9/11

Die große Lüge

von Tobias Jaecker

Juden haben vom Einsturz des World Trade Centers finanziell profitiert. Der israelische Geheimdienst Mossad war in die Anschlagspläne eingeweiht. Neokonservative Drahtzieher in der US-Regierung haben die Sache angezettelt, um eine neue Weltordnung durchzusetzen. Willkommen in der Welt der Verschwörungstheoretiker. Wer sich fünf Jahre nach dem 11. September 2001 über die Hintergründe informieren möchte, wird von einer regelrechten Verschwörungs-Industrie bestens versorgt. Zum Jahrestag findet in New York ein Kongreß statt, auf dem »die Wahrheit« hinter den Anschlägen diskutiert werden soll. In den Buchläden stapeln sich Titel wie 9/11: Die große Lüge. Und im Internet kursieren unzählige Texte, Bilder und Videos, die vorgeben, die »offizielle Version« zu entlarven. Am populärsten ist der Film Loose Change, von einem 22jährigen Studenten. Angeblich haben sich zehn Millionen Menschen den Streifen im Internet angeschaut.
Die Thesen der Verschwörungstheoretiker lauten: Nicht islamistische Terroristen haben die Anschläge auf dem Gewissen, sondern die US-Regierung und ihre Helfer. Das World Trade Center etwa sei von innen gesprengt worden. Kaum überraschend, daß auch »die Juden« ins Fadenkreuz geraten. »Da werden immer wieder Zusammenhänge hergestellt«, sagte Marilyn Mayo von der amerikanischen Anti-Defamation League (ADL) der Jüdischen Allgemeinen. Mayo hat die kursierenden Theorien untersucht und sagt: »Antisemitismus ist ein wichtiger Teil in dem Puzzlespiel«.
So ist von Larry Silverstein die Rede, der im Sommer 2001 den Hochhaus-Komplex gepachtet und eine Versicherung abgeschlossen habe, die verdächtigerweise auch terroristische Akte einschließe. Silverstein sei Jude und habe Verbindungen nach Israel. Merkwürdig sei auch, daß vor den Anschlägen angebliche Kunststudenten aus Israel verhaftet wurden: Mossad-Spione.
Erklärt wird alles mit der These, die »jüdischen Neokonservativen«, darunter der damalige stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz, hätten den 11. September inszeniert, um den Anti-Terror-Krieg zu entfachen und die Feinde Israels zu vernichten. Das Spektrum der Ankläger reicht weit über die Verschwörungsgemeinde im Internet hinaus. Die Politikprofessoren John Mearsheimer (University of Chicago) und Stephen Walt (Harvard) etwa schrieben kürzlich, für den Irak-Krieg sei die »Pro-Israel-Lobby« in Washington verantwortlich. Auch die US-Rückendeckung für den israelischen Krieg gegen die Hisbollah gehe auf das Konto dieser Lobby, die gegen die strategischen Interessen der USA handele. Der Hollywoodstar Mel Gibson drückte es vor einigen Wochen direkt aus: »Die Juden sind für alle Kriege in der Welt verantwortlich.«
Die Behauptung, das Weltgeschehen werde im Geheimen von Juden gelenkt, ist nicht neu: angefangen bei der Französischen Revolution über die gefälschten »Protokolle der Weisen von Zion« bis zum Zweiten Weltkrieg. »Auf der Suche nach Ant- worten haben die Menschen schnell die alten Feindbilder zur Hand«, sagt Marilyn Mayo. Mit Argumenten ist dagegen kaum anzukommen. Zwar haben die US-Regierung und das Institute of Standards and Technology versucht, Verschwörungstheorien mit Faktenkatalogen (http://usinfo.state.gov/media/misinformation.html) zu widerlegen. Doch in den einschlägigen Internetforen hat man dafür nur Häme übrig: Propa- ganda und Desinformation, das Gegenteil sei richtig. Laut einer Studie der Universität Ohio glauben 36 Prozent der Amerikaner, daß Mitglieder der Regierung hinter 9/11 stecken oder nichts taten, um die Anschläge zu stoppen – um Amerika in einen Krieg im Nahen Osten zu treiben.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

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