Archiv

Walter Homolka: Ethisch und moralisch am Ende

Philipp Peyman Engel Foto: Marco Limberg

Archiv

Walter Homolka: Ethisch und moralisch am Ende

Die Reaktion von Rabbiner Walter Homolka auf das Urteil des Landgerichts Berlin lässt einmal mehr tief blicken

von Philipp Peyman Engel  01.03.2023 23:44 Uhr

Fast hätte man Mitleid mit Walter Homolka haben können, wie er vergangene Woche vor dem Landgericht Berlin auftrat. Leicht zusammengesackt, introvertiert, beinahe verunsichert, nicht mehr weit entfernt von dem, was man gemeinhin einen »gebrochenen Mann« nennt.

Ganz anders indes präsentierte sich Homolka noch wenige Minuten vor dem Gerichtstermin beim Hineingehen in das Gerichtsgebäude. Selbstbewusst, laut wie eh und je, siegessicher. Walter Homolka ist ganz offensichtlich nicht nur jemand, der im Verdacht steht, jahrelang seine Macht missbraucht und in seinem Arbeitsumfeld ein Klima der Angst erzeugt zu haben, sondern auch ein guter Schauspieler.

UNTERSUCHUNG Im Zwischenbericht einer unabhängigen, groß angelegten Untersuchung wurden gegen den langjährigen Rektor des Abraham Geiger Kollegs in Potsdam zahlreiche ebenso gut wie plausibel dokumentierte Anschuldigungen erhoben. Der vorläufige Bericht der Kanzlei Gercke Wollschläger, in Auftrag gegeben vom Zentralrat der Juden, liest sich vernichtend. Die Gutachter zeichnen darin nach Befragung von mehr als 70 Personen ein Bild von Homolka, das einen schaudern lässt.

Doch von Einsicht keine Spur. Homolka lässt über seine Anwälte auf Anfrage dieser Zeitung mitteilen, die Definition des Machtmissbrauchs in besagtem Zwischenbericht sei willkürlich und widersprüchlich, überhaupt sei er nur vorläufig. Eine Stellungnahme zu Fragen dieser Zeitung, wie er zum Vorwurf des Machtmissbrauchs und des Erzeugens eines »Klimas der Angst« stehe, sei »nicht möglich«, da sie sich »oberflächlich im Abstrakten« hielten.

MACHTMISSBRAUCH Auf die Klage Homolkas gegen den Zwischenbericht bestätigte das Landgericht Berlin nun in seinem Urteil, dass unter anderem die Äußerungen zum Machtmissbrauch und der Schaffung eines Klimas der Angst zulässig sind. Homolkas Rechtsanwälte kündigen insoweit bereits Rechtsmittel gegen die Entscheidung an, obwohl sie noch gar nicht begründet ist. Lediglich Äußerungen, die den Vorwürfen eine straf- oder ordnungswidrigkeitsrechtliche Relevanz beimaßen, dürfen dem Gericht zufolge nicht mehr artikuliert werden.

Homolka wertet dies als großen Erfolg. Wie bezeichnend! Es zeigt einmal mehr, wie zwischenmenschliche Standards von Walter Homolka mit Füßen getreten werden. Denn über wen weiterhin mit Fug und Recht unter anderem gesagt werden darf, er stehe im Verdacht, systematisch seine Macht missbraucht zu haben, der wurde nicht von einem Gericht entlastet, sondern der ist am Ende – ethisch, moralisch und erst recht als Rabbiner.

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026