Schimon Peres

Frieden schaffen, auch mit Waffen

von Friedrich Schreiber

Schimon Peres hätte es verdient, zu seinem 85. Geburtstag von seinen palästinensischen Friedenspartnern ein Geschenk zu erhalten. Der israelische Staatspräsident, der wie kein anderer israelischer Politiker die Außenpolitik und die Friedenspolitik seines Heimatlandes konzipiert und geprägt hat, erhält von den Erben Arafats jedoch alles andere als den Frieden, den US-Präsident George W. Bush vor einem Jahr in Annapolis Israelis und Palästinensern verheißen hat. Peres palästinensischer Gesprächspartner kollabiert. Mahmud Abbas, Arafats Erbe, muss in Gasa der radikal-islamischen Hetzjagd auf die Fatah, den letzten Rest der PLO, ohnmächtig zusehen. An Peres schicken Hamas und Dschihad Kassamraketen und keine Friedensbotschaften.
Kein Friede für Israel 13 Jahre nach dem Osloer Versöhnungswerk mit der PLO – seit 1974 auch wenig innenpolitische Fortüne für Peres, als er im Rennen um das Ministerpräsidentenamt erstmals seinen Hut in den Ring warf. Damals unterlag er seinem parteipolitischen Intimfeind Jitzhak Rabin. Als dieser den Machtverfall der Arbeitspartei und den Aufstieg der nationalistischen Rechten nicht bremsen konnte, unterlag Peres nach 1977 den Likud-Politikern Begin, Schamir und Netanjahu.
Peres Verdienste um das Wohl des Staates Israel unterscheiden sich von den Karrieren seiner politischen Konkurrenten um das Erbe Ben Gurions – von Mosche Dajan oder Jitzhak Rabin, die als Sabres, Söhne der zweiten und dritten Einwanderungswelle, in Eretz Israel geboren wurden, die als Pioniere, Kämpfer in Hagana, Palmach und Zahal die höchste Adelsstufe des modernen Judenstaates erklommen. Es hieße am Instinkt Ben Gurions zu zweifeln, wenn man die Meriten von Schimon Peres um die militärische Sicherheit Israels nicht zur Kenntnis nähme. Der Staatsgründer, erste Ministerpräsident und Verteidigungsminister holte den agilen Jungsozialistenchef als Generalsekretär ins Verteidigungsministerium, schickte ihn zum Waffenbeschaffen nach Washington, Paris und zu Franz-Josef Strauß nach Rott am Inn. Peres schuf die industriellen Grundlagen für Israels militärstrategische Überlegenheit und sein Abschreckungspotenzial gegenüber seinen Feinden: die Israel Aircraft Industry, die elektronische Hightech-Branche und den Nuklearkomplex von Dimona.
In der Nacht des 5. April 1990 schwärmte Peres beim vierten Versuch einer Wahl zum Ministerpräsidenten vor dem damaligen SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel: »Wenn ich morgen gewählt bin, fahre ich gleich nach Kairo zu Mubarak. Dann starten wir sofort wieder mit dem Friedensprozess.« Peres scheiterte, weil das sozial-religiöse Bündnis, das Ben Gurion geschaffen hatte, zerbrochen war. Nach den Siegen von 1967 und 1973, nach den militärischen Erfolgen mit den von Peres prokurierten Waffen, gerieten die religiösen Parteien in den Sog der messianischen Siedlerbewegung. Großisrael erschien ihnen wichtiger als das Friedensgebot der jüdischen Religion, an das Peres glaubt.

Der Autor war neun Jahre lang Nahost-
korrespondent der ARD in Tel Aviv.

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