Judenmission

Fünfundzwanzig Seiten Protest

von Martin Krauss
und Heide Sobotka

Der Gesprächskreis „Juden und Christen“ wendet sich mit einem klaren „Nein zur Judenmission“ an die Amtskirche. Der Kreis, dem Juden und Katholiken angehören und der beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken angesiedelt ist, hat ein 25‐seitiges Papier vorgelegt, das am heutigen Donnerstag in Berlin vorgestellt wird. Aus konkretem Anlass sei „eine fällige Stellungnahme“ erforderlich.
Der Anlass ist, dass der Gedanke einer Judenmission in weiten Kreisen der katholischen Kirche noch im Raum steht. Gerade die von Papst Benedikt XVI. formulierte Fassung der Karfreitagsfürbitte für die außerordentliche Form der Messen wurde „von manchen Kreisen so verstanden, dass die katholische Kirche die Judenmission für möglich hält“.
Im Februar 2008 hatte Benedikt nach heftigen Protesten eine neue Fassung der Fürbitte vorgelegt, sie lautet: „Wir wollen beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen.“ Der niedersächsische Landesrabbiner Jonah Sievers, der dem Gesprächskreis angehört, sagte der Jüdischen Allgemeinen: „Die Modifizierung geht uns nicht weit genug“, denn sie schreibe „immer noch die gleiche Theologie vor“.
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 60er‐Jahren sei die Frage eigentlich vom Tisch gewesen, aber „nach der vom Papst verfügten Fürbitte“, heißt es in dem von jüdischen Gesprächskreismitgliedern formulierten Teil der Erklärung, sei die Haltung der Kirche „nicht mehr so eindeutig“. Die „einzige aus jüdischer Sicht akzeptable Form der Karfreitagsfürbitte“ sei die Erklärung von 1970, wonach die Entscheidung über die Rettung Israels allein bei Gott liege.
In dem von den katholischen Mitgliedern verfassten Teil der Erklärung wird zusätzlich darauf hingewiesen, dass die bisherigen Formen der Judenmission „den Juden schreckliches und leidvolles Unrecht“ angetan haben. Gleichwohl, sagt Rabbiner Sievers, „taucht die Judenmission erratisch immer wieder auf. Seit 1945 ist das Problem nicht vom Tisch.“ In dem Papier wird neben der Absage an die Judenmission gleichzeitig ein klares „Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen“ ausgesprochen. „Man muss sich Partner suchen, die dieses Gespräch auch wollen“, sagt Rabbiner Sievers. „In Niedersachsen ist ja auch nicht der Papst mein Ansprechpartner, sondern die Bischöfe vor Ort.“
Der Dialog war zuletzt infrage gestellt worden, nachdem der Papst die Exkommunikation der Piusbruderschaft aufgehoben hatte, die sich mit antisemitischen Begründungen zur Judenmission bekennt und in ihren Reihen einen Holocaustleugner, Bischof Williamson, hält. Zu einer Klarstellung, „dass es hier keine Leugnung geben kann“, war der Papst von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert worden. Was ihr massive Kritik einbrachte, zuletzt vom Kölner Erzbischof. Joachim Kardinal Meisner forderte Merkel auf, sich beim Papst zu entschuldigen. „Ich finde“, sagte Meisner in der Bild‐Zeitung, „dass eine der größten Fehlleistungen die öffentliche Papstschelte war“. Schließlich habe der Papst „nichts von den unsäglichen Äußerungen Bischof Williamsons“ gewusst.
Meisners Vorstoß, der ohne Rücksicht auf ein im Februar geführtes Telefonat geschah, in dem Merkel und der Papst die Verstimmungen ausgeräumt haben, wurde auch von jüdischer Seite eindeutig zurückgewiesen. „Infam“ sei die Kritik Meisners, erklärte Stephan J. Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Die Bundeskanzlerin zeigt im Gegensatz zu Kardinal Meisner Charakter und Größe, ja politisches Rückgrat, wenn sie dem Druck nicht nachgibt und ihre richtige Position aufrechterhält.“
Rabbiner Julian Chaim Soussan von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) erklärte, es gäbe keinen Grund, warum sich die Kanzlerin entschuldigen müsse. „Im Gegenteil: Die Bundesrepublik sollte stolz auf ihre Kanzlerin sein, die mutig und sensibel mit dem Thema des Holocaust umgegangen ist.“ Die 24 in der ORD vertretenen Rabbiner bekundeten ihr Unverständnis darüber, dass Meisner sich zu Wort gemeldet hatte, „obwohl sich selbst Spitzenvertreter der katholischen Kirche längst ähnlich kritisch dazu geäußert hatten wie die Kanzlerin“.
Auch Rabbiner Jonah Sievers von der Allgemeinen Rabbinerkonferenz schließt sich der Kritik an Kardinal Meisner an: „Ich fand die Worte von Kanzlerin Merkel nötig und angebracht.“

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