Jüdisches Museum Hohenems

Eine Villa voll Geschichten

von Bettina Spoerri

Mehrere Monate waren die Türen des Jüdischen Museums Hohenems geschlossen. Von den Veränderungen in der ehemaligen Privatvilla der jüdischen Familie Heimann‐Rosenthal berichtete auf der Website des Museums (www.jm-hohenems.at) von Zeit zu Zeit verwundert und neugierig die Museumshündin Georgia. Ab 29. April können sich nun auch wieder zweibeinige Besucher durch die Museumsräume bewegen und eine ganz neue Dauerausstellung entdecken, die lokale und internationale Geschichte miteinander verknüpft.
Das Jüdische Museum in dem kleinen Ort Hohenems im österreichischen Bundesland Vorarlberg beschritt bereits bei seiner Gründung 1991 einen eigenen Weg. Statt einer Schau von wertvollen Judaica und den damit verbundenen Bräuchen und religiösen Traditionen wurden konsequent die Bezüge zur neueren regionalen Geschichte aufgezeigt. Unter dem neuen Museumsdirektor Hanno Loewy vertieften Sonderausstellungen diesen Ansatz: zum Beispiel über die moderne Migrationsgeschichte in Hohenems und Umgebung oder jüdische Kindheiten in Österreich, Deutschland und der Schweiz nach 1945. Trotzdem drängte sich immer mehr eine Erneuerung der Dauerausstellung auf, die im Kontext der europäischen und internationalen Museumsarchitektur und -pädagogik allmählich einen verstaubten Eindruck machte. Die bisherige Präsentation orientierte sich an der historischen Vergangenheit, der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Hohenems seit dem frühen 17. Jahrhundert, als die örtliche Reichsgrafenfamilie die Ansiedlung von Juden ermöglichte, und endete mit der Deportation der letzten Jüdin des Ortes im Jahr 1942 in ein Konzentrationslager.
Die neue Dauerausstellung richtet ihren Fokus noch stärker auf das 20. und 21. Jahrhundert und konfrontiert den Besucher mit neuen Fragestellungen. Die Architekten Erich Steinmayr und Friedrich Mascher (Feldkirch und Wien), das Designbüro stecher id (Götzis) und Ausstellungskurator Hannes Sulzenbacher haben dafür eine neue Museumsarchitektur entworfen, die die 1864 erbaute Villa der jüdischen Fabrikantenfamilie mit seiner historischen Einrichtung deutlicher als Exponat präsentiert. Die neue Ausstellung setzt stärker auf Anschauung und Vermittlung. Für Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren gibt es besondere Bilder‐ und Hörstationen, in Leuchtkästen können sie illustrierte Geschichten lesen. Jugendlichen werden altersspezifische Rundgänge und Kurse geboten. Und für Erwachsene gibt es Audioguides in Deutsch, Englisch und Französisch, mit denen das Museum im Dreiländereck auch ein internationaleres Pu‐ blikum ansprechen will.
Neue Dokumente, Gegenstände, Hör‐ und Medienstationen ermöglichen einen direkten, sinnlichen Bezug zur jüngeren Geschichte des Ortes Hohenems und seiner Einwohner. Eine vielfältige Palette von Textarten – Briefe, Gerichtsprotokolle, Kartengrüße oder Zeitungsberichte – gibt Einblick in das Leben und die lokale politische Stimmung.

Zeitlich liegt der Schwerpunkt in den Jahren vor, während und nach dem Holocaust. Aber es gibt auch einzelne Dokumente aus früheren Jahrhunderten zu entdecken, zum Beispiel einen Liebesbrief in Jiddisch aus dem 17. Jahrhundert, die erste Turm‐Urkunde der Hohenemser Synagoge von 1867 – oder die letzte aus dem Jahr 1918, die deutlich die Folgen des Ersten Weltkriegs dokumentiert: »Momentan stehen wir ohne Rabbiner und machen im Namen Gottes weiter, bis der ersehnte Frieden einkehrt.«

In dem Schreiben wird auch das drastische Schrumpfen der jüdischen Gemeinde beklagt. Die Schweizerin Nanette Landauer wiederum berichtet in ihren Lebenserinnerungen von 1933, wie sie 1889 eigentlich nach Amerika auswandern wollte, sich aber als Wirtin in der Gastwirtschaft »Zur frohen Aussicht« in Hohenems wiederfand. Und Harry Weil, der letzte Kantor und Synagogendiener der jüdischen Gemeinde Hohenems, erzählt von seiner Flucht 1938 aus Hohenems. Als er nach der Schoa einen Rückstellungsantrag auf seine Wohnung im Rabbinatshaus stellt, antwortet ihm die Marktgemeinde Hohenems in schnödem Ton, sie sehe sich ihm gegenüber zu keinerlei Entschädigung verpflichtet.
Auch weitere Augenzeugen, andere ehemalige jüdische Hohenemser, berichten in den neu präsentierten Dokumenten von ihren persönlichen Erlebnissen auf der Flucht vor den Nazis und ihren bereitwilligen Helfern – wie etwa der damalige Bürgermeister des Ortes Josef Wolfgang. Hohenems, nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, wurde in den Jahren ab 1938 zu einer wichtigen Zwischenstation für Juden, die die Flucht über
den Rhein versuchten.

Andere Quellen dokumentieren die Verbindungen von jüdischen Überlebenden nach Hohenems. Sie und ihre Nachfahren leben heute in Europa, teilweise sogar in der Nähe von Hohenems, aber auch in Israel und den Vereinigten Staaten.
Dass die Kontakte zu den weit verstreuten ehemaligen Mitgliedern der kleinen jüdischen Gemeinde und zur zweiten und dritten Generation heute so aktiv sind, ist das Resultat einer jahrelangen, verdienstvollen Recherche‐ und Kommunikationsarbeit des Museums. Am Wochenende werden einige der Nachfahren anreisen, um die Eröffnung der neuen Dauerausstellung mitzuerleben.

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