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Die Spielwütigen

Vor vier Jahren starteten die ersten Theatertage noch im Jugendzentrum in der Prinzregentenstraße. Damals hatte die kürzlich gegründete Jugendtheatergruppe mit gerade mal drei Stammschauspielern zwar noch keinen Namen, aber bereits ein respektables Repertoire, wie Der verrückte Alltag von Ephraim Kischon. Dieser fulminante Anfang blieb kein Strohfeuer, sondern motivierte die Gruppe um Leiterin Anastasija Komerloh dazu, weiterzumachen. Bei den diesjährigen Theatertagen konnte die 30-köpfige Truppe Lo-Minor ihr Können mit Schauspielern aus drei verschiedenen Ausbildungsstufen präsentieren: der Unter- und Mittelstufe bis hin zur Bühnenarbeit der Haupttruppe. Hinzu kamen die Premiere der Lo-Minor-Junior-Gruppe, Auftritte von auswärtigen Gästen. Und auch das Publikum wurde ins Spiel einbezogen.

Zeitreise Die Theatertage wurden mit dem Konzertprogramm Theater ... Theater? Theater!!! eröffnet. Darin begab sich Lo-Minor auf eine Zeitreise in die Anfänge des Theaters: Von Tanzspielen der frühen Steinzeit über den Barock und die Moderne bis hin zum Blick in die Zukunft. Meisterhaft nutzten die Lo-Minor-Schauspieler diese Entdeckungstour, um verschiedene Genres vorzuführen: Sketch, Pantomime, Tanz oder Stomp. Das Publikum war auch gefragt, als es darum ging herauszufinden, wie man ein Drehbuch schreibt, wie man Rollen verteilt und wie man Regie führt. »Theater ist immer auf der Suche nach neuen Talenten und nach neuen Formen«, erklärte Anastasija Komerloh, die durch das Programm führte. Höhepunkt des theatralischen Reigens war die Nummer, die man als Stomp bezeichnet: eine rhythmische Show, eine Mischung aus Tanz, Performance, Musik und Worten, die zeitgleich auf drei kleinen Bühnen gezeigt wurde. Stürmischen Applaus ernteten die Künstler für diese Darbietung. Mit dem Lied Harbe Panim, das alle Lo-Minor-Schauspieler auf Hebräisch sangen, endete das Konzert. Anastasija Komerloh ließ mit ein paar letzten Tönen auf dem Saxofon den Abend ausklingen und lud alle ein, am nächsten Tag wieder zukommen und das Theaterleben weiter zu genießen

lampenfieber Schauspielkunst und Regieführung für Anfänger mit Anastasija Komerloh, Masken- und Puppenwerkstatt mit Svetlana Durkova und Szenischer Tanz mit Stanislav Kuharkov – so hießen die Workshops, die am zweiten Tag ihre Türen für die jungen Theaterliebhaber geöffnet hatten. Die neunjährige Alice ist mit Leidenschaft dabei. Seit neun Monaten spielt sie in der Lo-Minor-Junior-Gruppe. Ihre Premiere hat sie schon hinter sich – eine Biene im Stück Fliege. »Es interessiert mich einfach, was wir alles machen können«, erklärte Alice in der Pause, »Ich habe heute in einem Workshop jüdische Tänze gelernt und in einem anderen, wie man im Theater Regie führt.«

Puppenspiel Später warteten Groß und Klein im Robert-Wagner-Saal ungeduldig auf eine Premiere. Das Oldenburger Figurentheater Lappanoptikum war in die bayrische Hauptstadt gekommen, um das Puppenspiel Fürstin Koschka lädt heut ein nach dem Stück Katzenhaus von Samuil Marschak aufzuführen. Die Künstler Marina Kuschnir, Evgeniya Grosh, Gennady Beguchy, Yakub Zair-Bek und Lev Mirkin hatten vor vier Jahren im Rahmen des Integrationsprojektes Los mit Puppentheater angefangen. Heute sind sie ein gut eingespieltes Team mit mehreren Stücken im Repertoire.
Der dritte Theatertag wurde zu einem Ereignis, bei dem jeder mitspielen durfte. Der bulgarische Pantomime Gentello Todorov verzauberte mit seinen Gesten. So wurden auch die vierten Theatertage ein voller Erfolg. Die Lo-Minor-Junior-Schauspieler freuten sich mit Anastasija Komerloh über ihre Premiere. »Es war ein guter Start ins Bühnenleben.«

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