Prinz Haakon

Funkeln am Fjord

von
Katharina Schmidt‐Hirschfelder

Das Warten hat sich gelohnt. Am kommenden Wochenende wird Oslos Jüdisches Museum eröffnet. Als Sidsel Levin, die künftige Museumschefin, das Gebäude in der Cal‐ meyers Gate vor vielen Jahren zum ersten Mal betrat, war sie sich ganz sicher: Das ist der beste Ort für ein Jüdisches Museum. In dem geschichtsträchtigen Haus, der Alten Synagoge mitten im ehemaligen jüdischen Viertel von Oslo, hatte Levins Vater einst seine Bar Mizwa gefeiert.
Anfangs gab es Widerstände von Behörden und Regierung, doch Sidsel Levins Élan war nicht zu bremsen. Dank finanzieller Starthilfe von der Jüdischen Gemeinde konnte Levin im Jahr 2002 einen Teil des Hauses für ihr Museumsprojekt mieten.
Inzwischen hat sich der karge Ausstellungsraum, in dem vor ein paar Monaten noch Farbeimer neben der Menora standen, herausgeputzt. Die neue Glastür ist einladend geöffnet, die Regale im angebauten Museumsladen sind gefüllt mit Büchern, Postkarten und Gebetbüchern.
Sidsel Levin ist das Lampenfieber anzumerken, als sie die letzten Holzkisten mit Bildern für die Eröffnungsausstellung auspackt. „Hoffentlich schaffen wir das alles rechtzeitig“, wägt sie ab. Doch mit einer energischen Handbewegung schiebt die 62‐Jährige die Bedenken beiseite: „Auch wenn wir die letzten Bilder erst kurz vor der Eröffnung aufhängen – sie wird großartig.“
Norwegens Kronprinz Haakon will das Museum am Samstag offiziell eröffnen. Angemeldet haben sich auch die Minister für Kultur und Verteidigung. Danach wird bis Dienstag das Judentum gefeiert. „An vier Tagen wollen wir zeigen, dass jüdisches Leben in Norwegen mehr Aspekte zu bieten hat als den meisten Norwegern bewusst ist“, erklärt Levins Mitarbeiter Mats Tangestuen den Fokus auf nichtjüdische Besucher. Tangestuen, der die Ausstellung betreut, verweist dabei auf jüdisch‐norwe‐ gische Künstler wie den Komponisten Issay Dobrowen, zwischen 1927 und 1931 Chefdirigent der Osloer Philharmoniker. Ein anderer Aspekt der Ausstellung widmet sich den 140 jüdischen Soldaten, die bis zur Okkupation durch Nazideutschland in der norwegischen Armee kämpften. Ihre Geschichten will die Ausstellung erzählen – auch für Oslos 800 Gemeindemitglieder eine Gelegenheit, sich mit dem Erbe ihrer Vorfahren vertraut zu machen.
Das Museum öffnet seine Pforten zum Auftakt des Henrik‐Wergeland‐Jahres. Der „norwegische Lessing“ hatte 1851 dafür gesorgt, dass der „Judenparagraf“ aus der Verfassung des Landes gestrichen wurde, was ihm bis heute in vielen jüdischen Familien einen Ehrenplatz im Bücherregal sichert. Denn ihm verdanken Norwegens Juden den Beginn ihrer Geschichte, die mit Einwanderern aus dem Baltikum, Russland und Mitteleuropa begann.
Dennoch – trotz vermeintlicher Integration und sozialen Aufstiegs gehörte Norwegens kleinste Minderheit „nicht richtig dazu“, erklärt Einhart Lorenz. Der Historiker von der Osloer Universität meint, auch nach dem Zweiten Weltkrieg habe die norwegische Gesellschaft ihre Minderheiten „einfach ausgeblendet“, auch die rund 1.500 im Land lebenden Juden. Was in der norwegischen Gesellschaft fehle, sei „ein Bewusstsein für Antisemitismus“, so Lorenz. Umso mehr betonen Regierung und Königshaus heute verstärkt Norwegens kulturelle Vielfalt. Und es bleibt nicht allein bei Worten: Die Museumschefin hat – nach langem Kampf – auch finanzielle Hilfe erhalten.
In der Stadt am Oslofjord, die sich erst langsam ihren Subkulturen öffnet, will das Museum sowohl Ausstellungsraum als auch Kulturzentrum sein. Dass die Eintrittskarten für das Eröffnungskonzert skandinavischer Klesmergruppen schon jetzt ausverkauft sind, wertet Levin deshalb als gutes Zeichen. Mit Theatervorstellungen, Stand‐Up‐Comedy und kulinarischen Kostproben stellt sich das Jüdische Museum dann ab dem 16. September offiziell dem Publikum vor.

www.jodiskmuseumoslo.no

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