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Kulturtage

»Eine Kontaktbörse«

Herr Rubinstein, am 4. März beginnen die Jüdischen Kulturtage im Rheinland. Was überwiegt im Moment bei Ihnen, Anspannung oder Freude?
rubinstein: Im Moment noch die Anspannung. Das Schauspielhaus, in dem wir die Eröffnung feiern werden, ist schon mit 200 Personen überbucht. Wir haben 1.100 Zusagen erhalten. Esra Cohn, der Landesverbandsvorsitzende, meint, wir hätten besser die LTU-Halle angemietet als das Schauspielhaus.

Wen möchten Sie mit den Kulturtagen ansprechen?
rubinstein: Wir möchten einerseits die Mehrheitsgesellschaft mit jüdischen Sitten und Bräuchen aber auch mit jüdischer Kultur ansprechen. Andererseits möchten wir die große Zahl der Gemeindemitglieder, die zum Teil abseits steht, durch die Angebote der Kulturtage für die Gemeinden gewinnen und das Interesse an ihren Gemeinden wecken. Vor allem möchten wir aber auch Kunstschaffende ansprechen. Die Kulturtage sollen für unsere Künstler, aber natürlich auch für die zugewanderten jüdischen oder werdenden Künst- ler aus der ehemaligen Sowjetunion zu einer Kontaktbörse werden. Wir möchten, dass die, die heute von Sozialhilfe oder Hartz IV leben, eine feste Anstellung bekommen.

Treten denn jetzt auch schon Künstler aus den eigenen Reihen auf?
rubinstein: Mehrere Hundert sogar. Allein das Orchester des Landesverbandes hat 13 Mitglieder. Hinzu kommen Künstler, die bereits arriviert sind, die schon eigene Theaterprogramme gestalten oder als Solisten auftreten. Hinzu kommen die vielen Sänger und Sängerinnen der Gemeindechöre.

Was möchten sie mit den Kulturtagen erreichen?
rubinstein: Wir wollen vor allem auch junge Leute erreichen, weil wir wissen, dass bei ihnen Auschwitz schon zur Geschichte gehört. Sie haben sehr wenig Bezug zum heutigen Judentum, sie wissen kaum, dass es hier in Deutschland und vor allem auch im Rheinland Juden gibt. Außerdem sollen sie in die Lage versetzt werden, die Geschehnisse im Nahen Osten nicht mit dem Judentum hier in Deutschland zu verwechseln. Auch die eigene Jugend sprechen wir an. Viele Jugendliche aus der ehemaligen Sowjetunion haben überhaupt keinen Kontakt zur jüdischen Gemeinde, obwohl sie Mitglieder sind. Sie haben manchmal genauso wenig Bezug zum Judentum wie manche nichtjüdische Jugendliche.

Ist dies ein Grund, warum Sie als Landesverband erstmals die Organisation der Kulturtage übernommen haben?
rubinstein: Vor allem möchten wir mehr Einfluss auf die Inhalte der jüdischen Kulturtage nehmen. Wir sind heute in der glücklichen Lage, dass wir mehr jüdische Menschen im Team haben, die auch Ahnung vom Judentum haben, so dass wir uns als Juden wesentlich besser präsentieren können als 2002.

Was machen Sie anders?
rubinstein: Die Kulturtage haben wir unter das Motto gestellt »Neue Töne – Jüdisches (er)leben«. Die neuen Töne beziehen sich auf die musikalischen Veranstaltungspunkte aber auch auf das gesamte Programm. Mit unserem neu gegründeten Orchester Shir Sameach unter seinem Dirigenten Alexandr Lewin zeigen wir, dass das Judentum ein wesentlich weiteres musikalisches Spektrum aufzuweisen hat als Lewandowski und Klesmer.

Was bedeuten die Kulturtage für die jüdische Gemeinschaft in Nordrhein?
rubinstein: Sie bieten ganz klar eine Brücke für den Dialog zwischen jüdischen und nicht jüdischen Menschen in unserer Region. Es ist aber auch die Aussage: Wir sitzen hier nicht mehr auf gepackten Koffern, wir jüdischen Menschen haben hier eine neue Heimat gefunden. Und obwohl wir Juden in Deutschland eine sehr kleine Gruppe sind, sind wir eine sehr lebendige, die in der Mehrheitsgesellschaft ihren Platz beansprucht.

Sie haben mit den dritten Kulturtagen sehr lange gewartet, warum?
rubinstein: 1998 war ein erster Versuch, 2002 wollten wir sie im größeren Stil aufziehen. Dass wir jetzt fünf Jahre gewartet haben, hatte technische Gründe und die Angst, ob wir das finanziell und personell packen. Bei unserem Pressegespräch am 6. Februar hat der Kulturstaatssekretär des Landes NRW, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, eindeutig gesagt, dass fünf Jahre zu lange sind. Wir werten das als zukunftsweisende Aussage. Vielleicht schaffen wir es dann, wenn alle drei Landesverbände mitziehen, Kulturtage nicht nur im Rheinland, sondern im ganzen Land zu veranstalten.

Mit dem Geschäftsführer des Landesverbands Nordrhein sprach Heide Sobotka.

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