Angebot

Deutsch für Israelis

Eigentlich hat der Deutschkurs bereits vor zehn Minuten begonnen, doch von den vielen leeren Stühlen sind nur fünf besetzt. »Das ist normal«, sagt Kursleiterin Katrin Eibenstein und lacht. »Die meisten sind so gegen halb zehn da.« Insgesamt 14 Schüler pauken hier in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Deutsch: Zehn Wochen lang, vier Tage die Woche, zweieinhalb Stunden am Tag. Der Intensivkurs ist ein Angebot der Jüdischen Volkshochschule (JVHS), die jedes Trimester etwa vier davon anbietet, unterteilt in die verschiedenen Niveaus. Zusätzlich gibt es noch einen Deutschkurs für Senioren.
Katrin Eibenstein beginnt den Unterricht mit einer Sprechübung: »Erzählt euch in Zweiergruppen, was ihr am Wo-
chenende gemacht habt«, bittet sie. Ob-
wohl der Kurs zur Grundstufe gehört, klappt das Erzählen schon sehr flüssig – auch, wenn die deutsche Grammatik einige Stolperfallen birgt. »Ich bin gehen rein«, berichtet Sahar und wird von Eibenstein korrigiert: »Ich bin reingegangen.«
Die Atmosphäre in dem an ein Klassenzimmer erinnernden Raum ist locker, es wird viel gescherzt und gelacht. »Das ist hier sehr lebendig«, erzählt Eibenstein. Überhaupt herrsche ein ständiges Kommen und Gehen. »Manche Schüler kommen sehr regelmäßig, andere haben mit ihrem Job viel zu tun oder müssen zwi-
schendurch ins Ausland oder nach Hause.« Zu Hause – das ist in den meisten Fällen Israel. »Bis auf vielleicht einen Teilnehmer kommen in jeder Klasse eigentlich alle aus Israel«, so Eibenstein.

Neu-Berliner So wie zum Beispiel Maayan: Die 28-Jährige lebt seit zwei Monaten mit ihrem Mann in Berlin, ein gutes Jobangebot als Animationsproduzentin zog sie hierher. Seitdem lernt sie Deutsch – und richtet ihre neue Wohnung ein: »Meine Suche nach Vorhängen, das war schon oft ein Thema hier im Kurs«, erzählt sie lachend. Neben ihr sitzt Zohar, eine 21-jährige Malerin, die seit drei Monaten Neu-Berlinerin ist. »Die Kunstszene in Israel ist sehr klein, und in Berlin kann ich andere Künstler treffen.«
Kreative und Expatriates, also Menschen, die wegen des Jobs oft mit ihren Fa-
milien für einen längeren Zeitraum kommen, bilden laut Maya Zehden, Sprecherin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die beiden größten Gruppen der Neu-Berliner aus Israel. »Vor zehn oder 20 Jahren waren die Kurse vor allem für Zuwanderer aus den ehemaligen Sowjetstaaten gedacht«, sagt Zehden. Katrin Eibenstein ergänzt: »Als ich vor knapp vier Jahren als Lehrerin anfing, war das Verhältnis noch so, dass 50 Prozent der Teilnehmer Russisch als Muttersprache hatten und 50 Prozent aus Israel kamen.« Mittlerweile besuchten fast ausschließlich Israelis die Kurse und dabei vor allem junge, die in Berlin eine Zukunft suchten.
Maya Zehden sieht diese Entwicklung mit Freude: Immer noch gebe es viele Vorurteile gegenüber Deutschland, deswegen sei es ein mutiger Schritt, wenn sich Israelis für einen Umzug nach Berlin entschieden. Die Kurse der Volkshochschule vermittelten für den Start im neuen Land dabei mehr als reine Sprachkenntnisse. Der Zulauf sei groß, das Angebot der Volkshochschule schon in Israel bekannt. »Diese Welle begann vor etwa dreieinhalb Jahren: Die ersten Israelis, die kamen, besuchten meist zuerst die teuren Privatschulen und kamen dann zu uns.« Die Mundpropaganda habe dazu geführt, dass sich mittlerweile viele gleich an die Volkshochschule wendeten. Neben der guten Atmosphäre biete diese auch noch niedrige Preise – die Kursgebühren betragen gerade einmal 75 Euro.
Zehden kann die Attraktivität Berlins für Israelis verstehen: »Berlin ist heute das, was Paris im 20. Jahrhundert war – ein Kulturzentrum mit einer offenen und lebendigen Szene und noch dazu preisgünstig.« Das mache sie für Künstler interessant.

Kunstszene Einer von ihnen ist etwa Sahar. Er kam zusammen mit seiner Freundin Zohar in die Stadt, um an der Universität der Künste (UdK) Kunst und Malerei zu studieren. »Mich reizen die Kunstszene und die Möglichkeiten, sich hier eine künstlerische Karriere aufzubauen«, begründet er seinen Umzug. Wie Sahar ist auch Michal UdK-Studentin. Die 23-Jährige ist wegen der Musik nach Berlin gekommen, sie spielt Querflöte. »Die Ausbildung ist besser als in Israel, und Berlin ist ein Zentrum für Musik«, sagt sie. Seit acht Monaten lebt sie in der Stadt und fühlt sich wohl.
Auch wenn die Deutschkurse der Jüdischen Volkshochschule zeigen, dass immer mehr Israelis nach Berlin kommen, ändert sich für die Jüdische Gemeinde dadurch nicht viel. »Viele bleiben nur auf Zeit und werden dann nicht unbedingt Gemeindemitglieder, deswegen kommt diese Entwicklung nicht direkt bei uns an«, sagt Zehden. Ein spezielles Angebot für die Neuankömmlinge sei daher nicht geplant. Allerdings verfüge die Gemeinde mit der Volkshochschule und dem Jüdischen Kindergarten und ihren Hebräisch sprechenden Ansprechpartnern bereits Einrichtungen, die für Isralis interessant seien. Au-
ßerdem sei geplant, die Homepage der Ge-
meinde ins Englische zu übersetzen – so könnten sich Menschen aus dem Ausland bald schon vorab über die Jüdische Ge-
meinde zu Berlin informieren.

Eva Erben

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