Saul-Eisenberg-Seniorenheim

Ein warmes Lächeln

von Marina Maisel

Für die 87‐jährige Johanna G. ist heute ein besonderer Tag. Seit vielen Jahren verlässt sie wegen ihrer schweren Krankheit das Zimmer nicht mehr. Doch heute, sehr zur Freude aller Mitarbeiter des Saul‐Eisenberg‐Seniorenheimes, kann die Bewohnerin den sonnigen Sommertag zusammen mit allen anderen draußen genießen.
Der grüne, blühende Innenhof des Seniorenheimes in Schwabing füllt sich allmählich mit allen Bewohnern, ihren Verwandten und den Mitarbeitern. Sie finden für sich und ihre Gäste Platz an einem der Tische, die rings um den Innenhof herum aufgestellt sind. Die Musiker Eduard Klovsky am Klavier und Leonid Peysakh, Saxofon, schaffen mit jiddischen Melodien und israelischen Liedern eine gute Atmosphäre.
Dann ist es Zeit, die Köstlichkeiten zu probieren, die zu diesem besonderen Anlass vorbereitet wurden. Gegrillte Hähnchenschenkel, Hacksteaks und Bratwürstchen mit israelischem Salat und viele andere Spezialitäten werden im Hof serviert. Herta M., heute Bewohnerin des Seniorenheims und früher selbst Köchin, findet nur Lob für die Speisen: „Das Essen ist hier immer wunderbar. Mir gefällt es hier. Ich kann mich nicht beklagen, nur alles bewundern.“
Ryva Z. ist 85 und seit fünf Monaten hier. Vorher war sie einige Zeit in einem anderen Seniorenheim. Inzwischen hat sie sich sehr gut eingelebt und freut sich, wie gut es ist, „sich im eigenen Milieu zu fühlen“. Was sie damit meint, erklärt ihre Tochter Raisa. Für viele Seniorenheimbewohner, egal ob Deutsch, Polnisch oder Russisch ihre Muttersprache ist, ist die Sprache ihrer Kindheit und Jugend Jiddisch. Und die haben sie nie vergessen. Darum können sie sich heute gegenseitig gut verstehen, wenn sie Jiddisch sprechen.
Die sprachliche Grundlage ist fast so verbindend wie die Musik, die im Seniorenheim ebenfalls eine große Rolle spielt. Ryva Z. freut sich immer auf die „Opern‐Sonntage“, wenn im Foyer eine DVD mit einer Oper gezeigt wird. Als Nächstes, verrät die alte Dame, wird die Oper Eugen Onegin zu sehen sein. Über Kunst‐ und Musiktherapie, Bewegungsspiele und Gedächtnistraining erzählen Mutter und Tochter immer wieder. Sie sind sehr froh darüber, „dass die russischsprachigen Bewohner alle Angebote des Seniorenheimes in ihrer Muttersprache erleben können.“
Seit einem Jahr besucht Erika B. ehrenamtlich jede Woche eine der ältesten Bewohnerinnen des Seniorenheimes, Irma Putziger, die vor Kurzem ihren 101. Geburtstag feierte. „Es macht mir einfach Spaß“, erzählt sie, „mit einer Frau die Zeit zu verbringen mit so einem starkem Geist.“ Heute verbringen sie zusammen das Sommerfest und unterhalten sich angeregt.
Die Musiker spielen inzwischen einen „Rheinländer Walzer“, den sich Herta M. gewünscht hat. In der Mitte des Hofes plätschert der Brunnen. Überwältigt von so viel Glück und Wärme hält Johanna G. die Hand von Jennifer Krusche, der Leiterin des Hauses, und lächelt beseelt. Es sind solche glücklichen Gesichter, die Jennifer Krusche und ihr Team belohnen. Genau das ist ein schönes Ergebnis für alle, die sich Tag und Nacht um die ältesten Gemeindemitglieder aufopfernd kümmern. Und so ein Lächeln macht das sonnige Sommerfest im Saul‐ Einsenberg‐Seniorenheim noch wärmer.

Fußball

»Wusste nicht, was Nazi-Gruß ist«

Torwart des Premiere-League-Clubs Crystal Palace entgeht mit einer sehr besonderen Begründung einer Strafe

 16.04.2019

Ferdinand von Schirach

Die zweite Schuld

Der Autor stellt Studie über Raubkunst in seiner Familie vor – und fordert Nazi-Nachkommen zu Transparenz auf

 12.04.2019

USA

Polizeihund darf nicht »Rommel« heißen

Mit den Worten »Willkommen an Bord, Rommel!« hatte das Sheriff-Büro den Neuzugang stolz vorgestellt

 08.04.2019