Heine-Denkmäler

Die Loreley steht in der Bronx

von Rudij Bergmann

An einem Samstag im August 1997, vier Monate vor Heinrich Heines 200. Geburtstag, versammelten sich in der Bronx Heine‐Liebhaber aus New York und Düsseldorf an einer Statue der Loreley, die hun‐ dert Jahre zuvor der Bildhauer Ernst Herter geschaffen hatte. Die Statue hatte eigentlich zu Heines 100. Geburtstag in des Dichters Heimatstadt Düsseldorf stehen sollen. Das hatte 1888 der Stadtrat in Aussicht gestellt, ehe er dann vor Attacken deutschnationaler, antisemitischer Heine‐Hasser zurückwich. So gelangte Herters Loreley in die Bronx, wo sich damals viele jüdische und nichtjüdische Deutsche angesiedelt hatten.
Nicht nur in New York entstanden damals Monumente zu Ehren des Dichters, den seine Heimatstadt nicht ehren wollte. In den Urwäldern des Kongo errichtete der Düsseldorfer Rudolf Visser mit Hilfe von „Wilden und Kannibalen“ 1893 sein Heine‐Denkmal, eine überdachte Stele mit einer Marmortafel, auf die Visser schrieb: „Den Wohlklang Deiner schönen Lieder/Gab hier des Urwalds Echo wider. /Hier hat der Stadtrat keine Macht.“
Auch Österreichs Kaiserin Elisabeth II. schuf, angewidert vom rheinischen Gezerre, Fakten. Heine war der Lieblingsdichter dieser exzentrischen und hochintelligenten Frau. Daß sie gerade einem jüdisch geborenen Poeten, einem Franzosenfreund und Freigeist ein Denkmal setzte, war für Elisabeth ein Akt der Befreiung. Der Heine der Kaiserin, vom dänischen Bildhauer Louis Hasselrijs 1891 lebensgroß geschaffen, zeigt den Dichter als Lazarus, der an der Welt ebenso leidet wie die später zur Film‐Sissi verharmloste Kaiserin. Die Statue wurde auf der griechischen Insel Korfu aufgestellt, wohin sich Elisabeth gerne zurückzog. Nach ihrem Tod durch ein Attentat im September 1898 ging ihr Besitz auf Korfu in das Eigentum des deutschen Kaisers Wilhelm II. über. Für das Heine‐Denkmal begann nun eine lange Reise. 1909 kaufte sie ein Nachfahre des Verlegers Campe für ein Geschäftshaus in Hamburg. 1925 fand das Denkmal Schutz vor antisemitischem Vandalismus im sozialdemokratischen Altona. Aus Nazi‐Deutschland brachten es in Frankreich lebende Campe‐Verwandte in Sicherheit. Seit 1956 steht der Lazarus‐Heine in einem Park im zeitweise von der rechtsradikalen Front National regierten Toulon an der Atlantikküste.
Inzwischen hatte Düsseldorf seinen größten Sohn erstmals öffentlich geehrt. Nicht durch ein imposantes Denkmal, sondern mit einer dezenten Plakette, die 1906 am Geburtshaus des Dichters angebracht wurde. 1940, zu Hitlers Geburtstag, kam der Befehl, die Plakette für Rüstungszwecke einzuschmelzen.
Acht Jahre zuvor, 1932, hatte die Stadt einen Wettbewerb für ein richtiges Heine‐Denkmal ausgeschrieben und eines der bizarrsten Kapitel in der Geschichte der Heinedenkmäler geschrieben. Den zweiten Preis gewann damals Arno Breker für einen an Rodin geschulten Entwurf. Wenige Monate später waren die Nazis an der Macht. Breker wurde zu ihrem Hofbildhauer und schuf monumentale „deutsche Helden“. Nach Kriegsende holte er seinen Heine‐Entwurf wieder hervor. Daß man den in Düsseldorf nicht haben wollte, fand der Bildhauer selbstverständlich unverständlich. Auf der Nordseeinsel Norderney, wohin sich Heine 1825 nach protestantischer Taufe und Jura‐Promotion zurückgezogen hatte, war ein Breker‐Heine dagegen willkommen. Dort hockt nun ein Zuckerguß‐Jüngling als Bonsai‐Ausgabe der Nazi‐Monumente von einst.
1981 bekam Düsseldorf endlich sein Heine‐Denkmal, von einem Münchner Bankier finanziert. Bert Gerresheim baute eine umstrittene Vexier‐Landschaft, einen offenen Baldachin, von Eisenstangen umgrenzt. In Bronze gegossen und zerschnitten des Dichters Antlitz, dazu verstreute biographische Details: Hier die Trommel des Hauptmanns Le Grand, der dem kleinen Heine von der Freiheit und Gleichheit der Großen Französischen Revolution trommelte, dort die Schere der deutschen Zensoren, die so oft des Dichters Schriften verstümmelten. Und, nicht zu übersehen, Schuhe, als Anspielung auf die Schuhverkäuferin Crescence Augustine Mirat, genannt Mathilde, die Heine im Oktober 1834 in Paris lieben lernte.
Ein Jahr später entstand in Bonn, wo Heine 1918/1819 studiert hatte, in unmittelbarer Nähe der Universität, das vermutlich einzige nichtfigürliche Heine‐Denkmal, das im kunsthistorischen Familien‐ und Richtungsstreit hochgelobte und böse gescholtene „Erinnerungsmal“ des deutschen Bildhauers Ulrich Rückriem. Rückriem zergliederte für sein Projekt Dolomiten‐Felsblöcke und setzt sie neu zusam‐ men. In der polierten Granitplatte spiegelt sich die Universität, in der Heine von dem Romantiker und Shakespeare‐Übersetzer August Wilhelm Schlegel entscheidend beeinflußt wurde. In der Mitte des Monuments ist eine schwarze Granitplatte eingelassen. Auf ihr steht nichts als der Name Heinrich Heine.

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