Makkabiade

Das war Spitze!

Lass’ jetzt bitte keinen Mandanten kommen«, sagt Gert Rosenthal. Der 51‐jährige Rechtsanwalt aus Berlin will nicht, dass er in seiner Kanzlei mit einem Hockeyschläger in der Hand gesehen wird, während er immer wieder eine Papierkugel auf den Fotografen schießt. Prompt klingelt es an der Tür. Rosenthals Klient ist eine halbe Stunde zu früh, »ich war gerade in der Gegend«. Doch Hockey ist Rosenthal zu wichtig, als dass er jetzt das Fotoshooting abbräche. Der Mandant darf dabei sein und kann zusehen, wie sein Anwalt über eine feine lederne Sitzgarnitur hinweg vorführt, was ein Schlenzer ist.

Idee Was Gert Rosenthal in diesem Sommer bewerkstelligt hat, klingt, wenn man es liest, gar nicht so sensationell: Erstmals hat ein deutsches Damenhockeyteam an der Makkabiade, der sogenannten jüdischen Olympiade, teilgenommen und Platz drei belegt. Na, und?, könnte man fragen. Von fünf teilnehmenden Mannschaften ist die deutsche dritte geworden, wo doch drei Spielerinnen Bundesligaerfahrung haben, und mit dem Betreuer, dem Exbundestrainer Rüdiger Hänel, stand einer der besten Hockeycoaches der Welt am Spielfeldrand. Ist das eine so große Leistung?
Ja, ist es. Es waren vier Jahre harte Arbeit. Zuerst war die Idee da, dann suchte Rosenthal Mitstreiter. »Ich hatte einmal Johannes B. Kerner getroffen, und wenn ich ihn sehe, reden wir immer über Hockey.« Der Fernsehmoderator ist mit Britta Becker, der 231‐fachen Nationalspielerin, verheiratet. »Ihm gefiel die Idee, dass Britta da mitmacht.« Und Kerner wurde selbst aktiv: Für Rosenthals Makkabiadeidee warb er in Hamburg Rebecca Landshut, Nationalspielerin vom Club an der Alster, einem deutschen Spitzenverein. Mit Rebecca kamen noch ihre Schwestern Dinah und Debbie Landshut, und das Team hatte ein sportliches Rückgrat. »Dann habe ich gemeinsam mit Britta Becker 90 Spielerinnen angeschrieben.« Um eine Makkabiade‐Mannschaft zusammenzustellen, mussten sie ja zunächst herausfinden, wer jüdisch ist. »Einen Brief bekam, wer einen alttestamentarischen Namen trägt«, erzählt Rosenthal. »Darin haben wir gefragt: Bist du jüdisch, oder kennst du jemanden im Hockey, der jüdisch ist? Britta Becker hat mit mir zusammen alle Briefe unterschrieben.«
Zunächst war Becker auch bereit, als Cheftrainerin ihren Namen und ihre Erfahrung in Rosenthals Makkabiade‐Projekt einzubringen, doch das klappte zeitlich nicht. Beckers Ersatz war keine Nummer kleiner: Rüdiger Hänel, der schon die deutsche und die chinesische Nationalmannschaft trainiert hatte, war bereit. »Der hat eine ganz großartige Arbeit geleistet«, sagt Rosenthal immer noch mit Begeisterung. »Der hat ein Team zusammengefügt, in dem es riesige Leistungsunterschiede gab: zwischen Bundesliga und Nationalmannschaft auf der einen Seite und Nachwuchsspielerinnen auf der anderen Seite. Das hat sehr gut geklappt, da gab es keine Spannungen.« Was Rosenthal, während er in seiner Kanzlei sitzt und den vor sich liegenden Hockeyschläger betrachtet, nicht erwähnt, bestätigen die Spielerinnen gerne: Dass es so ein tolles Team wurde, liegt auch an Rosenthal selbst. Der hat sich vor und während der Makkabiade um alles gekümmert: Hat mal geschiedsrichtert, mal vermittelt, die Trikots organisiert und sogar Spenden beschafft.

dalli dalli »Im Hockey kennt jeder jeden über zwei Ecken«, erklärt Rosenthal seine Organisation der kurzen Wege. »Im sonstigen Leben mögen es drei oder vier Ecken sein, im Hockey sind es nur zwei.« Seine Kontakte über die Hans‐Rosenthal‐Stiftung hat er nicht genutzt. »Aber es ist schon so, dass wegen meines Namens die Türen manchmal leichter aufgehen.« Wenn Rosenthal sich in seiner Freizeit nämlich nicht gerade um Hockey kümmert, betreut er das Andenken an seinen Vater, den Quizmaster Hans Rosenthal. Aus dessen legendärem »Dalli Dalli hilft« wurde eine Stiftung, die sich »schneller Hilfe in akuter Not« verschrieben hat. Aber die Stiftungsarbeit muss warten, denn Gert Rosenthal ist noch beseelt vom Hockeyerfolg bei der Makkabiade. »Das würde ich sofort wieder machen«, sagt er, und sein wahrscheinlich größter Erfolg ist, dass das Projekt auch ohne ihn weiterlaufen könnte.
»Ohne mein Zutun organisieren die Spielerinnen jetzt ein Nachtreffen«, erzählt er stolz, »und wir überlegen auch, ob wir an einem Turnier eines Vereins teilnehmen – damit die Mannschaft auch spielerisch zusammenbleibt.« Und für die nächsten europäischen Makkabi‐Spiele, die 2011 in Wien stattfinden, hat Rosenthal wieder so ein Ziel, das, schreibt man es auf, unspektakulär klingt, aber doch verdammt viel Arbeit macht. »Da hat es noch nie einen Hockeywettbewerb gegeben, und wir bemühen uns gerade, dass es dort erstmals ein Turnier geben wird – mit uns.«

Training An sich selbst, den immer noch Hockey spielenden Sportenthusiasten Gert Rosenthal, denkt er dabei kaum. »Ich komme nur ein, zwei Mal die Woche zum Hockeyspielen«, erzählt er. Als er jünger war, gehörte sein Klub, der Steglitzer TK, noch zu den Größen im Berliner Hockey, eine Saison sogar zur ersten Bundesliga. Seit zehn Jahren ist Rosenthal dort Abteilungsleiter und bemüht sich, dass es mit seinem Klub wieder aufwärts geht. Dass die eigene Sportlaufbahn da leidet, leuchtet ein. »Gerade erst war ich bei der Deutschen Meisterschaft der 3. Herren in Hamburg, das ist die Meisterschaft der Senioren«, sagt er. »Wir haben aber alles verloren, was wir verlieren konnten.«

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