Genisa

Das Wunder von Bayreuth

Das Wunder von Bayreuth
Genisa in der Synagoge entdeckt

Felix Gothart ist sich sicher: »Dieser Fund wird uns Aufschlüsse über die Gewohnheiten einer alten jüdischen Stadtgemeinde geben.« Wenige Monate vor dem 250. Jubiläum ihrer Synagoge im März 2010 kann sich der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth über eine bedeutende Entdeckung freuen, die, so vermutet man, mindestens 200 Jahre alt sein könnte.» Bei Sanierungsarbeiten fanden Arbeiter unter Brettern des Dachbodens zufällig eine Genisa, eine umfangreiche Ablage mit alten religiösen Schriften und Kultgegenständen. Gothart informierte Martina Edelmann, Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums in Veitshöchheim, die «alles liegen und stehen ließ» und sich mit zwei Kollegen nach Bayreuth aufmachte. Sie wies darauf hin, dass in Franken bislang 40 ländliche Fundorte mit solchen Ablagen bekannt sind. Sie seien aber allesamt nicht in Synagogen: «Eine Genisa wie in Bayreuth kannten wir bisher nicht.» Aber auch der Bayreuther Fund biete die Chance einer sachgemäßen Bergung der jahrhundertealten Dokumente, die neben religiösen Schriften auch Texte aus dem Alltagsleben umfassen. Edelmann erhofft sich weitere Informationen über jüdisches Brauchtum in Franken, über das Leseverhalten einer jüdischen Stadtgemeinde und über die jüdische Alltagssprache. «In den fränkischen Gemeinden war das Westjiddisch vorherrschend. Ein Dialekt, der heute nicht mehr gesprochen wird.»
Der Gemeindevorsitzende kündigte an, dass der Fund im geplanten jüdischen Museum ausgestellt werden soll, das gegenüber der Bayreuther Synagoge in der «alten Münze» entstehen wird. Die Bayreuther Synagoge liegt im Herzen der Innenstadt in der Münzgasse. «Zusammen mit dem Markgräflichen Opernhaus und dem Redoutenhaus bildet sie ein Ensemble von höchstem Wert, das städtebaulich aufgewertet werden soll», sagt Regierungs- präsident Wilhelm Wenning. Damit sei das Projekt rund um das neue jüdische Kultur- und Gemeindezentrum geeignet, überregionale Bedeutung zu erlangen. Auch bei der derzeit laufenden Bewerbung Bayreuths um Aufnahme ins UNESCO-Welterbe könnte das Projekt eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Text / Bild Stefan Müller

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Nach der Wahl

Grüne und SPD in Berlin stellen Bedingung für Sondierungen

Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt wollen an diesem Donnerstag erstmals über eine Regierungsbildung sprechen. Es soll sich aber noch nicht um formelle Sondierungsgespräche handeln

 28.09.2026

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026