Chords Bridge

Das neue Tor zur Stadt

In seiner langen Geschichte hat Jerusalem viele Prunkbauten gekannt, einen solchen aber noch nicht. Wer sich der Stadteinfahrt nähert, sieht erst einmal eine Art Riesennagel, der in den sommerblauen Himmel ragt. Dann wird ein Fächer aus Stahlseilen sichtbar, die sich, von unten heraufeilend, am Nagelkopf ein Stelldichein geben. Jetzt erinnert das Bild, je nach Blickwinkel, an ein Segel oder an eine startende Concorde. Oder, so jedenfalls der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava, der das Bauwerk ersonnen hat, an die Saiten einer Harfe. Erst ganz zum Schluss wird das unterste Element des monumentalen Bauwerks sichtbar und zeigt, worum es sich wirklich handelt: eine Brücke, die Chords Bridge, die Saitenbrücke. Sie verbindet die Jaffastraße mit dem Herzlboulevard und schwingt sich auf einer Länge von 160 Metern über die dazwischen liegende, monströse Straßenkreuzung. Oder eher: schwebt darüber. Die 4.500 Tonnen schwere Stahlkonstruktion wird zwischen ihren beiden Betonrampen nämlich von keinem einzigen Pfeiler gestützt, sondern von den insgesamt 66 Seilen an dem 118 Meter hohen Mast festgehalten. »Sie ist absolut stabil«, beruhigt Jechiel Lawi, Generaldirektor der städtischen Entwicklungsgesellschaft Moriah. Hoffentlich stabiler als der wackelige Amtsstuhl von Ministerpräsident Ehud Olmert. Dieser – selbst ein Ex-Bürgermeister von Jerusalem – hat für die Brücke nur Lob übrig. Als »eine Perle in der Krone architektonischer Tätigkeit«, »ein Zeichen der Selbsterneuerungskraft Jerusalems« und »ein Tor vom 21. Jahrhundert in die Geheimnisse und Wunder des alten Jerusalems« pries der Regierungschef die Brücke bei der pompösen, zwei Millionen Schekel teuren Einweihungsfeier in der vergangenen Woche.
Die Begeisterung wird nicht vo allen geteilt. Der hypermoderne Stahlsteg, so viele Jerusalemer, passe zu der für ihre steinernen Bauten bekannten Stadt wie die Faust aufs Auge. »Die Brücke«, zürnt Ami Ran, Chefredakteur der Vierteljahresschrift »Adrichalut Israelit« (Israelische Architektur), »ist ein Monstrum«. Das Bauwerk spiegele »das Ego ihres Architekten und nicht die Stadt Jerusalem wider.« Nun ließen sich solche Einwände vielleicht verkraften. Schließlich kam auch der Eiffelturm bei seiner Einweihung keineswegs bei allen gut an. Allerdings hat die neue Überführung auch schon ihren Ruf als Planungsruine weg. Sie ist nämlich nicht etwa für Kfz bestimmt, an denen Jerusalem zunehmend erstickt, sondern für die geplante Straßenbahn. Deren erste Strecke befindet sich wegen massiver Terminüberschreitungen erst im frühen Baustadium. Bis die ersten Züge an den Saiten vorbeihuschen, werden bestenfalls noch zweieinhalb Jahre vergehen. Derweil fehlt der Regierung und der Stadt das Geld für andere, dringlichere Projekte, von den zehn Millionen Schekel – knapp zwei Millionen Euro – pro Jahr abgesehen, die auch ohne Bahnverkehr für Wartung und Pflege anfallen. »Hier wurden 750 Millionen Schekel begraben«, empört sich der Knessetabgeordnete Swulun Orlew, Vorsitzender des Parlamentsausschusses für Staatskontrolle. Der Jerusalemer Architekturhistoriker David Kroyanker spart nicht mit Spott. »Das«, erklärte er am Tag der verfrühten Einweihung »ist eine Brücke zwischen Nichts und Nichts«. Wladimir Struminski

Brandenburg

»Was soll der Scheiß?«: Nach Brandanschlag - Büttner übt scharfe Kritik an Linken-Spitze

Die Hintergründe

 10.01.2026

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026

Westjordanland

Netanjahu schreibt Siedlergewalt einer »Handvoll Kids« zu

Nach Kritik der Trump-Regierung an Israels Vorgehen in der Westbank wiegelt Israels Premierminister ab - und zieht noch mehr Kritik auf sich

 01.01.2026

Israel

Israel führt Gedenktag für marokkanische Juden ein

Die Knesset hat beschlossen, einen Tag zur Erinnerung an die marokkanisch-jüdische Einwanderung zu schaffen

 31.12.2025

Gaza

37 Hilfsorganisationen in Gaza und im Westjordanland droht Lizenz-Entzug

Israel will sich vor Terrorverbindungen in Hilfsorganisationen schützen. Die Einrichtungen warnen vor humanitären Konsequenzen

 31.12.2025

Bulletin

Terrorangriff in Sydney: 20 Verletzte weiter im Krankenhaus

Fünf Patienten befinden sich nach Angaben der Gesundheitsbehörden in kritischem Zustand

 17.12.2025

Terror

Polizei: 9 Tote bei Angriff in Sydney

Was bislang bekannt ist - und was nicht

 14.12.2025

Sydney

Jewish organizations decry the »scourge« of antisemitism

This time the focus is on Australia. It is hosting a conference of the international Jewish initiative »J7.« The group is presenting figures on Jew-hatred on the continent – and speaks of historic highs.

von Leticia Witte  03.12.2025