EILMELDUNG! Friedensgespräche zwischen USA und Mullahs scheitern

Ruth Westheimer

Fragen Sie Dr. Ruth

von Michael Wuliger

So, wie man sich eine Sexberaterin vorstellt, sieht Ruth Westheimer nicht aus. Mit ihren blondierten Haaren, den klassischen Kleidern und der hellen Singsangstimme wirkt die 1,40 Meter große Frau eher wie jedermanns jüdische Lieblingsoma. Eben das ist wohl das Geheimnis ihres Erfolgs. Wenn »Dr. Ruth«, wie man sie in den USA nennt, über Sex redet, schwingt kein Jota von Verruchtheit mit. Selbst über Praktiken wie Analverkehr und Sadomasochismus spricht sie so normal, als ginge es um ein Rezept für Apfelstrudel. Kein Einziger ihrer Millionen Zuhörer und Zuschauer muss dabei rot werden.
Als »Kreuzung aus Minni Maus und Henry Kissinger« hat das Wall Street Journal Dr. Ruth einmal bezeichnet. Das bezog sich auf ihren unüberhörbaren deutschen Akzent. Amerikas populärste Sex-Expertin ist gebürtige Frankfurterin. In der Mainstadt wurde sie vor 80 Jahren, am 4. Juni 1928, als Tochter einer frommen jüdischen Familie geboren. Mit sieben Jahren, kurz vor Ausbruch des Krieges, schickten ihre Eltern sie mit einem Kindertransport in die Schweiz. Dort überlebte Karola Ruth Siegel die Schoa, in der ihre Angehörigen umkamen. Die junge Frau ging nach Palästina, kämpfte als Scharfschützin in der Hagana und wurde im Unabhängigkeitskrieg 1948 schwer verwundet. Nach ihrer Genesung studierte sie Psychologie in Paris, Soziologie an der Columbia University New York und arbeitete als Verhaltenstherapeutin an einer Klinik.
Zur Kultfigur wurde Ruth Westheimer 1980 mit einer Radiosendung. »Sexually Speaking« lief anfangs zur schlechtesten Sendezeit bei einem New Yorker Lokalsender. Als Reichweitenstudien zeigten, dass die Sendung trotzdem mehr Zuhörer hatte als die Primetime-Programme, war Ruth Westheimer bald vormittags zu hören, erst in New York, dann im ganzen Land. Es folgten eine eigene Fernsehsendung, Auftritte in den großen TV-Talkshows und Buch-Bestseller wie Sex for Dummies. Wie sehr Dr. Ruth zur kulturellen Ikone geworden ist, lässt sich auch daran ablesen, dass sie zu den meistparodierten Figuren in Comedysendungen zählt. Selbst in Hollywood hat sie Spuren hinterlassen. In dem Film »Frankie und Johnny« unterhalten Michelle Pfeiffer und Al Pacino sich über sie. In »One Woman or Two« tritt sie sogar in einer kleinen Rolle neben Gerard Dépardieu und Sigourney Weaver auf. Auch international ist Dr. Ruth ein Begriff: Im britischen Frühstücks-TV gab sie regelmäßig Sextipps. Im israelischen Fernsehen moderierte sie, selbstverständlich in fließendem Iwrit, ihre eigene Ratgebersendung. In Deutschland war sie mehrmals bei Reinhold Beckmann in der ARD zu Gast und schreibt in dieser Zeitung alle 14 Tage eine Kolumne.
Bei aller Offenheit für sämtliche noch so ausgefallenen Aspekte der Sexualität ist Ruth Westheimer keineswegs eine Fürsprecherin von Zügellosigkeit. Sexualität hat nach ihrem Verständnis ihren Platz nur in einer stabilen Zweierbezie- hung. Nur in deren Schutz, betont sie immer wieder, kann die körperliche Liebe ihr volles Potenzial entfalten. Da ist Ruth Westheimer ganz die Tochter aus religiösem jüdischem Haus geblieben. Ihr Credo hat sie einmal formuliert, als ein junger Mann sie fragte, was denn das beste Mittel sei, Frauen scharf zu machen: »Liebe«, lautete kurz und knapp die Antwort.

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026