»Sabbaba

Die Partymacher

von Alice Lanzke

Auf dem dunklen Parkettboden stehen weiße, moderne Schalensitze. Die Polster der niedrigen Sessel sind ebenso wie die Tische mit schwarzem, lederartigem Stoff bespannt. Kronleuchter werfen ein weiches Licht auf den riesigen Raum, an dessen Längsseite sich eine geschwungene Bar windet. Noch spiegeln sich in den Bataillonen von Cocktailgläsern nur zwei Barkeeper. Doch wenn es nach dem Willen von Vernen Liebermann und Daniel Stern geht, werden schon bald hunderte feierwütiger Gäste am Tresen der »Ultra Lounge« im Stilwerk stehen und Drinks ordern.
Die beiden jungen Männer organisieren unter dem Namen »Sababba« mit viel Enthusiasmus die erste israelische Party-reihe Berlins, am 5. April findet hier die Premiere statt. »In Deutschland kommen Juden und Nichtjuden hauptsächlich zu-
sammen, wenn es um Gedenktage, Podiumsdiskussionen und ähnliches geht«, er-
klärt Liebermann. Zum gemeinsamen Vergnügen tritt man sich dagegen nicht. Der 25-Jährige betont: »Wir sind uns der Ge-
schichte bewusst, aber wir leben im Jetzt.«
Stern und Liebermann haben Erfahrungen als Partymacher: Stern organisierte mit 18 die Abiturfeier seiner Schule und kam so auf den Geschmack. Seit drei Jahren stellt der 22-Jährige unter anderem nun die erfolgreiche »Sternennacht«-Reihe auf die Beine. Liebermann betreibt neben seinem Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam die Partyagentur »Vitamin D«.
Die Zusammenarbeit der beiden ist er-
probt: Bereits zwei »Weihnukka«-Bälle ha-
ben sie veranstaltet, eine Mischung aus Weihnachten und Chanukka, bei der Ju-
den und Christen fröhlich zusammen feierten. »Wir hatten beide Male hunderte Besucher, die vor allem von der Musik be-
geistert waren«, erinnert sich Liebermann. »Und es gibt ja schon Veranstaltungen für verschiedene Volksgruppen, zum Beispiel griechische oder polnische Abende«, er-
gänzt Stern. »Immer wieder fragten uns Israelis, wann wir endlich auch etwas für sie machen.« Die Idee für die »Sababba«-Reihe war geboren.
Dass die beiden Profis sind, merkt man den gründlichen Vorbereitungen an: Flyer werden gestaltet, T-Shirts bedruckt, bald wird ein eigener Internetauftritt online gehen. Dazu werden eigens für die Premiere drei Cocktails kreiert. Und auch von ih-
rem Publikum hat das Duo genaue Vorstellungen. »Das ist keine Party im Jugendzentrum«, betont Liebermann. »Wir wollen einen Raum schaffen, in dem Socialisation und Networking möglich sind. Wo zum Beispiel der BWL-Student auf potenzielle Arbeitgeber trifft.« Die beiden sind sich sicher, dass dafür in Berlin Bedarf besteht: Schließlich leben zusätzlich zu den 10.000 Gemeindemitgliedern 4.000 Israelis in der Stadt. Und denen soll auch ein Stück Heimatkultur geboten werden – mit Live-Trommlern, einem »Funky-Falafel«-Buffet und Wassermelonen für die Premiere. »Wir wollen Israel auf 500 Quadratmeter bringen«, drückt es Stern aus, nach der Auftaktveranstaltung solle es im Sechs- bis Acht-Wochenrhythmus weitergehen.
Musikalisch werden die Feiern überwiegend von israelischen Chart-Hits be-
stimmt werden – Klänge, die auch bei Nichtjuden ankämen, wie Liebermann und Stern durch die »Weihnukka«-Bälle wissen. Ebenso anziehend sei die jüdische Art zu feiern. »Lockerer, ausgefallener und ausgelassener«, fasst Liebermann zusammen. Kein Wunder also, dass der Untertitel der »Sababba«-Reihe selbstbewusst »Party the Jewish Way« lautet. »Ich will mich nicht mehr verstecken«, unterstreicht Liebermann.
Dazu passt auch der Umgang mit dem Thema Sicherheit: Lange hätten beide darüber diskutiert, doch sie wollten nicht zu viel über Angst sprechen. »Natürlich wollen wir unseren Gästen Sicherheit bieten, aber das bedeutet keine Metalldetektoren am Eingang«, sagt Liebermann. »Es soll eine Party und kein Hochsicherheitstrakt werden.« Dennoch wollen sich die zwei in dieser Frage noch an die Israelische Botschaft und die Jüdische Gemeinde wenden, außerdem werde mit einem Sicherheitsdienst zusammengearbeitet.
Nun aber wollen die beiden »Sababba« erst einmal bekannt machen. Dabei hilft ihnen, dass sie in der jüdischen Gemeinschaft stark verwurzelt sind. »Wir haben ein großes Netzwerk und auch mit allen möglichen Gruppen gesprochen, um die Veranstaltung anzukündigen«, sagt Liebermann. Von allen Seiten hätten sie Unterstützung bekommen, ganz im Sinne des Wortes »Sababba«, das »hervorragend« oder eben »cool« bedeute. Für die Premiere verspricht Stern einen Abend, den es so noch nicht gegeben habe, »Sababba eben.«

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