Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Botschafterin Betina Pasquali de Fonseca, Botschafter Ron Prosor, IHRA-Generalsekretärin Michaela Küchler (v.l.) Foto: ddk

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026 09:54 Uhr

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) übernommen. Am 18. März fand die feierliche Amtsübergabe im Außenministerium in Buenos Aires statt. An diesem Mittwoch lud die argentinische Botschafterin Betina Pasquali de Fonseca gemeinsam mit ihrem israelischen Amtskollegen Ron Prosor zu einer Feier in die Botschaft des südamerikanischen Landes in Berlin-Tiergarten ein.

Dabei sagte Botschafterin Betina Pasquali de Fonseca: »Argentinien übernimmt diesen Vorsitz, nachdem wir uns ganz klar entschieden haben, auf welcher Seite der Geschichte wir stehen.« Das Land stehe auf der Seite der Erinnerung, der Freiheit und der Verteidigung der ethischen und moralischen Werte der westlichen Zivilisation.

Das jüdische Volk sehe sich weltweit mit zunehmendem Antisemitismus und Bedrohungen seiner Sicherheit konfrontiert, stellte die Diplomatin fest. In diesem Zusammenhang erhalte die Mission der IHRA, die Erinnerung an den Holocaust zu bewahren, gegen Hass aufzuklären und Antisemitismus zu bekämpfen, eine neue und dringliche Bedeutung.

Grundlegende Überzeugung

Die argentinische Präsidentschaft steht unter dem Motto »Expandiendo las fronteras de la memoria« (Grenzen der Erinnerung erweitern). Dieses Thema spiegle eine grundlegende Überzeugung wider, so Betina Pasquali de Fonseca. Die Erinnerung an den Holocaust dürfe nicht auf die geografischen Grenzen beschränkt bleiben, in denen der Holocaust stattfand. »Wir werden die Präsenz der IHRA in Lateinamerika und anderen Regionen stärken, die in der Holocaust-Bildung unterrepräsentiert sind. Wir werden zeigen, dass Erinnerung keine Grenzen kennt.«

Auch der israelische Botschafter Ron Prosor nahm Bezug auf das Motto der argentinischen IHRA-Präsidentschaft. Es sei das erste Mal, dass ein Land der südlichen Hemisphäre den Vorsitz übernehme. Die Geografie bestimme nicht die Beziehung eines Menschen zum jüdischen Volk und dessen Staat. »Das tun vielmehr dessen Geschichte und Ideologie.«

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Prosor beklagte die ständige Dämonisierung und Delegitimierung des Staates Israel und des jüdischen Volkes. Der zeitgenössische Antisemitismus tarne sich als Antizionismus, speise sich aber aus derselben Quelle. »Und ich denke, es liegt in der Verantwortung von uns allen, wirklich dagegen anzugehen«, so Prosor. Er sei sehr froh, dass Argentinien das Thema ernst nehme und den zeitgenössischen Antisemitismus verstehe.

Tiefgreifend und komplex

Die Erinnerung spiele eine besondere Rolle. »Die Erinnerung hat sich immer weiterentwickelt. Geschichten verbreiten sich, und wir dürfen niemals aufhören, nach ihnen zu suchen«, sagte der Botschafter. Je kleiner die Generation der Überlebenden werde, desto größer werde die Verantwortung, ihre Stimmen weiterzutragen. »Die IHRA existiert, um dieser Verantwortung gerecht zu werden.«

Die deutsche IHRA-Generalsekretärin Michaela Küchler betonte, dass Argentiniens Verbindung zur Geschichte des Holocaust »sowohl tiefgreifend als auch komplex« sei. Sich dieser Geschichte ehrlich zu stellen, sei Teil der Verantwortung, die man heute gemeinsam trage. Die IHRA überquere nun zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Äquator. »Dies ist mehr als nur ein geografischer Meilenstein. Es ist eine Erinnerung daran, dass die Verantwortung, des Holocausts und des Völkermords an den Roma zu gedenken, der ganzen Welt obliegt.«

Im Rahmen des Vorsitzes sollen in Buenos Aires in diesem Jahr zwei große IHRA-Plenartagungen stattfinden. Die Internationale Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) ist eine zwischenstaatliche Organisation. Sie wurde 1998 in Stockholm gegründet und befasst sich mit Fragen im Zusammenhang mit dem Holocaust und dem Völkermord an den Roma. ddk

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