Jewish Claims Conference

Die Anwälte

von Gideon Böss

Ein »geschichtliches Novum« hat der Repräsentant der Jewish Claims Conference (JCC), Georg Heuberger, die Verhandlungen zwischen jüdischen Vertretern und der Bundesrepublik Deutschland genannt. Davor hätten immer nur Staaten Wiedergutmachung von anderen Staaten gefordert. Die Einzelentschädigungen seien darum ein »zivilisatorischer Fortschritt«. Am vergangenen Donnerstag berichtete Heuberger im Touro College Berlin, nach einleitenden Worten von Rabbiner Andreas Nacha- ma, über die Arbeit seiner Organisation.
Als die JCC 1951 gegründet wurde, verstand sie sich nicht nur als Anwalt der Überlebenden, sondern investierte von Beginn an in Projekte, die an die Ermordeten erinnern sollten. Heute kämpft sie auch für die Rückgabe geraubter Kunstwerke. Obwohl 1998 im Washingtoner Abkommen festgelegt wurde, dass deutsche Museen aufklären müssen, wie sie in den Besitz strittiger Werke kamen, ist Heuberger über die mangelnde Bereitschaft dazu enttäuscht. Mit Blick auf die Debatte um die Rückgabe des Kirchner-Bildes »Berliner Straßenszene« sprach er von einer »Agitation gegen die Restitution«. Die betroffenen Einrichtungen stellten sich als Opfer geldgieriger Spekulanten dar, von denen sie moralisch erpresst würden. Der Versuch der Claims, jüdischen Familien ihren Besitz zurückzugeben oder zumindest eine gerechte Lösung zu finden, werde als Angriff auf die Kulturlandschaft angesehen, die nur »Begehrlichkeiten« wecken würde, wie es der Berliner Ex-Kulturstaatssekretär Lutz von Pufendorf ausdrückte.
Heuberger ging auch auf die Renten für ehemalige Ghettoarbeiter ein. Von knapp 70.000 Anträgen wurden 61.000 abgelehnt. Denn die Antragssteller müssen nachweisen, dass die Arbeit »freiwillig« geleistet wurde. Für die meisten Antragssteller gehe es weniger um die magere Rente, als vielmehr um die damit verbundene Anerkennung ihres Leidens durch den deutschen Staat. »In der Ablehnung ihres Anspruches sahen viele eine Negierung dieses Leidens«, sagte Heuberger.
Die JCC kümmert sich auch um die Betreuung pflegebedürftiger Holocaustüberlebender, besonders in Osteuropa, da die soziale Versorgung dort nicht mit der in West- europa zu vergleichen ist. Für sie baut die Claims Begegnungszentren. Doch sind viele nicht mehr in der Lage, das Haus zu verlassen. Sie zu betreuen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben, wie Heuberger betonte.
Am Schluss stellte Andreas Nachama noch einmal klar, dass es bei der Arbeit der Claims Conference nicht darum gehe, »Geld herauszuholen, sondern Gerechtigkeit herzustellen«. Zum Widerstand gegen die Restitution sagte Heuberger: »Du hast gemordet und willst auch noch erben?« Deutschland solle sich nicht auch noch am Eigentum der von Deutschen ermordeten Juden bereichern dürfen.

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026