Schabbat

Gebetbuch zur Begrüßung

von Christine Schmitt

Der kleine David war das mit Abstand jüngste Neumitglied des Gemeinde, das während des Gottesdienstes in der Synagoge Pestalozzistraße begrüßt wurde. Ganz entspannt verfolgte der wenige Monate alte Junge im Arm seiner Mutter erst den Gottesdienst und dann, wie sie für ihn einen Siddur entgegennahm. »Es war eine sehr, sehr feierliche Atmosphäre«, meinten seine Eltern später.
Auch für Rabbiner Chaim Rozwaski war es »ein ganz besonderer Schabbat«. Denn es konnte nicht nur der achte Tag des Chanukkafestes gefeiert, sondern eben auch viele neue Mitglieder der Gemeinde willkommen geheißen werden. Schließlich gehe es bei der historischen Chanukka-Geschichte um die Wahrung der jüdischen Identität, die Ausübung der Religion. Und diese Gedanken stünden auch hinter dieser Geste, sagte der Rabbiner. Die Männer erhielten Gebetsschals (Tallitot), während die Frauen Gebetbücher (Siddurim) bekamen. »Ich freue mich, sie alle begrüßen zu können«, meinte Rozwaski.
Eine von den Neumitgliedern ist Lidia Gorshkova. »Es war eine wunderschöne Zeremonie«, sagte sie. Sie stamme aus der ehemaligen Sowjetunion und sei nun froh, nach Deutschland und schließlich nach Berlin gekommen zu sein.
»Ich war erst zweimal in dieser Synagoge«, sagte Benjamin Goldberg. Das sei nun das dritte Mal und er sei sehr beeindruckt. Stolz hält er seinen Tallit unter dem Arm. Seit zwei Monaten lebt der Rentner mit seiner Frau in Berlin. Fünf Jahre lang hatte das Ehepaar auf die Erlaubnis warten müssen, endgültig ihre Heimat Lemberg in der Ukraine verlassen zu dürfen und hierher zu kommen. Aber die deutsche Sprache falle auch ihm noch sehr schwer, sagte er. »Ich bin aus Bayern«, erzählte eine 56-jährige Frau. Sie sei vor 30 Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland umgezogen und nun erst nach Berlin gekommen. »Es ist schön, auf so eine nette Art und Weise die anderen Gemeindemitglieder kennenzulernen«, meinte sie. Die Idee stammt von Rabbiner Rozwaski. Alle Neumitglieder, die im vergangenen Jahr in die Jüdische Gemeinde zu Berlin aufgenommen wurden, waren schriftlich eingeladen worden. »Das mache ich schon seit fünf oder sechs Jahren immer zur Chanukkazeit.«
Mehr als 160 Neumitglieder erfuhren so von diesem besonderen Gottesdienst mit anschließendem Kiddusch. »Sie kommen aus ganz verschiedenen Regionen, aus anderen Teilen Deutschlands, aber auch aus Israel, Südamerika und aus den Ländern der ehemaligen UdSSR.« In diesem Jahr war der Rabbiner mit dem Termin nicht ganz glücklich, da die Schulferien bereits begonnen hatten und etliche schon verreist waren. Dennoch waren rund 60 Menschen seiner Einladung gefolgt.
Zwei Beter der Pestalozzistraße hatten die Tallitot gespendet, die Synagoge gab die Siddurim. »Ich freue mich über jedes neue Gesicht in der Synagoge«, sagt Michail Rebo, einer der Spender. »Die Wege zum Judentum sollen für alle offen sein«, so Rebo. »Es geht auch darum, deutlich zu machen, dass die Synagogen Mittelpunkt der Gemeinde sind«, meinte Rabbiner Rozwaski. Er glaubt, dass die Synagogen größere Anstrengungen unternehmen sollten, das den Menschen deutlich zu machen. »In dieser Hinsicht soll die Gemeinde die Gotteshäuser unterstützen.« Man solle nicht Konkurrenz schaffen zwischen nicht religiösen und religiösen Aktivitäten. »Wir sind eine Kultusgemeinde und keine Kulturgemeinde. Der Schwerpunkt ist unsere Religion.«

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28 Prozent

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