Gilad Schalit

Das große Bangen

von Carsten Hoffmann

Nach Ablauf eines Ultimatums der Entführer des verschleppten Soldaten Gilad Schalit warten die Israelis voller Bangen auf weitere Informationen. Im Nervenkrieg um die Freilassung des 19jährigen betonen die Entführer zwar, sie wollten das Leben ihres Gefangenen verschonen. Doch weil sie am Dienstag zugleich die Kontakte zu ägyptischen Vermittlern abgebrochen haben, scheinen die gerade begonnenen Bemühungen um eine Freilassung zunächst einmal in die Sackgasse geraten zu sein.
Daß die Palästinenser den jungen Mann sofort töten würden, war in Israel nicht erwartet worden. Denn für drei Terrororganisationen unter Führung der radikal-islamischen Hamas ist der Israeli die wichtig- ste Trumpfkarte gegenüber der Armee, die mit Panzertruppen vor Gasa steht. Bei einem Tod des Soldaten werde die Hamas-Spitze zum Ziel gezielter Tötungen, drohen israelische Regierungsvertreter immer wieder. Israelische Sicherheitsexperten fürchten aber, das Ringen um die Freilassung könnte Wochen, Monate oder noch länger dauern. Drohend haben die Entführer Israel bereits davor gewarnt, »frühere Fehler« bei Geiselnahmen zu wiederholen. »Die Kidnapper haben Forderungen gestellt, von denen sie wußten, daß Israel sie zurückweisen würde. Das ist der Beginn eines Nervenkrieges. Wer blinzelt zuerst«, prognostiziert die Zeitung Yedioth Ahronoth am Dienstag. In der Tat hatten die Palästinenser zuletzt immer neue Bedingungen an Informationen über Schalit geknüpft, zuletzt die Freilassung von tausend palästinensischen Gefangenen und das Ende der Militäroperation im Gasastreifen – die jedoch ohne die Entführung kaum begonnen worden wäre. Kommentatoren betonen zudem, Israel wolle den Fall jetzt auch nutzen, um die Hamas und ihre Regierung zu beschädigen, wenn nicht gar zu zerstören. Unnachgiebigkeit und hartes Vorgehen sollen Palästinenser von weiteren Geiselnahmen abschrecken. Israel fürchtet ansonsten, daß das Kidnapping zu einer neuen Taktik im Kampf der Terrorgruppen werden könnte. Der richtige Weg ist für Regierung und Militär daher ein Balanceakt. »Ich fürchte, unsere Reaktion in der Krise ist etwas übertrieben«, sagte der israelische Vizeministerpräsident Schimon Peres am Dienstag. »Unsere Fähigkeit zur Abschreckung hat nicht gelitten«, sagte er weiter. Peres ist gegen Verhandlungen mit den Entführern, die auch Ministerpräsident Ehud Olmert ausschließt. Am Dienstag stießen israelische Panzer tiefer in den Norden des Gasastreifens vor. Innenminister Ronni Bar-On warnt: »Die Kidnapper werden einen nie dagewesenen Preis bezahlen, wenn sie dem Soldaten etwas antun.«
Aber Noam Schalit, der Vater des Entführten, fürchtet, sein Sohn könne in dem eskalierenden Konflikt auf der Strecke bleiben. Er kritisiert erstmals die Strategie der Regierung und fordert: »Stellt die israelische Abschreckungsfähigkeit nicht auf dem Rücken meines Sohnes wieder her, sein Rücken ist nicht breit genug.«
Die Europäische Union hat von Israel im Konflikt mit radikalen Palästinensern »Zurückhaltung« gefordert. »Die Europäische Union ruft Israel auf, äußerste Zurückhaltung zu wahren und ein unverhältnismäßiges Vorgehen zu vermeiden«, hieß es in einer vom Ministerrat veröffentlichten Erklärung der EU-Regierungen. Die EU forderte »die sofortige und bedingungslose Freilassung des entführten israelischen Soldaten« und verurteilte die Ermordung eines entführten Israelis im Westjordanland. Sie rief die palästinensische Führung auf, »der Gewalt und terroristischen Aktionen, einschließlich des Abschusses von Raketen auf israelisches Gebiet, ein Ende zu setzen«.

Brandenburg

»Was soll der Scheiß?«: Nach Brandanschlag - Büttner übt scharfe Kritik an Linken-Spitze

Die Hintergründe

 10.01.2026

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026

Westjordanland

Netanjahu schreibt Siedlergewalt einer »Handvoll Kids« zu

Nach Kritik der Trump-Regierung an Israels Vorgehen in der Westbank wiegelt Israels Premierminister ab - und zieht noch mehr Kritik auf sich

 01.01.2026

Israel

Israel führt Gedenktag für marokkanische Juden ein

Die Knesset hat beschlossen, einen Tag zur Erinnerung an die marokkanisch-jüdische Einwanderung zu schaffen

 31.12.2025

Gaza

37 Hilfsorganisationen in Gaza und im Westjordanland droht Lizenz-Entzug

Israel will sich vor Terrorverbindungen in Hilfsorganisationen schützen. Die Einrichtungen warnen vor humanitären Konsequenzen

 31.12.2025

Bulletin

Terrorangriff in Sydney: 20 Verletzte weiter im Krankenhaus

Fünf Patienten befinden sich nach Angaben der Gesundheitsbehörden in kritischem Zustand

 17.12.2025

Terror

Polizei: 9 Tote bei Angriff in Sydney

Was bislang bekannt ist - und was nicht

 14.12.2025

Sydney

Jewish organizations decry the »scourge« of antisemitism

This time the focus is on Australia. It is hosting a conference of the international Jewish initiative »J7.« The group is presenting figures on Jew-hatred on the continent – and speaks of historic highs.

von Leticia Witte  03.12.2025