gesundheit

Hauptsache, es hilft

Mit der Diagnose »ADHS« konnte Yael Gudan einigermaßen umgehen. Dass ihr Sohn jedoch täglich das Me‐
dikament Ritalin nehmen musste, um Schule und Hausaufgaben bewältigen zu können, gefiel ihr überhaupt nicht. Das »Zappelphillip‐Syndrom«, wie es im Volksmund genannt wird, geht mit Hyperaktivität und extremen Konzentrationsstörungen einher. Nach Jahren der konventionel‐
len Therapie suchte Gudan Alternativen in der Homöopathie. Und liegt damit in Is‐
rael voll im Trend.

Studie Eine neue Studie der Clalit Ge‐
sundheitsdienste und des Academic College in Westgaliläa hat jetzt Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass etwa die Hälfte der Einwohner die Möglichkeiten alternativer Medizin nutzen. Die mehr als 3.700 Befragten umfassten alle Bevölkerungs‐und Altersgruppen, Juden sowie Araber. 45 Prozent jüdische und 42 Prozent arabische Patienten haben sich im vergangenen Jahr unkonventionellen Heilmethoden anvertraut. Darunter kann die klassische Homöopathie fallen, die in kleinen Dosierungen das verschreibt, was die Krankheit auslösen kann, chinesische Heilmethoden wie Akupunktur oder die Körpertherapie Shiatsu, die ursprünglich aus Japan stammt.
»Wir haben herausgefunden, dass Pa‐
tienten von unterschiedlichem kulturellem Hintergrund die Einbindung alternativer Medizin in das Gesundheitssystem befürworten und dem Hausarzt eine zentrale Rolle zuweisen«, erklärt Yael Keshet, eine der Forscherinnen, die hinter der Studie stehen. 80 Prozent möchten, dass ihr Allgemeinmediziner sie an einen Homöopathen überweist, sollte dies nötig sein. »Kulturelle Sensibilität ist sehr wichtig bei der Einführung neuer Behandlungsmethoden«, so Keshet. Der Studie zufolge stützen sich Araber mit 50 Prozent mehr auf traditionelles Heilen als Juden mit 28 Prozent und verwenden lieber Kräuter (35 zu 28 Prozent), während jüdische Israelis mehr zu alternativen Ernährungsweisen, energetischem Heilen, Leib‐Seelen‐Methoden, Chiropraktik und Homöopathie neigen. Die große Mehrheit ist mit 95 Prozent der An‐
sicht, dass diese Methoden in das konventionelle Gesundheitssystem einbezogen werden sollten. Das werden sie in Israel immer mehr. Die drei großen Krankenversicherungen unterhalten mittlerweile alle Zentren, in denen diese Formen der Medizin angeboten werden. Die Maccabi‐Krankenkasse etwa hat in jeder großen und mittelgroßen Stadt innerhalb ihrer eigenen Polikliniken ein spezielles Natur‐ und Alternativzentrum, in das Patienten von ihren Ärzten überwiesen werden oder in dem sie auf eigenen Wunsch, teils jedoch auf eigene Rechnung, behandelt werden.

Homöopathie Die klassische Homöopathie ist in Israel um die 25 Jahre alt, wobei die erste Apotheke mit dieser Art von Medikation bereits in den 40er‐Jahren ihre Pforten in Tel Aviv öffnete. Die Idee war es, Krankheiten mit minimalen Dosierungen zu kurieren, die gesunde Menschen gewöhnlich krank machen. Erst in den letzten zehn Jahren hat diese Form der Medizin allerdings breite Anerkennung hier im Land gefunden. Heute setzen die israelischen Mediziner ganz besonders bei Allergien und Hautkrankheiten auf die Hilfe der alternativen Medizin.
Unlängst fand eine »Homöopathie‐Woche« statt, um Betroffene mit den Möglichkeiten bekannt zu machen. »Diese Art der Behandlung breitet sich in Israel im‐
mer weiter aus«, weiß Janai Lev‐Or, Vorsitzender der Vereinigung der klassischen Homöopathen. Mittlerweile werde sie in allen großen Polikliniken und sogar in Krankenhäusern praktiziert, dazu gebe es um die 500 private Praxen. Seine Vereinigung hat mehr als 250 Mitglieder. »Es gibt jedoch nach wie vor Opposition innerhalb der konventionellen Ärzteschaft, die es als unwissenschaftlich betrachten«, gibt er zu bedenken. Während es bereits einige Studien zu dem Thema gibt, meint auch Lev‐Or, dass mehr Forschung nötig ist.
Dennoch ist er unerschütterlich in seinem Glauben, dass Homöopathie wirkt. »Viele Menschen können bescheinigen, dass ihnen damit geholfen wurde, und es gibt immer mehr Studien dazu. Die Methodik macht einen Unterschied in der Ge‐
sundheit der Menschen, das wissen wir. Wir verstehen bis heute nur nicht immer alles.«

Therapie »Mit dieser Art von Therapie ist meinem Sohn geholfen worden«, ist auch Gudan überzeugt. Ihr Kinderarzt unterstützte ihre Suche nach alternativen Hilfen für den Zwölfjährigen. »Zuerst war es nicht einfach, die Krankenversicherung zu überzeugen, etwas anderes auszuprobieren, es war viel Rennerei und Gezanke, doch am Ende hat es funktioniert, sie übernehmen die Kosten.« Bereits seit einem Jahr wird das Kind mit einer Kombination aus Homöopathie und Körper‐ sowie Entspannungstherapien behandelt. Seine Mutter ist sicher, dass es wirkt. »Mein Sohn ist nun genauso entspannt wie mit dem klassischen Medikament, allerdings ganz ohne Nebenwirkungen.«

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