Energie

Heiße Luft

von Ralf Balke

„Wir haben uns schon mit sauberer Energie beschäftigt, bevor es den Begriff überhaupt gab“, sagt Judith Bronicki nicht ohne Stolz. „Das war 1965. Und wir waren damals keine Hippies, sondern ganz normale spießige Leute mit einer klaren Vision.“
Gemeinsam mit ihrem Mann Lucien gründete sie deshalb vor über 40 Jahren „c.“ Heute zählt das Technologieunternehmen aus Yavne über 700 Mitarbeiter und gehört zu den Global Playern in Sachen Energiegewinnung aus Erdwärme. Dabei wird die Hitze aus Gesteinsschichten tief unter der Erdoberfläche oder heißes Wasser aus unterirdischen Thermalwasservorräten, sogenannten Aquiferen, in Elektrizität umgewandelt. Diese auch Geothermie genannte Erdwärme kann jeder am eigenen Leibe spüren, der einmal mit einem Grubenaufzug in die Tiefen eines Bergwerks gefahren ist. Um rund drei Grad pro hundert Meter Tiefe steigt die Temperatur dann an.
Außerdem hat sie den großen Vorteil, dass man im Unterschied zur Sonnen‐ oder Windenergie nicht von großen Schwankungen abhängig ist, die Mutter Natur diktiert. Geothermie ermöglicht eine kontinuierliche Energiegewinnung. Wird diese Wärme irgendwo auf dieser Welt angezapft, dann steckt garantiert viel Technik von Ormat mit drin. Dabei war der Blick der Gründer von Ormat anfangs eher in den Himmel gerichtet. „In den späten 70er‐ Jahren haben wir versucht, Gelder von der Regierung zu bekommen, um ein Solarenergieprojekt mit eigens von uns entwickelten Turbinen voranzubringen. Leider erfolglos“, berichtet Lucien Bronicki. Also schaute man im wahrsten Sinne des Wortes nun nach unten und beschäftigte sich mit den Möglichkeiten, die Geothermie zu nutzen.
Ormat erfand nicht nur Techniken, die Erdwärme anzuzapfen, sondern liefert auch ganze Kraftwerke, die den so gewonnenen Strom ins Netz einspeisen können. Nun ist Israel nicht gerade für seine Vulkane oder Geysire bekannt, aus deren Umfeld sich Erdwärme nutzen lässt. Und genau deshalb wagte Ormat schon früh den Schritt ins Ausland. Heute besitzt und betreibt das Unternehmen elf geothermische Anlagen in den USA, Guatemala, Kenia und Nicaragua mit einer Gesamtleistung von 410 Megawatt.
Ferner gibt es in den USA zwei sogenannte Recovered Energy‐Generation (REG)-Kraftwerke, die aus der Abwärme von Gasturbinen Strom gewinnen. Ormat hat aber mit dem Enhanced Geothermal System (EGS) noch ein Technik‐Ass im Ärmel: „Ein Schacht wird in die Gesteinsschichten gebohrt, durch den von außerhalb Wasser zugeführt wird“, erklärt Yoram Bronicky, seines Zeichens Geschäfts‐
führer von Ormat das Prinzip. „Dort wird es dank der natürlichen Wärme erhitzt und fließt anschließend durch verschiedene Risse oder Spalten in einen künstlich angelegten Brunnen, von wo aus das nun sehr heiße Wasser abgepumpt und zur Stromgewinnung benutzt wird.“ Dadurch wird ein geschlossener und sehr effizienter Kreislauf geschaffen.
Laut der Geothermischen Vereinigung – Bundesverband Geothermie (GTV‐BV) –gibt es weltweit zurzeit rund 250 Erdwärmekraftwerke mit einer Gesamtleistung von mehr als neun Gigawatt. Theoretisch könnte Geothermie das Vierfache des Strombedarfs und das Fünffache der in Deutschland benötigten Wärme liefern, sagt das Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben in Hannover. Und seit November 2007 steht in Landau in der Pfalz Deutschlands größtes Erdwärmekraftwerk, das seinen Strom dank des 160 Grad heißen Dampfs gewinnt, der aus 3.300 Meter Tiefe an die Erdoberfläche kommt. Ein Teil davon wird in das Fernwärmesystem eingespeichert, ein anderer versorgt 6.000 Haushalte in der Kleinstadt mit Strom. Die Technik dazu stammt von Ormat.
In Reno im US‐Bundesstaat Nevada gründeten die Bronickis einen Ableger ihres Unternehmens, das seit Herbst 2004 auch an der New Yorker Börse gehandelt wird. Der rasant gestiegene Ölpreis sowie das damit verbundene neue Interesse an alternativen Energiegewinnungstechniken sorgten dafür, dass der Aktienkurs von 33 Dollar im Juni 2007 auf 57 Dollar zum Jahreswechsel hochschoss. Zurzeit liegt er bei rund 51 Dollar und das Unternehmen hat damit einen Börsenwert von satten 2,1 Milliarden Dollar. Knappe 3000 Millionen Dollar Umsatz machte man.
Kein Wunder, dass Lucien und Judith Bronicki im Januar 2008 von der Consulting‐Firma Ernst & Young zu Israels Unternehmern des Jahres 2007 gekürt wurden. „Globale Pioniere im Umgang mit grüner Energie“, nannte sie Yoram Tietz, Chef von Ernst & Young in Israel.
Kein schlechtes Kompliment für Leute, die von sich behaupten, Spießer zu sein.

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