vereinte nationen

Der unerwünschte Herrscher

Die Vereinten Nationen treffen sich zur 64. Generalversammlung in New York City –und bereits im Vorfeld brodelt es. Der World Jewish Congress hat die Delegierten aufgerufen, den Auftritt des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad am Mittwoch (nach Redaktionsschluss) zu boykottieren. Ahmadinedschad habe mit seinen »verbalen Attacken gegen Israel das moralische Recht verspielt, vor den Vereinten Nationen zu sprechen«, erklärte Ronald S. Lauder, der Präsident des WJC. Die Staats- und Regierungschefs sollten bei seiner Rede den Saal verlassen, um deutlich zu machen, dass sie Rassismus und Antisemitismus nicht länger dulden. Ahmadinedschad ist in New York, schrieb der New-York-Times-Kolumnist Clyde Haberman, »so populär wie die Schweinegrippe«. Erst jüngst hatte er den Holocaust als »eine falsche Behauptung, ein Märchen, das als Vorwand für Verbrechen gegen die Menschheit benutzt wird« bezeichnet.
Schon vorab war klar, dass Israels Premier Benjamin Netanjahu deshalb nicht an der Eröffnungsveranstaltung teilnehmen würde, bei der US-Präsident Barack Obama zum ersten Mal auftrat. Hingegen wollte Israels UN-Botschafterin, Gabriela Shalev, anwesend sein, aber bei Ahmadinedschads Rede den Saal verlassen.
Obamas UN-Botschafterin Susan Rice hatte erklärt, der Präsident werde sich nicht mit Ahmadinedschad treffen. Obama wollte nicht in eine Situation geraten wie im April, als der venezolanische Präsident Hugo Chavez ihm vor laufender Kamera ein Buch schenkte. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen: »Mahmud Ahmadinedschad ist für seine schändlichen Reden bekannt, in denen er den Holocaust lobt. Sollte er an der Versammlung teilnehmen, und sollte seine Rede wieder in diese Richtung gehen, dann wird die deutsche Delegation darauf angemessen reagieren.« Außenminister Frank Walter Steinmeier ist allerdings wegen der Bundestagswahl nicht in New York, er wird durch Umweltminister Sigmar Gabriel vertreten.
Auch mehrere Bürgerrechtsgruppen protestieren gegen Ahmadinedschad, darunter Human Rights Watch und die »Association of Iranian Americans in New York«. Unterstützt werden sie von dem Verein »United Against Nuclear Iran« (UANI), der von den Spitzendiplomaten Richard Holbrooke und Dennis Ross gegründet wurde. UANI ist es gelungen, mehrere New Yorker Hotels gegen Ahmadine- dschad zu mobilisieren. Ursprünglich wollte der iranische Präsident bei einem Bankett eine Rede halten, für das ein iranischer Student das Helmsley Hotel gemietet hatte. Das hat jetzt aber abgesagt. »Weder die iranische Mission noch Präsident Ahmadinedschad sind bei irgendeinem Helmsley- Hotel willkommen«, sagte ein Sprecher. Auch das zweite Hotel, das die Iraner auswählten, Gotham Hall, gab dem Druck nach. Nun kommt Ahmadinedschad im Essex House am Central Park unter, das einer Holding aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört. UANI schrieb an das Essex House, es solle dem »Tyrannen«, an dessen Händen auch amerikanisches Blut klebe, die Räume verweigern.
Der iranische Präsident ist in den USA ohnehin Persona non grata, aber als Teilnehmer der UN-Vollversammlung kann er unbehelligt anreisen. Eva Schweitzer

Rabbinerausbildung

»Sehr bedeutsamer Schritt«

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und die Nathan Peter Levinson Stiftung beabsichtigen Kooperation

 19.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

USA

Müssen US-Unis Informationen über jüdische Mitarbeiter herausgeben?

Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

von Nicole Dreyfus  29.01.2026

Fernsehen

Wie Skandal-Camper Gil Ofarim erste Sympathie-Punkte sammelt

Kompliment und Kloppe für Gil Ofarim

von Aleksandra Bakmaz  29.01.2026

TV

Dschungelcamp: Gil Ofarim will nicht sprechen - oder doch?

Bei Hitze und Hunger schütten die Campteilnehmer sich gegenseitig ihr Herz aus. Am zweiten Tag in Down Under lassen die Dschungelbewohner tief blicken. Doch nicht jeder bekommt Mitleid

von Inga Jahn  02.02.2026 Aktualisiert

Leipzig

Gegensätzliche Nahost-Demos linker Gruppen 

Ein Team des MDR wurde aus der antiisraelischen Demo heraus angegriffen

 17.01.2026

TV-Tipp

Als David Bowie weinte: Arte-Doku beleuchtet die Schattenseiten eines musikalischen Genies

Oft feiern Filmporträts ihre Protagonisten mehr oder weniger unkritisch. Eine Arte-Doku über Popstar David Bowie wählt einen anderen Weg - und ist genau deshalb so gelungen

von Manfred Riepe  14.01.2026

Brandenburg

»Was soll der Scheiß?«: Nach Brandanschlag - Büttner übt scharfe Kritik an Linken-Spitze

Die Hintergründe

 10.01.2026

Antisemitismus

Die kruden Thesen eines AfD-Abgeordneten

Ein AfD-Parlamentarier teilte einen Instagram-Post, in dem die Rothschild-Familie mit dem Untergang der »Titanic« 1912 in Verbindung gebracht wird

 08.01.2026