israelisches Werben

»Ein kompliziertes Verhältnis«

Herr Greenstein, am Sonntag veranstaltet die Jewish Agency in München eine Israel-Messe. Worum geht es dabei?
greenstein: Wir wollen über Israel informieren und das Land mit allen seinen Facetten darstellen. Wir haben verschiedene Stände mit Informationen über Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, Finanzen, Tourismus und viele andere Themen. Bei den Besuchern soll Interesse geweckt werden, Israel näher kennenzulernen – vielleicht auch als zukünftige Heimat.

Die Agency versteht sich als Brücke zwischen den jüdischen Gemeinden und Israel. Ist das auch die Aufgabe der Messe?
greenstein: Ja. Unsere Aufgabe ist es, einerseits die jüdische Identität der Menschen hier zu stärken. Auf der anderen Seite versuchen wir, sie nach Israel zu bringen, ihnen die Perspektiven dort aufzuzeigen. Dabei soll die Messe helfen.

Sie sind seit einem Jahr in Deutschland tätig. Wie läuft Ihre Arbeit?
greenstein: Die Jewish Agency hat hier eine ganz besondere Aufgabe. Denn in den vergangenen Jahren sind mehr russischsprachige Juden nach Deutschland als nach Israel gegangen.

Das macht Sie nicht glücklich, oder?
greenstein: Natürlich nicht, schließlich bin ich als Repräsentant des Staates Israel tätig. Aber ich glaube, wenn man erst einmal die Verbindung der hiesigen Juden mit Israel stärkt, führt das zukünftig auch zu mehr Alija. Natürlich sind die Hilfen, die den Neuzuwanderern hier gewährt werden, besser als in Israel. Aber das Beit HaLeumi, also ihre nationale Heimat, ist Israel.

Gibt es da nicht ein natürliches Konkurrenzverhältnis zwischen Ihnen und den Gemeinden?
greenstein: Ja, das ist ein etwas kompliziertes Verhältnis. Man darf hier kaum über Alija sprechen. Von einigen Gemeinden bekomme ich auch wenig Unterstützung. Denn dadurch, daß ich Juden zur Auswanderung nach Israel bewegen will, nehme ich ihnen ja Mitglieder weg.

Wie erfolgreich sind Sie dabei?
greenstein: In diesem Jahr haben bereits 98 Menschen Alija gemacht. 2005 waren es weniger. Das heißt, daß wir trotz des Libanon-Krieges einen Anstieg der Zahlen beobachten, etwa um 10 Prozent.
Sie wenden sich mit Ihren Angeboten vor allem an russischsprachige Juden. Ist es einfacher, sie für Israel zu begeistern als andere?
greenstein: Diejenigen, die aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion hierher gekommen sind, haben sich für Deutschland entschieden und nicht für Israel. Und es ist sicherlich sehr schwierig, von einem Land ins andere zu gehen und dann noch einmal alle Sachen zu packen, um Alija zu machen. Aber wir versuchen eine Menge, um deutlich zu machen, was Israel zu bieten hat, zum Beispiel im Bereich Arbeit und Erziehung.

Das sind eher wirtschaftliche Argumente. Muß man nicht das Herz der Menschen erreichen?
greenstein: Genau deswegen investiere ich sehr viel Geld und Zeit in Unterricht und Seminare. Es geht eben darum, die jüdische Identität zu stärken. Denn wenn russischsprachige Juden keine jüdische Identität verspüren, können sie auch nicht in Israel leben. Der Zugang muß von innen kommen, vom Herzen. Dennoch ist den Menschen vor allem Arbeit und Erziehung wichtig. Und auch dafür haben wir konkrete Programme.

Zum Beispiel?
greenstein: Das Programm »Naaleh«, durch das derzeit 15 Jugendliche aus Deutschland an Oberschulen in Israel lernen. In einem anderen Programm, »Magen David Adom«, gehen junge Volontäre für einen Monat nach Israel, um dort im medizinischen Bereich zu helfen. Auch einige junge Ärzte sind aus Deutschland schon nach Israel gegangen. Zudem habe ich das Programm »Sasim« initiiert. In dessen Rahmen haben schon rund 100 Menschen einen einwöchigen Besuch in Israel gemacht. Und sie kommen zurück, mit dem Wunsch, mit Israel in Verbindung zu bleiben.

Ein anderes Angebot von Ihnen ist das Global Center. Was verbirgt sich dahinter?
greenstein: Eine telefonische Informationsbörse, erreichbar über die kostenlose Nummer 0800/181 92 71. Über diese Hotline können Interessierte direkt einen Ansprechpart-
ner der Jewish Agency in Jerusalem erreichen. Und die beantworten dann in Deutsch, Russisch oder Hebräisch alle Fragen.

Mit dem Repräsentanten der Jewish Agency in Deutschland sprachen Christian Böhme und Detlef David Kauschke.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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