellosen Schmuggler vorgehen solle.

verbrechen Er sagte, dass es schlimm genug sei, unehrlich zu sein und Verbrechen zu begehen, aber einen der heiligsten Gegenstände, die ein Jude besitzt, zu nehmen und ihn als Werkzeug für ein Verbrechen zu verwenden, sei der Gipfel der Abscheulichkeit. Dies könne, so sagte er, damit verglichen werden, dass eine weiße Fahne während eines Gefechts nur als Trick gebraucht wird, um einen Gegenangriff zu starten. Jedem ist bekannt, dass die weiße Fahne Symbol für die Kapitulation ist. Man muss jederzeit auf sie vertrauen können. Wenn einer die weiße Fahne missbraucht, bringt er alle Menschen dazu, der weißen Fahne zu misstrauen. Durch seine Hinterlist begeht er nicht nur ein Verbrechen gegenüber dem Feind. Er begeht durch den Missbrauch des internationalen Symbols ein Verbrechen gegen die Soldaten aller Generationen.
Wir müssen unseren Respekt wahren für Heiliges und Symbolkräftiges. Wir dürfen es nicht zulassen, dass es von selbstsüchtigen Menschen ausgeschlachtet wird. In solchen Fällen sind unsere Courage und unser Einsatz gefragt.

7. Oktober

Steinmeier: Antisemitische Hetze unerträglich aufgeflammt

Der schlimmste Anschlag auf Jüdinnen und Juden seit der Schoa: Der Bundespräsident verurteilt den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Und blickt auch auf die Lage im Gazastreifen

 08.10.2026

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026