NPD

Euer Feind, unser Feind

von Alex Feuerherdt

Auf den ersten Blick mag es erstaunen, dass nicht nur linke Gruppen zu Protesten gegen den G-8-Gipfel aufrufen, der Anfang Juni im Ostseebad Heiligendamm stattfindet, sondern auch Neonazis. Schien doch Globalisierungskritik bisher das Metier von Organisationen wie Attac, den Jusos oder Pax Christi zu sein. Doch längst beackern auch die Rechten dieses Terrain und machen den Linken das Copyright streitig. Letztere sehen daher Etikettenschwindler am Werk, doch bei näherem Hinsehen sind Gemeinsamkeiten nicht von der Hand zu weisen.
Wo sich etwa die Attac-Sommerakademie 2006 um die »kulturelle Identität indigener Gemeinschaften« sorgte, deren »eigenständige Wirtschafts- und Lebensfor- men« durch die Globalisierung bedroht seien, schreibt die NPD in einer Sonderveröffentlichung zum G-8-Gipfel, »intakte Völker« seien »natürliche Schutzräume und Solidarverbände«. Wo es im Aufruf zur »internationalen Großdemonstration« gegen den Gipfel heißt, die Politik der G8 stehe »für eine neoliberale Globalisierung und Deregulierung, die die Wirtschaftspolitik an den Rendite-Interessen internationaler Finanzanleger und Konzerne ausrichtet«, ist man bei der NPD der Ansicht, »die Globalisierer« verfolgten das Ziel »einer weltweiten Wirtschaftsordnung, die sich an den Profiten von Banken und Großkonzernen orientiert«. Wo die linken Aktivisten die G-8 für eine »Institution ohne Legitimation« und eine »selbsternannte informelle Weltregierung« halten, sprechen die Rechten von einem »bürgerfernen Politikerspektakel«.
Solche Übereinstimmungen sind Folge eines Verständnisses von Globalisierung, das komplexe politische und ökonomische Prozesse als Verschwörung allmächtiger Kapitalisten begreift. Die »gerechte Weltordnung«, die demgegenüber von Linken wie Rechten propagiert wird, impliziert dabei die Rückkehr zu einer vermeintlich ursprünglichen Gesellschaftsform: Die Welt soll wieder überschaubarer werden, bestimmt durch scheinbar naturwüchsige Gemeinschaften, die im Einklang mit der Natur leben und kein Profitstreben kennen.
Es ist daher kein Zufall, dass die Globalisierungskritiker beider Couleur sich darin einig sind, wer diesem Ansinnen vor allem im Weg steht: die USA und Israel. Beide Länder gelten als künstliche Gebilde, deren Reichtum nur durch Eroberungen, kriegerischen Raub und die Unterdrückung anderer Völker zustande gekommen sei. Zudem seien sie untrennbar miteinander verbunden, wovon sowohl die angebliche zionistische Lobby in den USA als auch die amerikanische Nahostpolitik zeuge.
Der antisemitische Gehalt dieser Globalisierungskritik liegt auf der Hand, denn es werden letztlich die bekannten Stereotypen bedient: das Schmarotzen, der Egoismus, das Wirken im Verborgenen, das Streben nach Weltherrschaft. Daher verwundert es nicht, dass sich die Hamas, die Hisbollah und das iranische Mullah-Regime größter Nachsicht, wenn nicht sogar Zuneigung rechter wie linker »No Globals« erfreuen.

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026