WIZO-Gala

Ein Sommernachtstraum

von Johannes Boie

Am vergangenen Sonntag lud die WIZO
(Women’s International Zionist Organisation) zu ihrer diesjährigen Sommernacht in Berlin. Unter dem Motto „One Night for Children“ sollte die zahlungskräftige Klientel in gediegener Atmosphäre für Kinder in Israel spenden. Die WIZO betreut in Israel über 14.000 Kinder in 170 Tageszentren und Kindergärten. Darüber hinaus finanziert sie Therapiezentren, Schulen, Jugendclubs und Frauenhäuser. Für den guten Zweck sammelt man regelmäßig in der ganzen Welt.
Für die Berliner Spenden‐Gala hatten die Organisatoren rund um WIZO‐Chefin Michal Gelerman das ehemalige Um‐
spannwerk in Kreuzberg gemietet: eine mondäne Location mit hohen Decken, großzügigem Platzangebot und minimalis‐ tischem Industrieflair. Die WIZO‐Galas haben sich über die Jahre einen legendären Ruf erarbeitet, und auch dieses Jahr las sich die Gästeliste wie ein Who’s Who der jüdischen Gemeinden in Deutschland. „Seit ich in Deutschland bin, komme ich zu jeder WIZO‐Party“, verriet zum Beispiel der Gesandte der israelischen Botschaft, Ilan Mor.
Zum ersten Mal bei einer WIZO‐Spendengala war die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge‐Reyer. Die Politikerin sollte eigentlich nur den Regie‐
renden Bürgermeister Klaus Wowereit entschuldigen und Grüße überbringen. „Aber in Zukunft möchte ich hier Stammgast werden.“ Ihre Begeisterung war gerechtfertigt. Und das, obwohl der Abend mit einem kleinen Ärgernis begann: Bä‐
ckertochter Alexandra Kamp, die eigentlich als Moderatorin geladen war, lies sich von Hamburg aus wegen einer Fischvergiftung entschuldigen. WIZO‐Chefin Mi‐
chal Gelerman machte aus der Not eine Tugend und griff selber zum Mikrofon. Sie führte so souverän durch den Abend, dass sich mancher Gast wünschte, Gelerman immer als Moderatorin zu haben. Wie viele schöne Frauen war sie diesen Abend in Mode von Veronika Pohle gekleidet. Die Ku’-Damm-Boutique des Gemeindemitgliedes ist endgültig zur ersten Wahl der Schönen und Reichen geworden. „Es gibt einfach nichts Schöneres“, verriet Lena Vigodski, deren Freundin Beate Otto ebenfalls in Mode von Pohle gekleidet war.
Wer die Feiergemeinde genau beobachtete, kam nicht umhin, den Text auf der Champagnerkarte (Gosset brut excellence) für das eigentliche Motto des Abends zu halten: „Selten kann man Genuss mit einer guten Tat auf so angenehme Weise verbinden.“ Nach dem Apéritif im lounge‐artigen Untergeschoss des ehemaligen Umspannwerkes, verlegte man sich aufs schön geschmückte Obergeschoss zum Essen. Alex Schnaider und Band spielten angenehm im Hintergrund, während die Gäste schlemmten.
Wassermelonensalat mit Schafskäse, Medaillon von schottischem Lachs, Cous‐Cous auf Korinthen. Als Hauptgänge gab es am Buffet Zanderfilet im asiatischen Stil, Butterfischfilet, mediterrane Pasta mit getrockneten Kirschtomaten oder Gemüseauflauf mit Auberginen. Crème Brûlee, Zartbitterschokolade‐Mousse und eine exklusive Auswahl frischer Früchte schlossen den vollen Magen. Unnötig zu sagen, dass dazu Champagner und Wodka ge‐trunken wurde.
Zur Versteigerung standen zwei Tickets für die Bambi‐Veranstaltung „Tribute to Bambi“. Die Tickets sind normalerweise für A‐Promis und Medien‐VIPs reserviert und können daher nicht käuflich erworben werden. Zur Verfügung gestellt wurden sie von Patricia Riekel persönlich, der bekannten Hamburger Chefredakteurin. Bereits bevor das öffentliche Wettbieten gestartet wurde, waren über die auf den Tischen bereitliegenden Spendenzettel schon 212 Patenschaften à 500 Euro zusammengekommen. „250 Patenschaften sind heute Abend unser Wunschziel“, verkündete Gelerman, ehe sie dem Publikum kräftig einheizte. Über ihre Vorstellung hinaus wurde schon nach 30 Minuten geboten. In 500‐Euro‐Schritten überboten sich die Gäste gegenseitig im amerikanischen Stil. Das amerikanische Verfahren sieht vor, dass jedes Handzeichen bezahlt werden muss – unabhängig davon, ob man den Zuschlag bekommt. Nach 40 Minuten kristallisierte sich eine Bieterschlacht zwischen den Geschäftsleuten Sruel Prajs, Peter Kories und Lothar Schwarzer heraus. Zusammen boten die drei über 70 Mal – also über 35.000 Euro –, ehe Prajs unter dem Applaus seiner Tischnachbarn nach insgesamt 186 Geboten die Karten in Empfang nehmen konnte.
Im Anschluss hatte auch das WIZO‐Team allen Grund, entspannt zur Musik von Gemeindemitglied Ramona Abaew zu tanzen. Insgesamt 202.000 Euro (404 Patenschaften à 500 Euro) waren an diesem Abend versteigert worden! „Das ist eines unserer besten Ergebnisse“, freute sich Gelerman.
Nachdem Alex Schnaiders Band das Mikrofon wieder übernommen hatte, tanzten die Gäste gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden. Auch Ramona Abaew sah man später mit ihrem Freund Adi Irányi auf der Tanzfläche zu groovigen Elektro‐Klassiker tanzen. Sein Fazit: „Super Party – aber meine Freundin gefällt mir hier am besten!“
Einzig Michal Gelerman wurde doch nicht restlos glücklich. Ihr Problem: „Wie sollen wir diesen Erfolg nächstes Jahr toppen?“ Dass sie es schaffen wird, steht außer Frage. Man darf trotzdem gespannt sein.

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